FANS "Sie machen wieder, was sie wollen" Nach dem Spiel von Eintracht Frankfurt in Nürnberg gab es minutenlange Scharmützel unter einzelnen Fangruppen. Im Stadion und anschließend vor der Arena. Von Christoph Ruf, Nürnberg.

Augenzeuge: Heribert Bruchhagen sah die Fan-Scharmützel nach dem Abpfiff in Nürnberg
Foto Pixathlon
Eine Viertelstunde nach Schlusspfiff spielten sich im Nürnberger Stadion Szenen ab, wie man sie in Bundesligastadien seit Jahren nicht mehr sehen musste. Etwa 50 Frankfurter Ultras stürmten aus ihrem Block über den Oberrang in Richtung der Nürnberger Kontrahenten, die ihnen vieldutzendfach dankbar entgegenrannten.
Erst nach deren Aufeinandertreffen zwischen den Blöcken 14 und 16 konnten Ordner und herbeigeeilte Polizisten die Lager trennen. Vorm Stadion setzten sich die Scharmützel später fort. Eintracht-Manager Heribert Bruchhagen, der die Stadion-Katakomben zum Rauchen verlassen hatte und deshalb die Szenerie auf der gegenüberliegenden Tribüne mit eigenen Augen gesehen hatte, zeigte sich entsetzt: "Das gerade eben waren Leute, die immer behaupten, dass es ihnen um einen kommerzfreien Fußball geht. Dabei wäre es ja schön, wenn es ihnen überhaupt um Fußball ginge."
Schon vor dem Spiel wurden im Frankfurter Block erstaunlich viele Kanonenschläge gezündet, ehe das Pulver verschossen war – ein Großteil der mitgereisten Fans applaudierte dazu. "In Gesprächen gebärden sich diese Leute als gebildete junge Menschen", ärgerte sich Bruchhagen, "und danach machen sie wieder, was sie wollen." Offenbar war sowohl die Zündelei als auch der Angriff nach dem Spiel ein Revancheakt für das Gastspiel der Nürnberger im April 2008. Damals musste das Spiel für 21 Minuten unterbrochen werden, weil aus dem Nürnberger Block immer wieder Feuerwerkskörper und Leuchtraketen auf den Platz geschossen wurden. "Es ist sehr schwierig geworden, etwas gegen diese Leute zu unternehmen", sagt Bruchhagen, "die haben überall Fürsprecher."