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Entwicklungshelfer Vogts
Vor dem morgigen Spiel gegen Aserbaidschan analysieren die Reporter den Sieg der DFB-Elf in Brüssel und spekulieren munter über die "Causa Ballack" – die Pressestimmen gesammelt von indirekter-freistoss.de.

Siegt mit der DFB-Elf in Belgien: Toni Kroos im Zweikampf mit Marouane Fellaini
Foto Pixathlon
Ludger Schulze (SZ) gelang beim 1:0-Sieg der Nationalmannschaft keine neue
Erkenntnis: „Das Spiel in Belgien hat unterstrichen, was jeder vorher
wusste: Favorit der Gruppe A ist Deutschland. Niemand, nicht einmal der
vorsichtige Bundestrainer, erwartet, dass die Mannschaft ihre erste
Qualifikationsrunde mit weniger als sechs Punkten abschließt, ehe es im
Oktober unbelastet in die zweite Doppelveranstaltung (8. Oktober in Berlin gegen
die Türkei, 12. Oktober in Astana gegen Kasachstan) geht.“
Michael Ashelm (FAS) bewundert Joachim Löw, der gestärkt aus den
Machtkämpfen im DFB hervorgeht: „Während Löw für sich und sein Team eine
Antwort auf die Ballack-Frage gefunden hat, ist er auch im Umfeld der
Nationalmannschaft in eigener Sache aktiv geworden. Dort, wo sein
Zuständigkeitsbereich nicht mal ganz geklärt ist und wo seit Jahren mit
Sportdirektor Matthias Sammer um die Kompetenzen gestritten wird. Nur durch
Löws Patronage durfte der bislang erfolglose U-21-Nachwuchstrainer Adrion
seinen Job behalten, womit der Bundestrainer seinen ewigen
Möchtegern-Nachfolger Sammer abermals in die Schranken gewiesen und ihm
zuletzt die schwerste Niederlage beigefügt hat.“
Ballacks schmerzhafte Wahrheit
Michael Horeni (FAS) rät Michael Ballack zum Rücktritt und liefert eine
Erklärung: „Die Wahrheit ist eine Alternative. Und die wäre, dass es sehr
schmerzhaft ist, eine WM und seine letzte große Chance zu verpassen – und
nicht Teil einer jungen, begeisternden Mannschaft sein zu dürfen. Und dass
es noch schwerer ist, den Moment zu erkennen, wann man das Kapitänsamt
abgibt und die Nationalelf verlässt, von der man immer geträumt hat. Aber
dass die Zeit jetzt nun mal vorbei ist. Das wäre eine Erklärung, die jeder
Fußballfan versteht.“
Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) zweifelt an einem Comeback Ballacks
im DFB-Trikot: „So könnte es gut sein, dass sich das Thema bald von selbst
erledigt. Gegen Aserbaidschan geht es morgen ohne Ballack weiter, schon
Anfang Oktober folgen gegen die Türkei und in Kasachstan die nächsten
Qualifikationsspiele. Eher unwahrscheinlich ist es, dass Löw bei diesem
Doppelspieltag auf Ballack zurückgreift. Fast die Hälfte der Qualifikation
ist dann schon vorüber – und Khedira hat weiter Zeit, sich festzuspielen
und unentbehrlich zu machen. Michael Ballack hat zuletzt eisern
geschwiegen, zur Fußball-Nationalmannschaft verkniff er sich jeden
Kommentar.“
Jan Christian Müller (FR) vermutet hinter der Causa Ballack nicht nur
sportliche Gründe: „Es stellt sich die Frage, weshalb die Unterredung (mit
Ballack) derart dürftig ausfiel und warum Löw und Ballack sich nicht zu
einem ausführlichen Austausch, unter anderem auch zum Thema
„Schwulen-Combo“, getroffen haben. Der Spiegel interpretierte den
sonderbaren Begriff nicht im Wortsinn, sondern als herablassende
Einschätzung des Ballack-Beraters über die allgemeinen, wenig machohaften
Umgangsformen im DFB-Team ohne Ballack und Torsten Frings. Nicht
auszuschließen, dass Ballacks bislang verhinderte Rückkehr nicht nur
fehlender Fitness zuzuschreiben ist.“
Platzhirsch Klose
Stefan Hermanns (Tagesspiegel) zeichnet den Werdegang des erfolgreichsten
aktiven Stürmers der Nationalmannschaft nach: „Es ist ja nicht so, dass
Kloses Karriere seit seinem Länderspieldebüt vor mehr als acht Jahren in
einer geraden Linie von null auf hundert geführt hat. Es gab Brüche und
Abschweifungen, Phasen, in denen Klose an sich selbst zu verzweifeln schien
und eine bemitleidenswerte Figur abgab: Je mehr er strampelte, desto tiefer
rutschte er in den Sumpf. Aber Klose ist immer wiedergekommen, und nie war
seine Stellung in der Nationalmannschaft so ungefährdet, wie sie es im
Moment ist.“
Entwicklungshelfer und Dopingkontrollen
Während Berti Vogts als Entwicklungshelfer sein Glück gefunden hat,
knirscht es in Frankreich und Portugal nach dem Qualifikations-Auftakt
bereits gewaltig.

Mit Aserbaidschan gegen Deutschland: Berti Vogts Foto Pixathlon
Oskar Beck (Welt) blickt auf einen alten Bekannten – Aserbaidschans
Nationaltrainer Berti Vogts: „Entwicklungshelfer – dieser Berufswechsel war
für Berti Vogts sichtlich der innere Befreiungsschlag. Überhaupt hat er
immer dann, wenn er nicht Trainer war, ohne den Zwang des Gewinnen-müssens,
am fröhlichsten ausgesehen. Er hat sich dann seiner Briefmarkensammlung
gewidmet, ist mit Hammerhaien vor Galapagos getaucht, hat Berggorillas auf
dem Kilimandscharo und Giraffen auf der Safari in Serengeti fotografiert
oder in einem „Tatort“ den Zeugen gespielt, als die Kommissare Stoever und
Brockmöller nach einem Mord absolut nicht mehr weiter wussten – bis Berti
mit einem Stallhasen auf dem Arm in der Tür stand, das Kerlchen kurz
streichelte, und der Fall war so gut wie gelöst.“
Michael Kläsgen (SZ) analysiert nach der 0:1-Pleite den Umgang der
Franzosen mit dem WM-Desaster: „Mehr als 75000 Zuschauer waren erschienen,
sie wollten vor allem eines: die Schmach von Südafrika ad acta legen. Doch
dann stolperte der einstige Stuttgarter Alexander Hleb in der 86. Minute
durch den 16-Meterraum und passte zurück auf den eingewechselten Sergej
Kisljak, der das Siegtor erzielte. Von einem Aufbäumen war von den
Franzosen in den verbleibenden Minuten nichts mehr zu sehen. So war es auch
in Südafrika gewesen. Die Fans begleiteten die Mannschaft unter Buhrufen in
die Kabine. Nach dem Spiel war es nun wieder wie vor dem Spiel.“
Javier Cáceres (SZ) sieht in Portugal schon ein Opfer der frischen
EM-Qualifikationsrunde: „Trainer Carlos Queiroz, dessen Vertrag bis 2012
läuft, darf sich nach einem Spiel auf die Ablösung einstellen. Queiroz, der
einst ein überaus fachkundiger und guter Assistent von Alex Ferguson bei
Manchester United war, muss bekanntlich eine verbandsinterne, sechsmonatige
Sperre absitzen. Ihm war zum Verhängnis geworden, dass er im Mai ein paar
Kontrolleure der Antidopingagentur ADOP drangsaliert hatte, weil diese
ihrem Job ausgerechnet in der Erholungsphase der Nationalspieler nachgehen
wollten. Ursprünglich hatte der Verband damit gerechnet, dass Queiroz die
Brocken hinwirft. Doch weit gefehlt: Er trägt vielmehr dazu bei, die durch
seinen Graupenfußball verursachten Einnahmeausfälle auszugleichen. So
kaufte er aus eigener Tasche ein Logenticket statt einer Stehplatzkarte für
das mit nur 9100 Zuschauern alles andere als ausverkaufte Stadion von
Guimaraes.“



