BUNDESLIGA Stuttgarts Defensivverbund mit Schwindsucht Borussia Dortmund siegt völlig verdient beim VfB Stuttgart. BVB-Coach Jürgen Klopp: „Das war ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft.“ Von Christoph Ruf.

1:3 gegen Dortmund: Serdar Tasci, VfB Stuttgart Foto Pixathlon
Als Serdar Tasci den Platz verließ, sah er genau so deprimiert drein wie seine Mitspieler. Völlig verdient hatte sein Team sich gerade eine 1:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund eingefahren und dabei vor allem im ersten Durchgang erschreckend hilflos gespielt. Dabei hatte der Sonntag für den Stuttgarter Innenverteidiger mit einer guten Nachricht begonnen. Der WM-Fahrer, der am Freitag wegen fehlender Einsatzzeiten im Verein nicht ins DFB-Aufgebot für das Dänemark-Spiel berufen worden war, erfuhr, dass er dafür wenigsten einmal wieder einmal in der Anfangsformation seiner Mannschaft stehen würde. Angesichts der schwachen Leistungen, die sich Khalid Boulahrouz und Georg Niedermeier im bisherigen Saisonverlauf ebendort geleistet hatten, war die erneute Rochade nicht sonderlich überraschend. Die beiden dürften auch am heutigen Montag gut daran tun, alle Zeitungen zu meiden, die die einzelnen Spieler einzeln benoten. Boulahrouz, den Trainer Christian Gross auf die rechte Verteidigerposition beorderte, hatte dort gleich zu Beginn der Partie einen verhängnisvollen Einfluss auf das Spielgeschehen. Eine Flanke von Dortmunds Linksverteidiger Marcel Schmelzer fälschte der Niederländer so unglücklich ab, dass Keeper Sven Ulreich nur noch resigniert hinter sich schauen konnte (5.). Das war pures Pech – im Gegensatz zu den Stellungsfehlern, die er sich in der Folgezeit leistete.
Nach dem Führungstor kombinierten sich die Gäste weitgehend ungehindert durch die Stuttgarter Reihen – und konnten in der 26. Minute erneut jubeln. Tascis Innenverteidiger-Kollege, Georg Niedermeier, köpfte einen Flankenball fahrlässig zur Seite, von wo ihn Kevin Großkreutz zu Lucas Barrios schob – es stand 0:2. Schon in der 37. Minute leistete sich Niedermeier den nächsten schlimmen Fehler. Diesmal köpfte er den Ball jedoch praktischerweise gleich ohne Umwege in den Aktionsradius des Dortmunder Torschützen. Der 18-jährige Mario Götze, der seinen zweiten Einsatz im Dortmunder Dress hatte, ließ sich nicht zwei Mal bitten. Es gab unter den 40.500 Zuschauern nicht viele, die sich darüber wunderten, dass Niedermeier nach der Halbzeit auf der Bank Platz nahm. Stürmer Ciprian Marica ereilte das gleiche Schicksal. „Wir haben Qualität in der Mannschaft“, sagte Cacau nach der Partie, „aber so wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, geht gar nicht.“ Was blieb, war die verzweifelte Hoffnung, es möge zum zweiten Mal an einem Spieltag zu einer Aufholjagd wie im 550 Kilometer entfernten Wolfsburg kommen. Dort hatte Mainz 05 bekanntlich einen 0:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg verwandelt. „Der Trainer hat uns gesagt, dass wir so weiterspielen sollen“, berichtete Dortmunds Sebastian Kehl, „damit es nicht zu einem Wunder kommt wie bei einem anderen Spiel an diesem Spieltag.“
Tatsächlich kam der VfB im zweiten Durchgang zu ein paar Chancen mittlerer Güte. In der 57. Minute musste Roman Weidenfeller sich sogar einmal auf den Rasen fallen lassen, um einen Schuss von Christian Gentner zu entschärfen, kurz darauf prüfte Cacau den BVB-Keeper deutlich ernsthafter (63.). Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz am Vortag allerdings bereits ausgeglichen. Wiederum sechs Minuten später durften dann allerdings auch die Stuttgarter Fans erstmals ein Tor ihrer Mannschaft beklatschen. Cacau markierte den Anschlusstreffer (69.). Mehr Erfreuliches passierte aus Stuttgarter Sicht nicht mehr. „Das war ein sehr gutes Spiel von meiner Mannschaft“, freue sich BVB-Coach Jürgen Klopp, „wir hatten viel Ballbesitz, ohne dass das schläfrig gewirkt hätte.“ Im Gegenteil: Wären die Dortmunder in der Schlussphase nicht ein wenig schlampig mit ihren Chancen (Lukas Piszczek, 82./Sebastian Kehl, 86.), hätte der Dortmunder Sieg gut und gerne weit demütigender ausfallen können. An Serdar Tasci hätte das dann allerdings nicht gelegen. Der 23-Jährige war noch einer der Besseren im schwindsüchtigen Stuttgarter Defensivverbund. Ein schwacher Trost für Christian Gross, der fand es gebe „nichts zu beschönigen. Wir müssen lernen, mehr zu agieren und weniger zu reagieren.“