Donnerstag, 23. Dezember 2010Ottl: Puskas-Preis Gewinner 2010?
Nachdem im letzten Jahr unter tausend schönen Toren der gewöhnliche Weitschuss von Gel-Löckchen C.Ronaldo im Spiel gegen Porto mit dem Puskas-Preis 2009 ausgezeichnet wurde, plädiere ich nun Andreas Ottl auszuzeichnen. Nicht nur das Ottl die Justin-Bieber-Gedächtnis-Frisur trägt, nein, gegen den VfB Stuttgart erzielte der gelernte Mittelfeldspieler auch ein wunderschönes Tor aus der zweiten Reihe. Was sind schon Traumtore à la Robben (im Viertelfinale der CL 2010 gegen ManU) wert, wenn man Andreas Ottl in seinen Reihen hat?
Erst die WM-Vergabe an Katar, nun den Puskas-Preis an Ottl...ja, 2010 war wirklich eine fußballerische Wunderkiste! Wie fahre ich einen VW gegen die Wand?
Wolfsburgs vermeintlicher Trainer-Star McClaren konstatierte nach der überraschenden Pokal-Niederlage gegen das Cottbuser Überraschungsteam von Kapuzen-Pulli-Wollitz: "Wir sind ganz unten angekommen".
Aber nein, lieber Tommy, bei 35 Millionen für Neueinkäufe muss doch mehr drin sein! Denn bei Tabellenplatz 13 in der Liga ist für die verwöhnten Millionäre aus der VW-Stadt nach unten noch einiges an Potential vorhanden. Deswegen appelliere ich an Manager Hoeneß: "Holt Peter Neururer nach Wolfsburg..." Mittwoch, 24. November 2010Die menschliche Seite eines galaktischen Breitbeiners Teil II.
Dem Fußballgott sei Dank. Meine Gebete wurden erhört! Nachdem ich schon vor einiger Zeit plädierte, dass Cristiano-"Augenbrauen-Zupfer"- Ronaldo das Reale Freistoss-Monopol entzogen werden sollte (siehe "Die menschliche Seite eines galaktischen Breitbeiners"), wurden meine Bitten, wenn auch nur für kurze Zeit, letzten Endes erhört.
So machte der Galaktische doch wirklich eine Viertelstunde vor Abpfiff des bereits entschiedenen Vorrundenspieles gegen Ajax beim Stande von 4:0 Platz und ließ seinen deutsch-türkischen Mitspieler einen Freistoss schießen. Wenn diese Tatsache schon einen Artikel wert ist (sogar_ronaldo_macht_fuer_oezil_platz), was folgt dann als nächstes? Erhält der Portugiese womöglich im nächsten Jahr den Friedensnobelpreis für sein altruistisches Handeln? Samstag, 16. Oktober 2010Mehr als nur ein Fußballstadion - Mit einem Sieg im Maracanã will Brasilien 2014 lernen zu vergessen
Das Maracanã schließt seine Pforten! In den nächsten zwei Jahren bleibt der berühmteste Fußballtempel Brasiliens auf Grund diverser Umbauten geschlossen. Doch nicht nur der Schauplatz des Geschehens soll in neuem Glanz erstrahlen. Während der Weltmeisterschaft im eigenen Land werden das brasilianische Volk und seine seleção gegen eine nationale Tragödie ankämpfen, die vor 60 Jahren ihren Anfang nahm.
Für viele Fußballbegeisterte nur ein gewöhnliches Stadion, ist das Maracanã unter dem Zuckerhut eine mit Mythen verbundene, scheinbar sakrale Stätte. 1980 vereinte Papst Johannes Paul II. an diesem Ort etliche Tausende und zelebrierte die größte Messe auf lateinamerikanischen Boden. Dort sind Helden geboren, aber auch Sündenböcke gebrandmarkt worden. Die goldenen Fußabdrücke zahlreicher Idole, von Pelé und Zico über Franz Beckenbauer, bis hin zu aktuellen Stars wie Ronaldo, verweisen in der Eingangshalle auf die Größen des Fußballs, die hier bereits das runde Leder streichelten und sich ruhmreiche Schlachten lieferten. Didi, Autor des ersten Maracanã-Tores, ist ebenso wie der krummbeinige Engel - die "Freude des Volkes" - Mané Garrincha mittels einer Plakette und zahlreicher Poster vor den Pforten des Stadions verewigt worden. In einem nicht nur Fußballverrückte äußerst ansprechenden Museum können Besucher alte Baupläne, hölzerne Sitzbänke, das legendäre gelbe Trikot Garrinchas mit der Nummer 7 sowie den Lederball bewundern, mit dem Pelé 1969 sein 1000. Tor erzielte. Aber wann nahm der Mythos rund um das Maracanã eigentlich seinen Anfang? Mit dem Bauvorhaben des weltweit größten Stadions zog Brasilien 1946 in das Rennen um die Vergabe der Weltmeisterschaft 1950. Schon das Turnier 1942 sollte an die Samba-Nation gehen, doch der Krieg in Europa machte der Fußballwelt einen Strich durch die Rechnung. Dann endlich war es soweit. Nach Uruguay 1930, ging die Organisation des Ballspektakels wieder an ein südamerikanisches Land. Es bahnte sich der Aufschwung des frischen, selbstbewussten und prosperierenden Brasiliens an. "50 Jahre Fortschritt in nur 5 Jahren" sollte kurze Zeit später zum Leitsatz der Vargas-Regierung werden. Brasilien, seine Politiker und das Volk strebten nach mehr. Mehr Größe, wirtschaftlicher, aber auch sportlicher Natur. Mit einem Triumph in dem neu errichteten monumentalen und gigantischen Stadion wollte Brasilien der ganzen Welt seine Hingabe, seinen Stolz und insbesondere die spielerische und hemmungslose Lebensfreude demonstrieren. Ein Jahr nach der Vergabe erfolgte die Grundsteinlegung und binnen drei Jahren sorgten 1500 Arbeiter für die Errichtung der damals international größten Arena, die bis zu 200 000 Zuschauer beherbergte. Das Turnier im eigenen Land 1950 begann ganz nach dem Gusto der Südamerikaner, denn en masse wurden die Abwehrreihen der Konkurrenz durch schnelles und kreatives Spiel entblößt. Stürmer wie Ademir - Torschützenkönig der Veranstaltung - sowie Jair und Zizinho spielten ihre Gegenspieler reihenweise schwindelig und versetzten das Publikum in einen Rausch. Vor dem entscheidenden Spiel stand der Sieger mit Brasilien bereits fest, lediglich die Höhe des Triumphes war noch Gesprächsthema im Volksmund. Was dann folgte, ist schwer in Worte zu fassen. Die anschließende Niederlage gegen Uruguay, gleichbedeutend mit dem Verlust des sicherglaubten ersten Weltmeistertitels, provozierte bei einigen Zuschauern einen Herzinfarkt und, bei den Überlebenden eine traumatische Erfahrung unbeschreiblichen Ausmaßes. Der Dramaturg und Sportjournalist Nelson Rodrigues bezeichnete den Verlust später als "brasilianisches Hiroshima" und der Anthropologe Juca Kfouri sah darin eine "Katastrophe, ein kollektives Drama und eine nationale Katharsis". Torhüter Barbosa sollte seines Lebens nicht mehr froh werden. Als einer der Hauptverantwortlichen der Niederlage gebrandmarkt, verfolgte ihn der Ruf des Vaterlandverräters bis ins Grab. Der besagte Journalist Rodrigues notierte Jahre später: "Der Brasilianer hat das Gelbfieber vergessen, nicht aber den Torwartfehler von Barbosa". Dieses 60 Jahre andauernde Trauma gilt es nun zu verarbeiten. Besser noch, endgültig aus den Gedächtnissen des Volkes auszuradieren. Nur an der Stätte der empfindlichsten Niederlage, kann der ruhmreichste Sieg erreicht werden. Gewinnen heißt vergessen, ganz besonders in Brasilien, aber noch mehr im Maracanã. Präsident Lula ahnt schon die fatalen Konsequenzen einer erneuten Schmach: "Die einzige Gefahr für soziale Unruhen in Brasilien droht, wenn wir die Weltmeisterschaft 2014 nicht gewinnen..." Na dann, boa sorte! Freitag, 15. Oktober 2010Die menschliche Seite eines galaktischen Breitbeiners
Letzter Ausweg Trainerrausschmiss. So geschehen in Portugal, wo vor einigen Wochen der ehemalige Sporting Lissabon-Coach Paulo Bento den streitsüchtigen Carlos Queiroz beerben durfte und die selecção mit einem 3:1 Sieg auf Island nach einem dürftigen Start in die EM-Qualifikation wieder in die Erfolgsspur brachte. Wo liegt das fußballerische Geheimnis? Nicht selten erreichen Mannschaften nach einem Wechsel auf der Bank schier ungeahnte Leistungssteigerungen. Erklären kann dieses Phänomen eigentlich Niemand, Ratlosigkeit herrscht ebenso an fachsimpelnden Stammtischen, wie in den Führungsriegen professionell geführter Top-Vereine. Stopp! Nicht im sonnigen Portugal. In einem jüngst veröffentlichten Interview gab Magier Paulo Bento sein Geheimnis preis. Wie nicht anders zu erwarten, hat auch dieses Mysterium mit Superstar Cristiano Ronaldo zu tun. Während viele Fans ihrem sexy Cristiano fußballerische und ästhetische Unfehlbarkeit sowie göttliche Begabungen zuschreiben und sich unlängst wunderten, dass die Nummer 9 der Galaktischen nicht auch die chilenischen Kumpel befreien konnte, hat Paulo Bento nun die menschliche Seite des Stürmers erkannt.
"Es herrschte seit seinem Debüt 2004 die Vorstellung, Cristiano könne alle Probleme der Nationalmannschaft alleine lösen. Mir erscheint die Ansicht, alles müsse auf seinen Schultern lasten, ein wenig ungerecht." ![]() Danke, Paulo, Du hast dem Großteil der Fußballwelt endlich die Augen geöffnet! Jetzt müssen sie bei Real Madrid nur noch einsehen, dass der breitbeinig posierende Ronaldo keine Freistöße schießen kann. Donnerstag, 14. Oktober 2010Auf der Suche nach einer Leiche – Wie der Fall Bruno seit Monaten Brasilien in Atem hält
"Bruno, Bruno", schallte es noch Minuten nach dem Abpfiff. Das berühmte Maracanã-Stadion
lag ihm zu Füßen, er war uneingeschränkter Held des Abends. "Das war das schönste Tor meiner Karriere", berichtete er später stolz den Journalisten. Er strahlte über das ganze Gesicht. Wir schrieben den 24. April 2008. Flamengo-Torhüter Bruno Fernandes hatte den Olymp seiner noch jungen Karriere soeben bestiegen. Im letzten Gruppenspiel der Copa Libertadores gelang ihm gegen den peruanischen Außenseiter Coronel Bolognesi ein seltenes Kunststück. Der schwarze Hüne zirkelte beim Spielstand von 0:0 einen Freistoß ins untere rechte Eck und brachte seine Elf auf die Siegerstraße. Viele an der Copacabana sahen in ihm zu dieser Zeit die künftige Nummer eins der seleção. Ob sich Bruno heute noch an seine einstige Wundertat erinnert? Schwer zu sagen! Fußballspielen ist momentan undenkbar. Denn leider sorgt Bruno zurzeit nur neben dem grünen Rasen für Schlagzeilen. Auf den kometenhaften sportlichen Aufstieg erfolgte in diesem Sommer der tiefe Absturz. Während Robinho und Co. in Südafrika nach den Sternen griffen, sind dem Kapitän Flamengos die Hände gebunden. In Handschellen wurde er abgeführt. ![]() Dass sich auch Spitzensportler nicht nur auf der Sonnenseite des scheinbar sorglosen Fußballerdaseins befinden, ist selbst in Brasilien kein Geheimnis. Steuerbetrug womöglich oder Fahren Alkoholeinfluss? Gängige und auch in Fußballerkreisen massenhaft vorkommende Delikte. Für Bruno sieht es deutlich düsterer aus. Seit Juli sitzt der ehemalige Schlussmann in Untersuchungshaft. Anstiftung zum Mord lautet die unlängst publik gewordene Anklage. Der aus dem Bundesstaat Minas Gerais stammende Bruno soll Drahtzieher einer Entführung mit Todesfolge gewesen sein. Das Opfer? Die 23-jährige Ex-Freundin des Torhüters, Eliza Samudio Was sich wie ein Remake des 1994 stattgefundenen Mordprozesses gegen O.J. Simpson anhört und der Story eines schlechten Hollywood-Streifens gleicht, hat sich in brasilianische Realität verwandelt. Rückblick: Wir befinden uns im Juni dieses Jahres. Die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent steht vor der Tür. Ganz Brasilien ist im Fußballfieber. Straßen werden geschmückt, Wände bemalt, Trikots der seleção ge- und verkauft. Der Enthusiasmus im fünftgrößten Land unseres Erdballs ist kaum zu bremsen, obgleich einige Kritiker Trainer Dunga eine zu defensive Spielweise ankreiden. Ein jeder träumt vom hexa, dem sechsten Titel der Grün-Gelben. Für Brasilien sehr ungewöhnlich: Während eines so bedeutungsträchtigen Turniers, füllen in der Heimat nach und nach Schlagzeilen jenseits der südafrikanischen Fußballfestspiele die Lokalpresse. Immer häufiger fällt der Name Bruno im Volksmund. Gerüchte um eine Entführung kursieren. Sogar Theorien über eine Beteiligung des Flamengo- Stars machen die Runde. Rasch kocht die Gerüchteküche über. Die Bombe geht hoch. Anfang des Monats sind die ehemalige Geliebte Brunos und ihr Kind unauffindbar. Vor dem unerwarteten Verschwinden eröffnete sie der Presse, der vier Monate alte Sohn sei das Resultat ihrer Affäre mit Bruno. Name des Knaben? Ebenfalls Bruno. Der Flamengo-Spieler, verheiratet und Vater zweier Kinder, weißt die Anschuldigungen gegenüber Journalisten von sich. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein gewisser Cleiton Gonçalves wird am 8. Juni mit dem Range Rover des Torhüters wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten und das Vehikel sichergestellt. Triviale und belanglose Begebenheiten? In der Öffentlichkeit wird der Fall Bruno von Tag zu Tag präsenter. Am 26. Juni, Brasilien hat sich nach einem langatmigen Unentschieden gegen Portugal am Vortag für die Zwischenrunde qualifiziert, findet die Polizei den vermeintlichen Sprössling Brunos in Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Hier ist der Fußballspieler in der Nähe der Favela Santa Matilde aufgewachsen und besitzt seit Jahren ein beachtliches Anwesen in Esmaraldas, nordwestlich der Millionenstadt Belo Horizonte gelegen. Das Kind wird dem Vater der Entführten anvertraut. Von der Studentin Eliza weiterhin keine Spur. Nicht einmal 48 Stunden später gibt Brunos Anwalt Michel Assef Filho bekannt: "Bruno betet, dass Eliza wieder auftaucht und steht der Polizei bei ihren Ermittlungen jederzeit zur Verfügung". Der Verein Flamengo steht noch immer hinter dem 25-Jährigen, streicht ihn jedoch für das bevorstehende Testspiel sicherheitshalber aus dem Kader. Wenige Minuten später erfolgt das Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Anwesen des Schlussmanns einer Hausdurchsuchung zu unterziehen. Brunos knapper Kommentar zu den Ereignissen: "Ich lache mich schlapp, was hier passiert". Bei den Behörden ist Bruno kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon im Oktober 2009 hatte die damalige Affäre Eliza ihren Liebhaber wegen Bedrohung und handgreiflichen Übergriffen gemeldet. Ferner wurde ihm vorgeworfen, die junge Studentin seinerzeit zu einem Schwangerschaftsabbruch genötigt zu haben. In Südafrika rollt noch immer der Ball. Brasilien hat gerade Chile überzeugend mit 3:0 geschlagen und zieht in die Runde der letzten acht ein. Selbst die letzten Lästermäuler unter dem Zuckerhut räumen ihrer Mannschaft nun Chancen auf den ganz großen Wurf ein. 29. Juni 2010. In dem vor drei Wochen sichergestellten Vehikel werden Blutspuren lokalisiert. Bruno trainiert weiterhin und bekräftigt täglich sein Unwissen. Während die aktuelle Nummer Eins des fünfmaligen Weltmeisters, Júlio César, nach der empfindlichen Viertelfinal-Niederlage gegen Holland mit Tränen in den Augen stammelnd nach erklärenden Worten sucht, verwandelt sich der Fall Bruno in eine unübersichtliche, wirre Verstrickung von Ereignissen. Im Minutentakt erscheinen neue Meldungen. Dann die schockierende Nachricht: Eliza ist tot. Der 17-jährige Cousin Brunos belastet sein Familienmitglied schwer. Er will konkrete Details über die Todesursache sowie den Aufenthaltsort der Leiche kennen. Die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiros zögert keine Sekunde und fordert unverzüglich die Untersuchungshaft des Verdächtigen. Die Verantwortlichen des CR Flamengo, Weltpokalsieger von 1981, suspendieren Bruno und distanzieren sich fortan in den Medien von ihrem Ex-Kapitän. Massenfestnahmen folgen. Die Frau Brunos, Dayane und Macarrão, ein Freund aus Kindestagen sowie weitere Verdächtige werden ebenfalls unter Arrest gestellt. Der Torhüter selbst sucht das Weite und taucht unter. Er stellt sich erst Tage später, nach Absprachen mit seinem Anwalt den Behörden. Wo befindet sich der Leichnam der jungen Frau und inwieweit ist der Fußballstar in die dubiosen Machenschaften involviert? Die sich über Tage hinziehenden Verhöre und Befragungen sind letzten Endes von Erfolg gekrönt. Die an die Öffentlichkeit dringenden Einzelheiten versetzen selbst die an Gewalt gewöhnte brasilianische Allgemeinheit in einen allgemeinen Schockzustand. Der Kadaver sei erst zerstückelt und später Hunden zum Fraße vorgeworfen worden, heißt es. Prompt berichtet auch die internationale Presse über die abscheulichen Begebenheiten rund um den Zuckerhut. Häuserwände und Betonmauern werden auf der Suche nach der Leiche im Umkreis des Ferienanwesens eingerissen und durchsucht. Die Zahl möglicher Zeugen steigt ins unermessliche, die Sensationsgier findet kein Ende. In der nach Fakten lechzenden Öffentlichkeit meldet sich jetzt der mutmaßliche Bekanntenkreis Brunos zu Wort. Auf einmal kennt jedermann das Monster-Bruno. "Er suchte nie Streit und war wirklich kein Problemkind. Als Profi wurde er zu unserem Vorbild. Wir trauern. Die Nachricht war eine Schreckensbotschaft für uns", äußert sich seine ehemalige Schuldirektorin. Schon länger ist das Image des Athleten angekratzt. Sexorgien und Verständnis für prügelnde Ehemänner fanden bei der breiten Masse nur geringen Anklang. Im Vergleich zu der momentanen Lage, sind die bisherigen Kapriolen als harmlose Bagatellen zu bewerten. Das Negativ-Optimum des völlig zerrütteten Privatlebens hat der Sportler just erlangt. Ende Juli. Mit mentaler Stärke und spielerischer Raffinesse ist Spanien erstmalig Weltmeister geworden. Brasilien kommt einfach nicht zur Ruhe. Bruno leiert weiterhin seinen Unschuldssermon herunter und scheint vor Selbstsicherheit zu strotzen. Auf Grund seiner aktuellen Diffamierung, droht er dem Bundesstaat Minas Gerais mit einer Klage. Der langjährige Gefährte des Schlussmannes, Macarrão, wird mittlerweile als ausführendes Organ des unmenschlichen Verbrechens an den Pranger gestellt. Das Verhalten seines "Bruders", wie Bruno Macarrão bezeichnet, kann die einstige Nummer Eins nicht nachvollziehen: "Ich weiß nicht, was ihm durch den Kopf gegangen ist. Heute, nach allem war passiert ist, ist es sehr schwierig weiterhin an ihn zu glauben". Täglich neue Nachrichtenfluten. Eliza sei in einem Shopping-Center Rio de Janeiros gesichtet worden, behauptet der neue Anwalt Brunos. Bruno weint im Gefängnis während eines Besuch seiner Großmutter. Die Verteidigung benennt die vermisste Eliza als Zeugin. Bruno rasiert sich seinen Schädel kahl und verbrennt die Haare. In seiner Heimatstadt wird der Fußballstar als persona non grata diskreditiert. Die zahllosen Gerüchte verwandeln die Ereignisse rund um das Verbrechen in ein unüberschaubares Schauspiel, das kaum noch das Interesse bei der Masse heraufbeschwört. Längst ist der Schock der einstigen Schreckensbotschaft verflogen. Anfang Oktober sind wieder Tatsachenberichte und Fakten zum Fall Bruno in den Zeitungen zu lesen. Die zuständige Richterin hat unlängst die Anklage der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Bruno und weitere neun Angeklagte werden in einem Mordprozess ihrer Vergehen angeklagt. Und die Leiche? Weiterhin keine Spur. Der beherrschte Kommentar des 25-jährigen zu den jüngsten Geschehnissen rund um seine Person: "Meine Hoffnungen auf die WM 2014 kann ich jetzt wohl begraben". Da scheint sich jemand seiner brisanten Lage noch immer nicht bewusst zu sein. Oder spricht aus Bruno die absolute Gewissheit der eigenen Unschuld? Dienstag, 5. Oktober 2010Bolivianische Diplomatie
Lieber Evo Morales, doch nicht in einem Freundschaftsspiel! Evo, wer? Gemeint ist der Präsident des Andenstaates Bolivien, der scheinbar nicht nur auf politischer Ebene dazwischen hauen kann. In ärmlichen Verhältnissen im kargen Hochland aufgewachsen, lernte sich der Aymara Morales schon früh durchzusetzen. Die Schule besuchte er, wie die meisten Einwohner Boliviens, nur bis zur 6. Klasse und hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Nur zwei seiner sechs Geschwister überlebten ihre Kindheit.
Anfang der 1980er trat Evo erstmals politisch in Erscheinung und schrieb sich insbesondere die Rechte seiner indigenen Mitbürger auf die Fahnen. Ende 2005 erfolgte dann die Krönung. Morales wird zum ersten Staatsoberhaupt indigener Abstammung gewählt und macht fortan aus seiner antiamerikanischen Staatsführung keinen Hehl. Auch auf der Fußballbühne ist el Presidente kein unbeschriebenes Blatt: Mit einem Fußballspiel auf über 6000m Höhe protestierte er 2007 gegen die Entscheidung des FIFA-Bosses Sepp Blatter, internationale Spiele zukünftig nicht mehr oberhalb der 2500m Grenze zuzulassen. Nun ließ der bekennende Sozialist während eines als Versöhnungsakt vorgesehenen Freundschaftsspieles, bei dem das aktuelle Kabinett gegen die Oppositionspartei antrat, seinem Unmut freien Lauf. À la Zidane vollzog der Präsident mit der Nummer 10 bereits in der 5. Minute Selbstjustiz und streckte einen Gegenspieler brutal per "Knie in den Unterleib" nieder. Diplomatie in Bolivien? Keine Spur, da kann selbst König Fußball nicht helfen. Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt
Für den Posten des Nationaltrainers würde er sein Leben geben, behauptete der erst vor zwei Monaten entlassene Diego Armando Maradona kürzlich in einem Interview. Argentinien und Maradona, eine Hassliebe und kein Ende. Von unzähligen Fans als größter Spieler aller Zeiten vergöttert, ist "el Pibe de oro" - der Goldjunge - für viele Anhänger und Experten ein exzentrischer Prahler, der mittels auffälliger Schmuckstücke, kapriziöser TV-Auftritte oder extravaganter Tätowierungen das Rampenlicht sucht.
Jetzt ist der bekennende Bewunderer Fidel Castros in der Süßwarenabteilung diverser deutscher Warenhäuser gesichtet worden. Die Supermarkt-Kette Netto erteilte dem arbeitsuchenden Maradona ein besonderes Privileg und widmete ihm eine Schokoladenkeks-Verpackung. Keksdose statt Nationaltrainer, armer Diego, aber auf dem heutigen Arbeitsmarkt ist eben enorme Flexibilität gefordert. Na Kleiner, wie heißt Du? - Namensspielchen einmal anders
Mit eher unkonventionellen Namensspielchen versucht die brasilianische Sportzeitschrift
Lance seine Leserschaft zu locken. Unter dem Titel "Wie lautet Deine Übersetzung der Spielernamen?", sollen die Anhänger ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Auch kreativen Namensneuschöpfungen sind hierbei keine Grenzen gesetzt. So wurde Felipe Melo beispielsweise, beim brasilianischen Volk nach seinem eher unrühmlichen und brutalen Abgang im Viertelfinale gegen Holland in Ungnade gefallen, nicht mit Phillip Honig, sondern kurzerhand mit Schlachter übersetzt. Eine besondere Übersetzung erhielt auch der von europäischen Top-Klubs gejagte Stürmer des F.C. Santos, Neymar. Seine kürzlich wiederholten Eskapaden sowie sein Hang zu extravaganten Brillantohrringen sorgten für die Deutung: Neymar = arroganter, versnobter und schlecht erzogener Bengel. Jetzt stellt sich natürlich auch das deutsche Fußballvolk die Frage, welche Bedeutung die Namen Poldi, Miro, Mesut oder Sami haben könnten? Übersetzer werden gesucht! Montag, 4. Oktober 2010Nuri Sahin: Held des 7. Spieltags
In Lüdenscheid wurde er geboren, in der Jugend des RSV Meinerzhagen begann seine fußballerische Laufbahn. Sternzeichen Jungfrau. Erst 22 Jahre alt und trotzdem bereits ein Führungsspieler par excellence. Jüngster Bundesliga-Debütant aller Zeiten. Genau, ihn meine ich, die Nummer 23 mit dem schwarz-gelben Herzen, der den Bayern am Sonntag mit einem zart gestreichelten Linksschuss den Gnadenstoß versetzte. Oktoberfest adé, BVB Olé, Olé!!!
Nuri Sahin kann bereits in jungen Jahren auf fünf abwechslungsreiche Spielzeiten als Profi zurückschauen. Dem grandiosen Aufstieg anno 2005 folgten schwierige Zeiten: Leistungsstagnation wurde ihm vorgeworfen. Immer häufiger war die Bezeichnung des ewigen Talentes im Dortmunder Volksmund zu hören und viele Anhänger wähnten in ihm die schicksalshafte Reinkarnation des einstigen Goldjungen Lars Ricken. Was tun, wenn mit noch nicht einmal 20 Jahren kein Fortschritt mehr am Fußballhimmel zu erkennen ist? Wenn Fans und Umfeld dich abschreiben, du keine Spielpraxis erhältst, obwohl dir als Teenager die Fußballfachwelt rosige Zeiten prophezeite? Der junge Deutsch-Türke nahm eine Auszeit in Holland, suchte den Abstand und fand zu sich selbst - den wahren Nuri Sahin bekam das Dortmunder Publikum erst nach seiner Rückkehr aus dem niederländischen Exil zu sehen. Und plötzlich liebten sie ihn alle wieder. Da war endlich das lang ersehnte Genie, der geniale Linksfuß, der Mittelfeldstratege, den sich jedermann gewünscht hatte. Schon wird wieder von der Meisterschaft gesprochen, und bis dato hält die junge Mannschaft dem hohen Erwartungsdruck stand. Es wird sich zeigen, ob Nuri Sahin der ganze große Coup gelingt und er den BVB nach titellosen Jahren des unbefriedigenden Mittelmaßes wieder an die Spitze führt. Seine konstante Leistungssteigerung erlebte nun am 7. Spieltag gegen die Bayern ihren vorläufigen Höhepunkt. Mach weiter so Nuri! Du bist mein Held des 7. Spieltags.
Geschrieben von Sebastian Knoth
in Mein Held des Spieltags
um
20:41
| Kommentare (0)
| Trackbacks (0)
Dienstag, 28. September 2010"Das ganze Volk trägt Fußballschuhe" – Als ein Sportjournalist Brasilien einte
Schöpfung von Polemiken und provokante Behauptungen prägten sein freimütiges Schreiben, Liebe zu Fluminense und der seleção sein Leben. Aussagen wie: "Unsere größte Katastrophe, unser Hiroshima, das war die Niederlage gegen Uruguay 1950" machten den im Nordosten geborenen Journalisten und Dramatiker auch außerhalb Brasiliens bekannt. Vor 30 Jahren, am 21. Dezember 1980, starb mit Nelson Rodrigues einer der Pioniere des brasilianischen Sportjournalismus.
Während in Europa der Erste Weltkrieg wütet und sportliche Aktivitäten hauptsächlich im Rahmen von Rekrutierungsmaßnahmen stattfinden, werden in Brasilien die ersten Fußballvereine aus der Taufe gehoben. Der zu Beginn des Jahrhunderts nur unter elitären Kreisen immigrierter Europäer ausgeübte Ballsport beginnt die gesamtgesellschaftliche Leiter emporzusteigen. Speziell in den Arbeitervierteln der prosperierenden Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, deren Einwohnerzahl anno 1915 nicht annähernd die Millionengrenze erreicht hat, zieht das englische Exportgut die Massen immer mehr in seinen Bann. In der ehemaligen Hauptstadt wird Anfang der 1920er ein achtjähriger Junge mit dem Fußball-, besser gesagt Fluminense-Virus infiziert. Ein unheilbarer Virus, denn eine Ehefrau kann und darf man wechseln, nie aber den Verein seines Herzens, so ein brasilianisches Sprichwort. Vater Mário verdingt sich als Reporter diverser Lokalblätter, um das Brot der achtköpfigen Familie zu verdienen. An sonntägliche Familienexkursionen in die umliegenden Stadien ist nicht zu denken, zu spärlich ist das Gehalt des Familienoberhauptes. Außerdem ist Kindern und Jugendlichen der Eintritt strengstens untersagt. Mittellosigkeit ein Hindernis infantiler Fußballpassion? Kein Gedanke. Der kleine Nelson erlebt die ersten Fußballbegegnungen aus dem Munde seines älteren Bruders Milton, der die Höhepunkte der Spiele Revue passieren lässt und die Heldentaten Fluminenses - von 1917 bis 1919 dreimal in Folge Stadtmeister Rios - dank epischer Ruhmesgesänge in den blauen Himmel über dem Zuckerhut lobt. Diese, durch subjektive Auslegungen und zeitliche Verschiebung, stark verzerrte Fußballrealität, wird künftig das Grundgerüst seiner Artikel bilden. Bereits als 13-Jähriger debütiert Nelson als Reporter. Ab 1931 verfasst er in der Sportzeitschrift Mundo Esportivo seines anderen Bruders, Mário Filho, erste Berichte über Fußball. Ist es noch in jungen Jahren das mangelnde Kleingeld, das es ihm verwehrt die Ereignisse auf dem grünen Rasen zu verfolgen, erleidet er Anfang 1940 einen schweren Verlust seiner Sehstärke. Dem visuellen Handicap zum Trotz, besucht er das Stadion, konzentriert sich aber nun ob seiner Kurzsichtigkeit vollends auf die Geschehnisse abseits des Spielfeldes. Der um ihn sitzende Zuschauerkreis verleiht ihm Augen. Mittels ihrer Kommentare verfolgt er Spielzüge, erkennt Torschützen und signifikante Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. In den konventionellen Sportredakteuren, mit ihrer vermeintlich neutralen Berichterstattung, sieht er "Objektivitäts-Idioten". Denn "beim Fußball ist der größte Blinde der, der nur den Ball sieht". Mitte der 1950er setzt Bruder Mário Filho Nelson als Chefredakteur der Zeitschrift Manchete Esportiva ein. Mário, Schöpfer heute noch gängiger Ausdrücke wie Fla-Flu - das Stadtderby zwischen Flamengo und Fluminense -, gilt bei vielen Fachleuten als Begründer des brasilianischen Sportjournalismus. Die Tatsache, dass das berühmte Maracanã-Stadion ihm zu Ehren seit 1966 den Namen Estádio Jornalista Mário Filho trägt, ist unzähligen Fans weltweit nicht bekannt. Als Chefredakteur hat Nelson eine wöchentlich erscheinende Kolumne inne - "Mein Held der Woche". Er greift unverblümt korrupte Schiedsrichter an, philosophiert über pejorative Ausrufe, ergötzt sich an der "Show" des x-beinigen Garrincha, den artistischen Augenweiden des agilen Pelé und verwandelt sich stetig in das Sprachrohr des nationalen und globalen Fußballkosmos. Seine Worte erhalten fortan nicht nur in Rio de Janeiro Gewicht. "Dank dieser zweiundzwanzig Fußballer, der besten Fußballmannschaft auf Erden und aller Zeiten, hat Brasilien sich selbst entdeckt", schreibt Rodrigues 1958 nach dem Sieg der seleção bei der Weltmeisterschaft in Schweden. Dem "Hiroshima" gegen Uruguay acht Jahre zuvor, folgt ein "Leben spendender Triumph". Das angezählte brasilianische Volk steht nun endlich auf festen Beinen. Kraft der Worte des ansonsten als Dramatiker in Erscheinung getretenen Journalisten, sollte die Fußballfachwelt erkennen, dass in Brasilien Fußball weit mehr als nur ein Ballsport ist, bei dem 22 Männer um ein rundes Leder kämpfen. Die kanariengelbe Elf und der Fußball erreichten mit dem Sieg in Göteborg, was Politiker und Parteien mitnichten zu realisieren vermochten. Eine zumindest temporäre Einigung der multiethnischen, von einer Armutsschere getrennten sowie Immigration geprägten Bevölkerung des größten südamerikanischen Landes. Am Ball drückt der Brasilianer seine Lebensfreude aus, dank der seleção seinen Nationalstolz: "Die einfachen Leute sehen sich nicht mehr als Straßenköter. Ja, Freunde, der Brasilianer hat ein neues Selbstbild". Während der Diktaturzeit untersagte die Zensurbehörde ob obszöner Inhalte die Aufführung seiner Stücke, von linken Intellektuellen wurde er wegen seinen politischen Artikeln als Reaktionär diffamiert. Sein literarischer Nachlass ist ansehnlich, 17 Theaterstücke und unzählige Zeitungs- bzw. Sportkolumnen schmücken sein Werk. Nelson Rodrigues. Der Wegebreiter einer der lautstärksten und selbstbewusstesten Stimmen der globalen Fußballwelt. Die des fünfmaligen Weltmeisters Brasilien. ![]() Nelson im Fluminense-Trikot 4. Spieltag: Thomas Tuchel
"Als ich damals gegen die Bayern das entscheidende Tor geköpft habe, ja Jungs, das waren noch Zeiten!" Hilfe!!! Ich kann es nicht mehr hören! Altkluge Weisheiten, Lobpreisungen einstiger Tage, endlich vollzieht sich ein Wandel. Lange Zeit hieß die Formel für eine deutsche Trainerausbildung: Ein gestandener Profi mit Erfahrung in den höchsten Spielklassen, internationalen Einsätzen und eine mit Turnierteilnahmen gespickte Länderspielkarriere ergeben einen guten und erfolgreichen Trainer. Zugegeben sind diese Kriterien nicht zu verachten und Kaiser Franz ist das lebende Beispiel, wie ein Spieler von Weltklasse auch ohne Trainerausbildung als Übungsleiter reüssieren kann, doch glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren ein Wandel auf den Trainerstühlen vollzogen. Und warum? Weil eben nicht jeder, der zu aktiven Zeiten auf dem grünen Rasen fußballerische Zaubereien vollführte, gleichzeitig im Stande ist diese Fähigkeiten auch anderen Menschen zu vermitteln bzw. anzueignen. Otto Rehhagel, der seinen Spielern des öfteren und ohne Zweifel sehr erfolgreich seine mit Lebenserfahrung gehäufte Zauberkiste öffnet, gehört mit dieser vermeintlich altmodischen Interpretation eines Trainers zu den Auslaufmodellen seiner Generation.
Jugend forscht heißt nun der Leitspruch. Wir haben es geschafft! Zu guter Letzt ist eine anerkannte Fußballlehrerausbildung akzeptierter als eine 15-jährige Länderspielkarriere. 120 Länderspiele sind bei weitem nicht die einzige Prämisse um einen förderlichen Trainerjob auszuüben. Innovative Übungsmethoden und mutmaßlich fußballfremde Aktivitäten ersetzen Medizinbälle und fußballerische Alters- und Kabinenweisheiten. Einer der Pioniere dieser neuen Generation ist Jürgen Klopp, der während seiner Zeit bei Mainz 05 beispielsweise ein Survival-Trainingslager in Skandinavien organisierte, bei dem durch Mangel an fließendem Wasser und anderweitigen Luxusgütern der Mannschaftsgeist gestärkt werden sollte. Warum auch nicht? Die Mainzer paddeln in Kanus auf den norwegischen Fjorden, während die Bayern in Dubai morgens ihren Fruchtsalat löffeln. Einige Lästermäuler sahen in Klopps unkonventioneller Saison-Vorbereitung eher eine abweichende Form des Dschungelcamps, doch Kloppo schickte die Kritiker in die Seile und schaffte es den Underdog von 2004 bis 2007 in der Bundesliga zu halten. Nie hat er 1. Bundesliga gespielt und gilt trotzdem seit einiger Zeit als einer der besten deutschen und insbesondere sympathischsten Trainer des Landes. Einen Ruf, den er gerade sehr eindrucksvoll beim BVB bestätigt. Auch Thomas Tuchel gilt als Exempel dieser jovialen und gegenüber den Medien sehr aufgeschlossenen Generation. Sachliche Argumentation, akribische Arbeit und Umgang auf Augenhöhe prägen diesen Stil. Tuchel, 37 Jahre alt, kann bereits auf eine zehnjährige Trainertätigkeit verweisen. Vermeintlich mickrige 77 Spiele in der Regional- bzw. Zweiten-Liga schmücken seine Vita als aktiver Spieler. Mit der Mainzer A-Jugend gewann er die Deutsche Meisterschaft und nun dieser Bundesligastart: 4 Siege in 4 Spielen, attraktiver und unbekümmerter Offensivfußball seiner jungen und fröhlichen Elf verzaubern derzeit nicht nur die Anhängerschaft des selbsternannten Karnevalsvereins. Daher ist mein Held der Woche Thomas Tuchel, Musterbeispiel einer modernen, innovativen und vor allem sympathischenTrainergeneration.
Geschrieben von Sebastian Knoth
in Mein Held des Spieltags
um
10:09
| Kommentare (0)
| Trackbacks (0)
2. Spieltag: Lukas "Poldi" Podolski
Alles in deutscher Hand! 6:1 gegen Aserbaidschan und unsere polnisch-stämmigen Sorgenkinder Miro und Lukas begeisterten ob ihrer starken Leistungen in Köln. Apropos Köln. In der Rheinmetropole rätselt die Fußballfachwelt seit einiger Zeit über die inkonstanten und stark schwankenden Auftritte ihres kränkelnden Prinzen Poldi. Warum bringt der Kerl es nur mit dem Adler auf der Brust und nicht bei unserem 1. FC? Noch genießt "de Kölschen Junge" trotz seiner mäßigen Darstellungen einen lokalgefärbten Bonus bei seinen Fans – andere Millioneneinkäufe wären mit Sicherheit geteert und gefedert aus der Stadt geprügelt worden. Warum, warum nur trifft er im Nationaltrikot? 41 Tore in 81 Spielen, welch eine imposante Ausbeute! Ich stelle die Gegenfrage: Warum nicht?
Weltweit werden wir auf Grund unserer jovialen, multikulturellen Elf beneidet. Die hochgehandelten Engländer und die spielstarken Gauchos haben wir eindrucksvoll in ihre Schranken verwiesen. Endlich, nach schwierigen Jahren und unattraktiven Aufführungen, macht der deutsche Fußball international wieder positive Schlagzeilen. Köln und sein seit Jahren ohnehin auffallend mittelmäßig spielender Verein sollten sich dem Allgemeinwohl unterordnen. Tore im Kölner Trikot würden ganz Deutschland Schaden zufügen. Ganz klar, also hebt sich Poldi seine Geniestreiche für die Länderspiele auf. Danke, Lukas, ich erkenne Deine Loyalität an und mache Dich deswegen zum Helden des 2. Spieltags.
Geschrieben von Sebastian Knoth
in Mein Held des Spieltags
um
10:07
| Kommentare (0)
| Trackbacks (0)
1.Spieltag: Mesut Özil
Die königliche Lokomotive steuerte diesen Sommer mit José-Jim Mourinho-Knopf im Führerhaus einige deutsche Gefilde an. Im Schwabenland bremste der ambivalente Portugiese geschwind, um einen Deutsch-Tunesier aufspringen zu lassen und setzte seine Reise über den Ruhrpott in den hohen Norden fort. Dort stand ein weiterer deutscher Fahrgast mit Migrationshintergrund auf der Passagierliste, der kurz zuvor nicht nur die deutsche, sondern auch die globale Fußballwelt während der Weltmeisterschaft in Südafrika verzückt hatte.
Mesut Özil, wieselflinker Linksfuß, in Gelsenkirchen geboren, begründete seinen Abschied aus Bremen lakonisch: "Der Real-Zug fährt nur einmal im Leben vorbei!" Recht hat der Junge, dachte ich mir. Vor seinem Wechsel zu Werder Bremen wurde ihm von einigen Verantwortlichen Schalkes und einem Großteil der Deutschen wegen exorbitanter Gehaltsforderungen Geldgier und Respektlosigkeit angekreidet. Warum eigentlich? Der Kerl weiß zumindest was er wert ist. Ja, Mesut, Du bist Deutschland! Aus einer heranwachsenden deutschen Generation, der des öfteren Trägheit, Lethargie und mangelnder Ehrgeiz vorgeworfen wird, sticht zu guter Letzt ein zielstrebiges und selbstbewusstes Männlein hervor, sogleich verteufelt man ihn als sittenlos, arrogant und unverschämt. Nein, so einfach ist es nicht meine Freunde. Solche Männer braucht das Land. Ich ziehe den Hut vor "Uns Mesut", seinen zukünftigen Geniestreichen, sagenhaften Heldentaten und imposanten Geistesblitzen im Trikot der Königlichen. Für mich ist Mesut Özil eine göttliche Reinkarnation und legitimer Thronfolger des legendären Günter Netzer und daher mein Held des 1. Spieltages 2010.
Geschrieben von Sebastian Knoth
in Mein Held des Spieltags
um
10:05
| Kommentare (0)
| Trackbacks (0)
Ein Patzer macht ein Hähnchen
"Ó alemão, pode esperar, sua hora vai chegar!" - "Warte nur Deutscher, auch Dein Stündlein wird noch schlagen!", sangen die brasilianischen Schlachtenbummler vor dem Finale der Weltmeisterschaft 2002 und sollten aus deutscher Sicht leider recht behalten.
Besonders für einen deutschen Spieler entwickelte sich das Finale zu einem Albtraum: Oliver Kahn, der bis zu dem Endspiel ein überragendes Turnier gespielt hatte, die deutsche Mannschaft ein ums andere Mal mit seinen Glanzparaden rettete und im Turnier hielt, wurde zur tragischen Figur der Weltmeisterschaft. Einen Fernschuss von Rivaldo konnte der gebürtige Karlsruher in der 67. Minute nicht festhalten und bereite mit diesem Patzer das 1:0 durch Ronaldo vor, der freistehend vor Kahn die seleção in Führung brachte. Der Brasilianer an sich ist fußballverrückt, vergisst selten derbe Niederlagen seiner Mannschaft und schon gar nicht ihre größten Siege. Das Finale der WM 2002 und die Tore Ronaldos sind jedem im Gedächtnis. Aber auch die Fehler der Gegner? Oliver Kahns Patzer scheint auch heute nicht vergessen zu sein und hat in Brasilien kulinarischen Kultstatus erreicht. Da ein Torwartfehler in der brasilianischen Fußballersprache allgemein als "frango", also Hähnchen bezeichnet wird, widmete das Restaurant "Cervejaria Devassa" in São Paulo dem Deutschen in Gedenken an seinen historischen Fehlgriff ein Gericht. Das "Frango Oliver Kahn" setzt sich aus einem Hähnchenbrustfilet mit Orangensauce und gemischtem Gemüse zusammen. Der Titan auf dem Teller, na dann, "boa apetite" - guten Appetit! Cardapio.pdf
(Seite 1 von 2, insgesamt 19 Einträge)
» nächste Seite
|
Kalender
SucheBLOGROLLAktives Abseits Bildblog Christoph Ruf Der Freitag Der Libero Direkter Freistoß Fußball Fans gegen Rechts Fußball Portal Goal.com Laut gegen Nazis ONLINEFUSSBALLMANAGER Olaf Sundermeyer Pixathlon Schlenzer Scudetto SPIELERFRAUENBLOCK So Foot Trainer Baade Ulrike Schmidt Fotografin Viva con Agua Zurück zu RUND. Das Fußballmagazin KategorienBlog abonnierenBlogger |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||

Kommentare