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Porträt

Die eingebaute Torgarantie

Gegen Hertha BSC wurde er eingewechselt: Beim Hamburger SV hoffen sie auf Geniestreiche wie die beiden Treffer des Holländers in Stuttgart. Von Kai Butterweck.

Ruud van Nistelrooy

Zwei Tore gegen Jens Lehmann: Ruud van Nistelrooy spielte bei seinem zweiten Spiel im Trikot des Hamburger SV gnadenlos effektiv Foto Pixathlon




Der Gästeblock in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena hielt kurz den Atem an, als Bruno Labbadia ihren neuen Messias aufforderte, sich seiner Trainingsjacke zu entledigen. Zehn Minuten und vier Ballkontakte später, entlud sich die Spannung der mitgereisten Hamburger Anhänger in kollektivem Freudentaumel. Der Holländer mit der eingebauten Torgarantie machte seinem Ruf alle Ehre und bescherte den Hanseaten mit zwei Toren innerhalb von zwei Minuten den Sieg beim VfB.

In England nennen sie ihn
Tormaschine, aber das ist er nicht, schrieb die taz: Als bei seinem ersten Tor für den Hamburger SV alle Abwehrspieler des VfB Stuttgart im Strafraum nach rechts liefen, lief er nach links, weil da der Ball hin kam. Eine Maschine hätte das gemacht, was die Stuttgarter Abwehrspieler machten. Und bei seinem zweiten Tor traf er den Ball nicht richtig. Rein ging er trotzdem. Eine Maschine hätte den Ball richtig getroffen, und dann wäre er nicht rein gegangen.

Rutgerus Johannes Martinus van Nistelroij wuchs im beschaulichen Geffen in der niederländischen Provinz auf. Während seiner Jugend trauten die meisten Fußballexperten dort eher seinem Kumpel Mark Beekman zu, irgendwann einmal ein ganz Großer zu werden. Dem ein Jahr älteren Freund von Ruud wurde wesentlich mehr Talent attestiert. „Er hatte einfach mehr Ehrgeiz und Biss als ich“, sagt Mark Beekman, der heute Anstreicher ist, während Ruud zum Weltstar wurde.

Über die Jugendstationen Nooit Gedacht und RKSV Margriet landete van Nistelrooy für vier Jahre beim FC Den Bosch, ehe er über den SC Heerenveen im Jahre 1998 zum Eliteclub PSV Eindhoven wechselte. Der Rekordtransfer von 6,4 Millionen Euro machte sich gleich in der ersten Saison bezahlt, als Ruud in 34 Spielen 31 Treffer erzielte.

Ruud van Nistelrooy

Van The Man: Ruud van Nistelrooy bei Manchester United Foto Pixathlon



Drei Jahre und unzählige Tore später, war dann auch der PSV Eindhoven zu klein für ihn geworden: Für die Rekordablöse von 28,5 Millionen Euro holte ihn Manager Sir Alex Ferguson zu Manchester United. Van Nistelrooy traf auch in der Premier League und erfüllte die hohen Erwartungen Wegen seiner bodenständigen und bescheidenen Art, tauften ihn die United-Fans schnell „Van The Man“. Er selbst empfindet sich aber bisweilen als weniger unkompliziert. „Wir Stürmer sind ähnliche Typen wie Torhüter. Ich kann auch sehr anstrengend sein, wenn es mal nicht läuft. Auf dem Platz bin ich dann wie eine tickende Zeitbombe mit nur einem Ziel. Dem Tor.“

Andere Mitspieler und letztlich auch Sir Alex Ferguson sollten diese Meinung einige Jahre später dann teilen, und so kam es im Jahre 2006 nach etlichen neuen Vereinsrekorden zum Abschied von der Insel, wobei ihm Sir Alex zum Abschied ein Kompliment machte: „Er ist der beste Stürmer im Strafraum, den ich je gesehen habe“.

Im Juli 2006 verabschiedete sich Ruud van Nistelrooy nach Madrid, wo er von den Real-Anhängern rasch in „Van Gol“ umgetauft wurde. Sie hatten den richtigen Riecher: Während seiner ersten Saison wurde er Torschützenkönig und hatte maßgeblichen Anteil an Madrids 30. Meistertitel.

Aber es gab auch Zoff mit Schiedsrichtern, Gegenspielern und Kollegen: Patrick Viera bezeichnete er als "Simulanten und Treter" Und selbst Superstar Christiano Ronaldo bekam während einer Trainingseinheit sein Fett weg, als dieser nicht so spurte, wie Ruud es gerne wollte. „Geh doch zu deinem Papa“, schrie er ihn an.

Ruud van Nistelrooy

Abgezockt: Vor dem Tor ist Ruud van Nistelrooy eiskalt Foto Pixathlon


Doch all dies sei nur sein Gesicht, wenn er sich im Wettkampf befindet, so van Nistelrooy. „Ich blende auf dem Platz völlig aus. Anders geht es nicht“. Im Jahre 2008 warf ihn eine schwere Verletzung zurück. Nach einem geglückten Comeback im November 2009 folgten weitere Verletzungspausen und so legte man dem Holländer im Jahre 2010 nahe, den Verein ablösefrei zu verlassen.

Seit dem 23. Januar ist der bullige Holländer nun beim HSV, wo seit der Verpflichtung von Kevin Keegan und Franz Beckenbauer keine derartige Aufregung um eine Neuverpflichtung herrschte. Nach seinen Toren in Stuttgart wurde die Heimpremiere in der Europa League gegen Eindhoven zur phonstärksten Einwechslung, die es im Volkspark bislang gegeben hatte. Als er aus ungünstigem Winkel mithilfe einer blitschnellen Drehung beinahe einnetzte, war ein ehrfürchtiges Raunen zu hören. Anschließend zwickte es van Nistelrooy im Oberschenkel, beim Auswärtspiel bei den Bayern fehlte er. Nun hoffen sie in Hamburg, dass er ihnen am morgigen Sonnabend gegen Hertha mit Toren weiterhelfen kann.

Ruud van Nistelrooy

Nationalspieler: Ruud van Nistelrooy hat noch WM-Chancen Foto Pixathlon

 

 

 

 

 

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