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BUNDESLIGA
Bei Erfolg Glatze

Der VfB Stuttgart steht vor dem größten Erfolg seit dem Pokalsieg 1997. Die Schwaben können am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Cottbus Meister werden, unter Umständen reicht auch ein Unentschieden. Der VfB-Coup wäre der würdige Abschluss einer Saison, in der alte Gewissheiten bröckelten und Prognosen eine kurze Halbwertszeit hatten.


Bald ohne Haare? VfB-Coach Armin Veh
Foto Yvonne Seidel


Was war das für eine Spielzeit. Die Bayern glaubten, den besten deutschen Spieler der vergangenen Jahre durch ein paar Azubis ersetzen zu können, dokterten tatsächlich mit Roque Santa Cruz oder Bastian Schweinsteiger auf der Ballack-Position herum und stellten die Weichen folgerichtig auf Misserfolg. Die Bremer begannen mit einem Fußball, wie man ihn so rauschhaft nicht mehr seit der Bayer-Leverkusen-Kampagne 2002 erlebt hatte, aber leisteten sich nach der Winterpause ein unerklärliches, monatelanges Tief. Schalke wiederum verstieß gleich ein halbes Dutzend mal gegen die Grundregel, dass sich ein Spitzenklub keine inneren Querelen erlauben darf, und war trotzdem wochenlang Tabellenführer.

Also gut, dachten sich die Stuttgarter. Wenn denn sonst keiner will ... doch auch der VfB trug zur seltsamsten Saison seit langem bei. Der Klub startete so miserabel, dass Trainer Armin Veh beinahe wirklich zur vielzitierten Übergangslösung geworden wäre. In der Rückrunde brach sich Stürmer Mario Gomez vor lauter Ärger über eine Knieverletzung die Hand, seine rechte Gerade gegen den Medizinkoffer hat ihren Platz in den Top Ten der dämlichsten Fußballerverletzungen jetzt schon sicher. Noch erstaunlicher als Gomez’ Akt der Autoaggression war allerdings die Tatsache, dass die Mannschaft den Ausfall ihres besten Angreifers kompensierte, als wäre es das Einfachste auf der Welt.

Jetzt muss nur noch ein Sieg gegen Energie Cottbus her – ein Team, das seit dem feststehenden Klassenerhalt meist Sommerfußball geboten hat. Das sollte zu packen sein. Im Erfolgsfall haben die Spieler Armin Veh angedroht, ihm eine Glatze zu schneiden. Das dürfte noch die geringste Sorge des Trainers sein. Schließlich kommt da noch das Pokalfinale gegen Nürnberg, und die Vorbereitung darauf ist in jedem Fall nicht ganz einfach: entweder wegen zu ausgiebiger Meisterschaftsfeier oder plötzlich einsetzender Titeldepression.

Die Champions League hat der VfB in jedem Fall sicher. Auch darüber dürfte sich Veh bereits Gedanken machen. Denn der Verein ist ein gebranntes Kind. 2003 stürmte er schon einmal mit einer jungen, weitgehend unbekannten Trupp in die Europaliga, doch nach Spielerverkäufen und falschen Trainerentscheidungen fand man sich schnell im Mittelmaß wieder. Zumindest etwaigen Abwerbeversuchen haben Veh und Manager Horst Heldt diesmal vorgebeugt: Fast alle der Talente haben Verträge mit extrem langen Laufzeiten. Einen Ausverkauf wird es also nicht geben.

Ein Spieltag noch, dann ist diese kuriose Saison vorbei. Wahrscheinlich wird die nächste wieder übersichtlicher: mit restrukturierten Bayern, starken Bremern und Schalkern sowie einem VfB, der seine Leistung bestätigen muss. Nur ein Klub, der dessen Rolle als Überraschungsmannschaft auf einem so hohen Niveau übernehmen könnte, ist leider nicht in Sicht.
Malte Oberschelp


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