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MEDIEN
„Der tägliche Kontakt ist das A und O“
Wer wissen will, was Thomas Schaaf über die momentane Krise denkt, liest die „Syker Kreiszeitung“. Bei einem Redaktionsbesuch hat RUND erfahren, warum eine Zeitung außerhalb Bremens stets die zuverlässigsten Informationen über den Klub von der Weser hat. Von Daniel Cottäus.

Ailton
Ailton als Türke: Im Trainingslager in Belek machte der Brasilianer den Spaß der Redakteure der „Syker Kreiszeitung“ mit. Foto Arne Flügge


In den Büroräumen der Sportredaktion Am Ristedter Weg 17 weist auf den ersten Blick nichts darauf hin, dass Werder Bremen einen Großteil der täglichen Arbeit bestimmt. Keine Poster, Tassen oder Schreibtischunterlagen in grün und weiß. Erstaunlich, arbeiten hier doch einige der größten Werder-Fachleute des Landes: Arne Flügge, Carsten Sander und Björn Knips betreiben als Sportredakteure der Syker Kreiszeitung die intensivste Berichterstattung über den Klub, den die Deutschen seit Jahren in Umfragen am sympathischsten finden. Egal, ob der Bundesligist nun im Weserstadion, Cottbus oder Madrid spielt, oder die Profis sich nur zum Auslaufen treffen – einer von den dreien ist immer dabei. Und dabei liegt Syke streng geographisch gesehen in Niedersachsen.

Nicht jedem in Deutschland ist die 20 Kilometer südlich von Bremen gelegene 25.000-Einwohner-Stadt ein Begriff, einige sprechen sie gar fälschlich Süke statt Sike aus. Die Syker Kreiszeitung ist dagegen seit 1999 zumindest bei Fans von Werder Bremen bundesweit immer bekannter geworden. Damals wurde eine reine Werder-Seite eingeführt, die sich von oben bis unten nur mit dem Geschehen rund um den Verein von der Weser befasst. Denn auch im Verbreitungsgebiet, den Landkreisen Diepholz, Verden oder Nienburg begeistern sich die meisten Fußballanhänger für den SVW. Keine andere Zeitung berichtet so ausführlich über die tagesaktuellen Themen bei Werder. Viele Medien der gesamten Republik zitieren, wenn sie Exklusivmeldungen über Werder bringt.

Den Anstoß für die ausführliche Berichterstattung lieferte das 100-Jährige Vereinsjubiläum im Jahre 1999. Hierzu sollte in der Zeitung eine vierseitige Sonderbeilage entstehen, aber „aus vier wurden schnell 16 Seiten“, erklärt Arne Flügge, 44. Die Beilage kam bei den Lesern gut an, und so wurde über das Pokalfinale im selben Jahr, in dem die Bremer Bayern München mit 6:5 nach Elfermeterschießen besiegten, etwas ausführlicher berichtet. „In diesem Jahr war sehr viel los, das Jubiläum, der Pokalsieg und der Führungswechsel lieferten viel Material“, so Flügge. Felix Magath von Thomas Schaaf als Cheftrainer abgelöst, kurz darauf Klaus Allofs als neuer Sportdirektor installiert. „Wenn man so will, dann haben wir mit Allofs und Schaaf gemeinsam angefangen“, erklärt Carsten Sander. Sander, 38 Jahre alt, gehört neben Arne Flügge und Matthias Freese zur Startbesetzung der Werder-Redakteure. Sein Kollege Freese ist inzwischen in eine andere Position im Verlag gewechselt und wurde 2003 durch Björn Knips ersetzt. Knips, der jüngste im Bunde mit seinen 35 Jahren, ist seit 1995 bei der Zeitung.

„Die Arbeit ist sehr kontrastreich. Am Sonntag steht man noch am Spielfeldrand bei einem Bezirksligaspiel, mittwochs ist dann Champions League angesagt“, beschreibt er seinen Arbeitsalltag. Alltag heißt dabei häufig der Trainingsbetrieb bei den Profis, wo nicht jedes Mal so viel los ist, wie beim medienwirksamen Boxkampf zwischen Boubacar Sanago und Carlos Alberto. „Man sollte schon vorher wissen, was für eine Geschichte man machen will. Manchmal kommt einem aber auch während des Trainings die passende Idee.“ Knips meint Anekdoten, wie neulich mit Peter Niemeyer. Da bekam der Mittelfeldspieler mitten während der Übungen ein Paket zugestellt: Der Postbote hatte den Auftrag das Paket beim Empfänger persönlich abzuliefern, und den führte er gewissenhaft aus. Sind die Spieler geduscht, holen die Reporter Stimmen von Spielern und Trainern ein, die meist bereitwillig Rede und Antwort stehen. Während der Schulferien ist es schwieriger: „Da stehen dann 2000 Schüler am Zaun, und man hat nach dem Training keine Chance an die Leute ranzukommen.“

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