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Porträt
Der Mann für die wichtigen Momente
Er fährt er mit zur WM: Jürgen Klinsmann holte ihn als Ersatzkeeper, inzwischen ist Hans-Jörg Butt die unumstrittene Nummer eins im Tor des FC Bayern. Von Kai Butterweck.

Hans Jörg Butt

Torwart und Elfmeterschütze: Hans-Jörg Butt, der Keeper des FC Bayern Foto Pixathlon


Es sah nicht gut aus für den deutschen Rekordmeister Bayern München in Turin. David Trezeguet hatte die Juve in Führung gebracht, die Qualifikation für das Champions-League-Achtelfinale schien für die Gäste weit entfernt. Doch in der 30. Minute schlugen sich nicht nur Statistiker und Insider unter den knapp 30.000 Tifosi die Hände vors Gesicht. „Ist das nicht wieder dieser Torwart“, fragten sie. Unangenehme Erinnerungen wurden wach an das denkwürdige 4:4 gegen den HSV im September 2000 und das noch schmerzhaftere 1:3 gegen Bayer Leverkusen in der Champions-League-Saison darauf. Hans Jörg Butt trabte knapp 100 Meter über das Feld, legte sich den Ball auf den Punkt und verwandelte stoisch zu Ausgleich. Bayern gewann 4:1. Turin war raus und Bayern weiter. Butt war wieder mal der Mann für die wichtigen Momente.

Warum ein Torwart, der oftmals mit nur einer Tat über Sieg oder Niederlage in einem Spiel entscheidet, auch noch die Verantwortung des Elfmeterschützen übernehmen muss, ist schwer zu verstehen. „Das hat sich bei mir so entwickelt", sagt der 35-Jährige knapp. Aus der Jugend des TSV Großenkneten wechselte Hans Jörg Butt 1991 zum VfB Oldenburg, wo er zunächst In der Regionalliga und später dann In der Zweiten Liga sowohl innerhalb seines eigenen Tores, als auch vor den Toren des Gegners von sich reden machte. „Ich habe in der Jugend selber im Sturm gespielt. In einem Spiel zu meiner Zeit in Oldenburg wurde Elfmeter gepfiffen und ein Feldspieler fragte mich, ob ich schießen wolle, da ich bereits im Training Elfmeter trainiert hatte. Ich ging nach vorne und verwandelte.“

Klingt einfach. Scheint Spaß zu machen. Butt durfte die Strafstöße regelmäßig schießen. Einen besonders wichtigen Elfmeter verwandelte er dann in den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga gegen TeBe Berlin, und so dauerte es nicht lange, bis auch die ganz großen Vereine auf ihn aufmerksam wurden. Über seine erste große Station, dem Hamburger SV, wechselte er 2001 zu Bayer Leverkusen. Hans Jörg Butt stand im Finale der Champions League, das Bayer 2002 gegen Real Madrid verlor. Bis zum 10. Februar 2007 stand er im Tor der Werkself. „Der Knackpunkt In Leverkusen", sollte man ihn später sagen hören. Im Spiel gegen Frankfurt wurde er des Feldes verwiesen und für zwei Spiele gesperrt, in denen er von dem jungen Rene Adler ersetzt wurde. Der Ersatzkeeper hielt so gut, dass der Trainerstab ihm auch für die nächsten Spiele das Vertrauen aussprach. Butt löste seinen noch bis 2009 laufenden Vertrag vorzeitig. Er ging ins Ausland: zu Benfica Lissabon. Ein sportlich verlorenes Jahr, bis der Anruf von Jürgen Klinsmann kam, der ihn als Ersatzmann für den jungen Michael Rensing nach München holte.

Als es für Klinsmann eng wurde, setze er mit einen Torwartwechsel zu einem letzten Befreiungsschlag an: Im April 2009 durfte Butt beim Rückspiel der Champions League beim FC Barcelona ins Tor. Bis auf einen kurzen Zeitraum zu Beginn der Amtszeit von Trainer Louis van Gaal, ist der Norddeutsche die Nummer eins geblieben.

Hans Jörg Butt ist einer der introvertierten Vertreter seiner Zunft. Er passt nicht so recht hinein in die Riege der Schumachers, Kahns und Steins. Er hat weder ein polarisierendes Buch geschrieben, noch einen Stürmer umgeboxt, geschweige denn versucht, einen Gegenspieler zu beißen. Aber, wenn in zehn Jahren ein Torhüter zum Elfmeterpunkt läuft, werden sie nicht nur in Turin an den Torwart für die wichtigen Momente denken.


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