ZWEITE LIGA
Ein Filbinger-Witz zum Baden-Derby
Im badischen Duell setzt sich ein starker SC Freiburg mit 3:0 gegen einen überfeierten KSC durch. Derweil will Partygast Günther Oettinger auf der Tribüne lieber anonym bleiben.

Schwer gefragt: KSC-Autofahnen
Foto Martin Sigmund
Wer behauptet, Günther Oettinger sei ein instinktloser Karrierist ohne Rückgrat, tut dem Mann Unrecht. Am vergangenen Sonntag verzichtete er beim badischen Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem SC Freiburg darauf, seine Gegenwart per Stadionlautsprecher durchsagen zu lassen. Was ein feines Gespür für seine Akzeptanz im Stadion erkennen ließ. Denn dort gilt er den einen als einseitiger Förderer der schwäbischen Infrastruktur – wohl 95 Prozent aller Karlsruher und Freiburger Fans drücken im Meisterschaftsrennen Schalke die Daumen – den anderen als reaktionärer Hinterwäldler, der den Südwesten mit dem Gesellschaftsbild eines George Bush regiert. Filbinger-Witze hatten im Wildpark jedenfalls Hochkonjunktur, als Oettinger mit seiner Security dezent auf der Haupttribüne Platz nahm.
Unter den Augen des durchgesagten Ex-Außenministers Klaus Kinkel entwickelte sich dann ein Spiel, das den 25.000 Karlsruhern im ausverkauften Wildpark weniger Freude machte als der Platzsturm danach: Bevor der Rasen in handtellergroße Stücke portioniert und entführt wurde, spielte der Meister mit schweren Beinen gegen eine Freiburger Mannschaft, die derzeit zurecht ob ihrer Spielstärke gelobt wird. Gerade gegen anfällige Abwehrreihen wie die der überfeierten Karlsruher kommt man durch geschickte Ballzirkulation immer wieder in torgefährliche Positionen. Doch längst bevor Alexander Iashivili (80./Elfmeter) und Niels Hansen (89.) den sprichwörtlichen Sack zumachten, hätte man uneinholbar in Führung liegen müssen: Nach dem 0:1 (27.) durch Karim Matmour blieb die Chancenverwertung – neben der derzeitigen Außendarstellung, versteht sich – das große Manko der Südbadener.
Die große Stärke freilich sind fußballerische Tugenden, die auch ein Gutteil der Erstligisten vermissen lässt. Die Organisation auf dem Platz ist durchdacht und von allen Mannschaftsteilen verinnerlicht, in punkto Ball- und Kombinationssicherheit macht den Freiburgern fast schon traditionell kaum einer etwas vor. Und so ist es durchaus möglich, dass am letzten Spieltag doch noch der Sprung auf einen der Aufstiegsplätze gelingt. Vorausgesetzt, dass entweder Hansa Rostock oder der MSV Duisburg patzen.
Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigte sich KSC-Trainer Ede Becker einmal mehr als ehrlicher, fairer Analytiker. Die im Grunde indiskutable, aber leider branchenübliche Leistung seines bereits seit Wochen aufgestiegenen Teams gab er ununwunden zu und lobte die Leistung der Freiburger. Auch Volker Finke gab sich höflich. Er habe Hochachtung vor dem, was der KSC unter der Ägide Beckers geleistet habe, sagte er unumwunden. Ununwunden? Wer Finke kennt, weiß, dass ein Lob des Gegners nie unumwunden, sondern meist Vorspiel zu einer rhetorischen Volte ist. Anstatt die brillante Leistung seines Teams für sich sprechen zu lassen, kam der Seitenhieb auf die Vereinsführung und auf Nachfolger Robin Dutt: „Ich hoffe, beim SC Freiburg dauert es nicht so lange wie hier, dass er mal wieder in der Ersten Liga spielt.“
Finke hält sich nach wie vor für unersetzlich und punktet damit in Freiburg, wo auch viele Lokaljournalisten seinem designierten Nachfolger Robin Dutt einfach nicht verzeihen können, dass er nicht Volker Finke ist. Für welche Liga der Verein am kommenden Sonntag ab 16.45 Uhr planen kann, steht noch nicht fest. Dass er es endlich in Ruhe tun kann, hingegen schon.
Christoph Ruf
Ein Filbinger-Witz zum Baden-Derby
Im badischen Duell setzt sich ein starker SC Freiburg mit 3:0 gegen einen überfeierten KSC durch. Derweil will Partygast Günther Oettinger auf der Tribüne lieber anonym bleiben.

Schwer gefragt: KSC-Autofahnen
Foto Martin Sigmund
Wer behauptet, Günther Oettinger sei ein instinktloser Karrierist ohne Rückgrat, tut dem Mann Unrecht. Am vergangenen Sonntag verzichtete er beim badischen Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem SC Freiburg darauf, seine Gegenwart per Stadionlautsprecher durchsagen zu lassen. Was ein feines Gespür für seine Akzeptanz im Stadion erkennen ließ. Denn dort gilt er den einen als einseitiger Förderer der schwäbischen Infrastruktur – wohl 95 Prozent aller Karlsruher und Freiburger Fans drücken im Meisterschaftsrennen Schalke die Daumen – den anderen als reaktionärer Hinterwäldler, der den Südwesten mit dem Gesellschaftsbild eines George Bush regiert. Filbinger-Witze hatten im Wildpark jedenfalls Hochkonjunktur, als Oettinger mit seiner Security dezent auf der Haupttribüne Platz nahm.
Unter den Augen des durchgesagten Ex-Außenministers Klaus Kinkel entwickelte sich dann ein Spiel, das den 25.000 Karlsruhern im ausverkauften Wildpark weniger Freude machte als der Platzsturm danach: Bevor der Rasen in handtellergroße Stücke portioniert und entführt wurde, spielte der Meister mit schweren Beinen gegen eine Freiburger Mannschaft, die derzeit zurecht ob ihrer Spielstärke gelobt wird. Gerade gegen anfällige Abwehrreihen wie die der überfeierten Karlsruher kommt man durch geschickte Ballzirkulation immer wieder in torgefährliche Positionen. Doch längst bevor Alexander Iashivili (80./Elfmeter) und Niels Hansen (89.) den sprichwörtlichen Sack zumachten, hätte man uneinholbar in Führung liegen müssen: Nach dem 0:1 (27.) durch Karim Matmour blieb die Chancenverwertung – neben der derzeitigen Außendarstellung, versteht sich – das große Manko der Südbadener.
Die große Stärke freilich sind fußballerische Tugenden, die auch ein Gutteil der Erstligisten vermissen lässt. Die Organisation auf dem Platz ist durchdacht und von allen Mannschaftsteilen verinnerlicht, in punkto Ball- und Kombinationssicherheit macht den Freiburgern fast schon traditionell kaum einer etwas vor. Und so ist es durchaus möglich, dass am letzten Spieltag doch noch der Sprung auf einen der Aufstiegsplätze gelingt. Vorausgesetzt, dass entweder Hansa Rostock oder der MSV Duisburg patzen.
Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigte sich KSC-Trainer Ede Becker einmal mehr als ehrlicher, fairer Analytiker. Die im Grunde indiskutable, aber leider branchenübliche Leistung seines bereits seit Wochen aufgestiegenen Teams gab er ununwunden zu und lobte die Leistung der Freiburger. Auch Volker Finke gab sich höflich. Er habe Hochachtung vor dem, was der KSC unter der Ägide Beckers geleistet habe, sagte er unumwunden. Ununwunden? Wer Finke kennt, weiß, dass ein Lob des Gegners nie unumwunden, sondern meist Vorspiel zu einer rhetorischen Volte ist. Anstatt die brillante Leistung seines Teams für sich sprechen zu lassen, kam der Seitenhieb auf die Vereinsführung und auf Nachfolger Robin Dutt: „Ich hoffe, beim SC Freiburg dauert es nicht so lange wie hier, dass er mal wieder in der Ersten Liga spielt.“
Finke hält sich nach wie vor für unersetzlich und punktet damit in Freiburg, wo auch viele Lokaljournalisten seinem designierten Nachfolger Robin Dutt einfach nicht verzeihen können, dass er nicht Volker Finke ist. Für welche Liga der Verein am kommenden Sonntag ab 16.45 Uhr planen kann, steht noch nicht fest. Dass er es endlich in Ruhe tun kann, hingegen schon.
Christoph Ruf
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