Versöhnlich zeigte sich
Robin Dutt bei der Pressekonferenz anlässlich seiner eigenen Entlassung, die er auf diesem Wege selbst äußerst würdevoll gestaltete. Kein böses Wort zu Mannschaft, Vereinsführung, Medien oder Fans kam ihm über die Lippen. Dabei hatten gerade letztere, die sogenannten "Fans" von Bayer 04 Leverkusen, dem Aufeinandertreffen mit dem SC Freiburg im Zusammenspiel mit der unterirdischen Leistung der Werkself eine geradezu gruselige Atmosphäre verliehen, indem sie ihrem
Hohn und Spott für die Mannschaft, aber insbesondere Dutt selbst freien Lauf ließen.
Natürlich hat Dutt Fehler gemacht. Der Schwabe und das Rheinland - sie schienen von Beginn an nicht füreinander gemacht (aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen). Und natürlich ist es das Recht eines "Fans", auch einmal seinem Unmut Luft zumachen, gerade wenn man die Kluft zwischen Potenzial und Leistung der aktuellen Bayer-Mannschaft betrachtet. Und natürlich ist eine differenzierte Meinungsäußerung via Massensprechchor schwierig bis unmöglich.
Aber
Christian Streich verwies zu Recht auf die moralische Dimension dieser mehr als fragwürdigen Aktion des Leverkusener Publikums, dass Dutt zu diesem Zeitpunkt bereits längst "gefressen hatte". Nachdem der Klub es nach sehr langer Zeit mittlerweile halbwegs versteht, offensiv mit dem Negativimage als seelenloser Werksverein umzugehen, rissen die Anhänger mit dieser Aktion einmal mehr das wieder ein, was vorne mühsam mit den Händen aufgebaut worden war: Diese selten destruktive Aktion offenbarte schlicht und einfach den Theaterpublikums-Charakter eines Großteils der Zuschauer, die für ihr teures Eintrittsgeld auf guter Unterhaltung bestehen. Das dieses Preis-Leistungsverhältnis beim Fußball nicht funktionieren kann, darüber sind sich offenbar nur die allerwenigsten im Klaren: Im
Werkself-Forum rechtfertigte man sich mit der großartigen Ironie dieser Aktion und mit ihrem im Vergleich zu Busblockaden und Platzstürmen ja so harmlosen Charakter. Kein Gedanke an die Aussenwirkung, nicht mal Ansatzweise eine Art Selbstreflexion oder eine Überlegung dazu, was für Auswirkungen so etwas auf die betroffene Person haben könnte.
Als mehr oder weniger Aussentstehenden bleibt einem da eigentlich nur das Fremdschämen mit Christian Streich, aber Dutt selbst nahm eben diesen einfältigen Zynikern mit seinem persönlichen Erscheinen und gelassenen Auftritt bei der Pressekonferenz jeden Wind aus den Segeln. Hut ab!