BUNDESLIGA
Barfuß oder Lackschuh
Werder Bremen zeigte sich im letzten Vorbereitungsspiel der Saison gegen Fulham FC wieder einmal als launische Diva. Auf Zauberfußball in Halbzeit eins folgten fünf Gegentreffer in nur 45 Minuten. Jonas Strohschein, London.

Claudio Pizzarro

Foto Jonas Strohschein


Als Werder-Fan braucht man starke Nerven. Barfuß oder Lackschuh, Genie oder Wahnsinn- mittlerweile hat es an der Weser schon Tradition, dass die Mannschaft sich zwischen den Extremen bewegt. Der Rund-Autor machte sich beim letzten Testkick der Bremer gegen Fulham FC auf den Weg nach London, um Eindrücke über den momentanen Zustand des SV Werder zu gewinnen. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, alles scheint beim Alten zu bleiben. Ein Reisebericht.

Geschätzte 12.000 Fußballfans machten sich aauf den Weg ins Stadion Craven Cottage, Heimat des englischen Erstligisten Fulham FC. Entspannte Stimmung herrschte vor dem Spiel zwischen beiden Fanlagern. Auf den Rängen machten sich die Fans Komplimente aus und diskutierte ob Weser oder Themse schöner seien. Gemeinsam feierte man den Europa League- Halbfinalsieg der „Cottagers“ über den Hamburger SV. Selbst pünktlich zum Kick-Off einsetzender Regen tat der Stimmung keinen Abbruch: In England ist auf feuchtem Rasen gut Tacklen.

Werder-Trainer Thomas Schaaf begann die Partie überraschenderweise ohne WM-Fahrer Marko Marin und Sechs Millionen-Neuzugang Marko Arnautovic. Auch Mesut Özil saß zunächst nur auf der Bank. Angeblich war Man United- Manager Alex Ferguson vor Ort, um den Bremer Regisseur zu beobachten. Zunächst aber sah er ein auch ohne die drei Akteure stark spielendes Bremer Team: Von Beginn an bestimmten die Norddeutschen das Spiel und gingen bereits in der 14. Spielminute durch Claudio Pizarro in Führung. Doppelt ärgerlich für den Anhang Fulhams, spielte Pizarro doch einst für den Erzfeind aus Chelsea. Werder zauberte weiter, erspielte sich Chance um Chance und stand sicher in der Defensive. Sebastian Prödl klärte ein ums andere Mal in bester englischer Manier und Hugo Almeida lupfte den Ball nach 20 Minuten gekonnt an den gegnerischen Pfosten, anstatt seinen berüchtigten „Hammer in Richtung Tribüne“ auszupacken. Mit 1:0 ging es schließlich in die Pause, ein mehr als schmeichelhaftes Ergebnis für die Engländer.

Zur zweiten Hälfte brachte Schaaf schließlich seine drei Edeljoker, ein Bremer Fußballfest lag in der Luft. Zu Diesem Fußballfest kam es auch, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Jeglicher Schwung aus der ersten Halbzeit war verloren gegangen: Özil schien mit seinen Gedanken bei bevorstehenden Vertragsverhandlungen zu sein, Marin blieb wirkungslos, Arnautovic zeigte eine katastrophale und lustlose Leistung. Keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff glich Fulham durch Zamora aus, bevor der Ungar Zoltán Gora durch einen lupenreinen Hattrick innerhalb einer Viertelstunde auf 4:1 für die Gastgeber erhöhte. Werder ließ diese Demontage kampflos über sich ergehen, so dass noch vor Abpfiff der fünfte Gegentreffer in nur einer Halbzeit fiel. Ein Debakel wie es Bremen lange nicht erlebt hat.

Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter. Wohin der Werder-Weg in dieser Saison führt bleibt auch nach dem finalen Vorbereitungsspiel ein Rätsel für Trainer, Spieler und Fans. Wahrscheinlich wird es kommen wie so oft: Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts!

Fulham FC

In der Gefahrenzone: Werder-TrainerThomas Schaaf
Foto Jonas Strohschein

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