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TESTSPIEL
Wellness für Anelka
In Hamburg fällt Chelseas Angreifer Nicolas Anelka nicht auf. Für den Franzosen ein großer Fortschritt, seitdem er in Südafrika von Raymond Domenech nach Hause geschickt worden war. Es ist wieder Vereinsfußball, und Chelsea verliert 1:2 beim HSV. Von Matthias Greulich, Hamburg.


Michael Essien gegen Frank Rost

Die Szene vor dem 0:1: Michael Essien vor Frank Rost, der gleich den
Schuss von Frank Lampard aus dem Netz holen muss. Foto Pixathlon



Nicolas Anelka ist nicht weiter aufgefallen. In diesen Wochen ist das schon eine Nachricht wert, seitdem der Angreifer bei der WM in Südafrika mit Schimpf und Schande nach Hause geschickt worden war. An diesem Mittwochabend in der Hamburger Arena steht gottlob nicht mehr Raymond Domenech an der Seitenlinie, der seine Spieler mit Arroganz zur Verzweiflung trieb, die sich beim Bretonen unglücklicherweise mit Inkompetenz zu verbinden pflegte. Willkommen im Vereinsfußball, wo der FC Chelsea mit Carlos Ancelotti einen der taktisch versiertesten Trainer der Welt von Mailand nach London lockte.

"Summer of Champions" heißt der großspurige Titel einer Veranstaltungsreihe, bei der Bundesligisten Testspiele gegen Champions-League-Klubs austragen. Daran hatte sich bereits der umtriebige HSV-Manager Peter Krohn in den Siebzigern versucht: "Hafenpokal" nannte er den sinnfreien Wettbewerb, bei dem Liverpool oder Valencia im mäßig besuchte Volksparkstadion vergeblich versuchten, internationales Flair zu verbreiten. Anders im WM-Jahr 2010: Chelsea wollten 47.000 HSV-Fans sehen, die eifrig die Fahnen des neuen Sponsors schwenkten, die der neue Namensgeber der Arena am Eingang verteilen ließ.

Dass das Publikum zur Hälfte aus Schulkindern bestand, die der Klub bereits mit einem Familienfest vor dem Stadion angelockt hatte, war ein cleverer Schachzug. Die jungen HSV-Fans dürften es dem Vorstand als einzige nicht übelnehmen, dass nach monatelangen Verhandlungen der DFB-Chefscout Urs Siegenthaler abgesagt hat. Er war für die lange vermisste sportliche Kompetenz vorgesehen – jetzt macht der Schwizer lieber bei der Nationalelf weiter. So wurde der neue Sportchef Bastian Reinhardt im Stadion-TV interviewt: "Ich bin als Sportdirektor ähnlich aufgeregt vor dem Spiel, wie als Spieler", sagte der Exprofi.

Es sah dann recht flüssig aus, was der HSV seinen Fans im 4-2-3-1 mit Ruud van Nistelrooy als einziger Spitze bot. Insbesondere der 2:1-Siegtreffer des eingewechselten Heung Min Son (87. Spielminute) wurde bejubelt. Zuvor hatte Mladen Petric (72.) die Chelsea-Führung durch Frank Lampard (24.) ausgeglichen. Die üblichen Schlachtrufe der Treuesten "Hoffmann raus" blieben also aus. Lediglich kurz nach dem Anpfiff ließen die Supporters ein wenig familienfreundliches "Scheiß St. Pauli" hören.

Didier Drogba

Nach der enttäuschenden WM ein Auftritt in Hamburg: Didier Drogba Foto Pixathlon


Derweil dehnte Didier Drogba seine Oberschenkel am Pfosten des Chelsea-Tores. Im Hamburger Volkspark hatte er vor vier Jahren eine furiose Partie mit seinen Ivorern gegen Argentinien gespielt, bei diesem Testspiel zeigte er eine Halbzeit lang, dass die neue HSV-Innenverteidigung um Heiko Westermann einen Weltklassestürmer bis auf zwei Szenen vom Tor weghalten kann, wenn der wie Drogba nach der WM-Pause noch nicht in Form ist.

Was war noch? Der von den HSV-Fans ohne große Begeisterung begrüßte neue Coach Armin Veh stellte Frank Rost ins Tor, der sich einen Konkurrenzkampf mit Zugang Jaroslaw Drobny liefern wird. "Alles ist offen", sagte Veh. Gegen Chelsea, das am Sonntag im englischen Supercup gegen Manchester spielt, hat Rost einen sicheren Eindruck gemacht.


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