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BUNDESLIGA
„Biss, Leidenschaft, Laufvermögen vermisst“
Vier Punkte Rückstand auf Dortmund: Nach dem 0:0 in Freiburg geben sich die Bayern Verantwortlichen zerknirscht. Von Christoph Ruf, Freiburg.

Manuel NeuerKein Gegentor in Freiburg: Manuel Neuer und der FC Bayern laufen Dortmund dennoch hinterher
Foto: Pixathlon

 

Johannes Flum vom SC Freiburg stand in der viel zu engen Interviewzone seines Arbeitgebers und wunderte sich: „Wir haben einen Punkt geholt, und die Fans feiern uns hier, als hätten wir die Bayern abgeschossen. Das ist nicht der Fall.“ Eine Feststellung, die nach Adam Riese nicht von der Hand zu weisen war. Doch wer in die Gesichter der Bayern-Spieler blickte, die sich einer nach dem anderen hinter Flum vorbeizwängten, ahnte, dass die Dinge im Lager der Bayern ähnlich gesehen wurden wie in der Freiburger Nordkurve. Auch ein 0:0 kann eine schallende Ohrfeige sein.

 

Es gab deshalb nicht viele Bayern-Vertreter, die sich am Samstag Abend zu einer Stellungnahme hinreißen ließen. „In der ersten Halbzeit ist das eingetreten, was ich den Spielern in der Spielvorbereitung mitgeteilt habe“, ärgerte sich Coach Jupp Heynckes, der den Gegner geradezu hymnisch lobte: „Wir sind auf eine Freiburger Mannschaft getroffen, die sehr lauf- und kampfstark und hervorragend organisiert ist, die immer wieder im richtigen Moment doppelt und die ein gutes Pressing spielt.“ Zumindest eine Halbzeit lang war der Rekordmeister den wie aufgedreht spielenden Breisgauern in allen Belangen unterlegen. Auf einen konstruktiven Spielaufbau verzichteten die Bayern, quälende Quer- und Rückpassstafetten raubten nicht nur Bayern-Präsident Uli Hoeneß den letzten Nerv, der kopfschüttelnd neben Finanzvorstand Karl Hopfner auf der Haupttribüne saß. „Ich habe im ersten Durchgang vieles vermisst bei uns, den Biss, die Leidenschaft und das Laufvermögen“, sagte Coach Jupp Heynckes, „Da haben wir viel zu pomadig agiert und gedacht, dass wir mit unseren spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen.“

 

In der Halbzeit nahm Heynckes deshalb Rechtsverteidiger Rafinha aus der Partie und sorgte mit der Einwechslung von Arjen Robben für ein klein wenig mehr Inspiration im trägen Münchner Offensivspiel. Doch obwohl die Bayern nun etwas engagierter zu Werke gingen und dem SC nach fulminanter Laufleistung in der Schlussviertelstunde die Kräfte schwanden, kam die beste Offensive der Liga (49 Treffer) gegen die schwächste Defensive (47 Gegentore) im gesamten zweiten Durchgang zu keiner nennenswerten Torgelegenheit mehr. Die einzige echte Bayern-Chance des Spiels hatte zuvor Thomas Müller vergeben, der nach einer Vorlage von Franck Ribéry an SC-Keeper Oliver Baumann scheiterte (42.). Der SC hatte hingegen durch Flum (25.) und Daniel Caligiuri (84.) zwei gute Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden.

 

Doch auch im zweiten Durchgang gelang es dem SC immer wieder, das Spiel mit vergleichsweise einfachen Mitteln in die gegnerische Hälfte zu verlagern. „Unser Ziel war, die Münchner durch lange Bälle von unserem Strafraum fernzuhalten“, sagte Johannes Flum, „das ist gut gelungen.“ Die Freiburger Viererkette – Oliver Sorg, Fallou Diagné, Immanuel Höhn und Jonathan Schmid bringen es zusammengenommen auf 22 Bundesligaeinsätze – geriet so selten in Bedrängnis. Zumal wichtige Bayern-Spieler wie Thomas Müller, Toni Kroos oder Mario Gomez vollkommen abtauchten und sich Franck Ribéry nach ansprechenden Szenen immer wieder längere Pausen gönnte. Sie dürften gemeint gewesen sein, als Manager Christian Nerlinger nach dem Spiel die Einstellung einzelner Spieler in Frage stellte. „Es wirkt so, als ob einige nicht kapiert haben, worum es geht."

 

Natürlich gab es auch am Samstag ein paar mildernde Umstände: Zum einen war der zweite Durchgang der Münchner ein wenig besser als der erste. Und zum zweiten hätte der ansonsten exzellent pfeifende Referee Peter Gagelmann ein Foul von Jonathan Schmid an Arjen Robben (52.) mit Elfmeter ahnden können. Der Gefoulte war sich allerdings nach Schlusspfiff selbst nicht sicher, ob er nun auf Elfmeter plädieren sollte. Eine Schwalbe sei es jedenfalls nicht gewesen, beschied er die Journalisten.

 

Der FC Bayern, der noch mit komfortablen drei Punkten Vorsprung Weihnachten feiern konnte, hat seit dem 0:0 in Freiburg vier Zähler Rückstand auf Borussia Dortmund – und einen auf den Tabellenzweiten Gladbach. Kein Wunder, dass Manager Christian Nerlinger noch in den Katakomben vor einer missratenen Saison warnte. Schleunigst müssten sich nun „grundlegende Dinge ändern, sonst wird

die Deutsche Meisterschaft ein Zweikampf zwischen Dortmund und Mönchengladbach.“




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