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BUNDESLIGA
Hilflos in Freiburg
Nach der verdienten Niederlage beim Abstiegskandidaten zählt Huub Stevens Spieler auf, die „nicht helfen konnten“. Einige davon, so der Schalker Trainer, hätten auf dem Platz gestanden. Von Christoph Ruf, Freiburg.


Huub StevensEnttäuscht: Schalkes Trainer Huub Stevens nach der Niederlage in Freiburg
Foto Pixathlon


Es gibt ja Menschen, die behaupten, der Schalker Trainer Huub Stevens habe nicht mehr viel gemein mit dem „Knurrer von Kerkrade“, als der er während seiner ersten Schaffensperiode im Westfälischen galt. Auskunftsfreudig, ja geradezu freundlich wirke der 58-Jährige, seit er zum zweiten Mal in Gelsenkirchen angeheuert habe.

Am frühen Samstag Abend fanden sich allerdings im Presseraum des Freiburger Stadion nicht viele Beobachter, die dem Niederländer nach der 1:2-Niederlage eine nennenswerte Wesensveränderung bescheinigt hätten. Jede noch so harmlose Frage schien den Mann innerlich auf eine ziemlich hochgewachsene Palme zu bringen. Selbst der westfälische Kollege, der wissen wollte, wie es um den verletzt ausgewechselten Benjamin Höwedes stehe, wurde einigermaßen patzig abgekanzelt: „Ich weiß das nicht, ich bin doch kein Arzt.“ Als wüssten nur KFZ-Mechaniker, ob ihr Auto einen Motorschaden hat.

Was dem Schalker Coach die Laune verhagelt hatte, war indes nicht schwer zu erraten. Seine Mannschaft hatte schließlich zum zweiten Mal in Folge verloren. Und das auch noch genau so verdientermaßen wie in der Vorwoche bei den Bayern. Nach engagiertem Beginn und zwei von Ciprian Marica (4.) und Raùl (6.) vergebenen Torchancen überließ der Gast ziemlich bereitwillig den Freiburgern die Initiative und schien erst in der Schlussphase zu begreifen, dass man ein Spiel nur dann nicht verliert, wenn man mindestens genau so viele Tore schießt wie der Gegner. Der hatte, als der eingewechselte Teemu Pukki ins Freiburger Tor traf (72.), allerdings schon zwei Treffer erzielt und damit einen Auftritt gekrönt, der die Hoffnung auf den Klassenerhalt neu befeuert hat. Der ehemalige Kölner Sebastian Freis hatte bei seinem ersten Einsatz von Beginn an vorgelegt (18.), ehe Daniel Caligiuri einen Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 2:0 verwandelte (66.).

Nun war es allerdings nicht so, dass man den Schalkern den Einsatz hätte absprechen können. Im Gegenteil: So gut wie jeder Zweikampf wurde erbittert ausgefochten, taktische Fouls gab es im Dutzend zu bestaunen. Kurz vor Schluss musste Kyriakos Papadopoulos mit Gelb-Rot vom Platz (86.). Und dennoch hatten die Zuschauer, die in diesem zerfahrenen, aber unterhaltsamen Spiel jeden Meter Raumgewinn wie eine Befreiung feierten, stets den Eindruck, dass es der Auswärtsmannschaft vor allem darum ging, das Spiel der Freiburger zu zerstören. Anders gesagt: Der als Tabellenletzte in die Partie gegangene Club agierte, der Champions-League-Aspirant reagierte. Ein Umstand, den Freiburgs Mittelfeldmann Jan Rosenthal schön formulierte. Nach der Freiburger Führung sei „klar gewesen, dass Schalke im Moment jetzt nicht die Stimmung auf den Platz bringen konnte, groß etwas dagegenzusetzen." Sprach`s und beeilte sich zu versichern, dass die individuelle Qualität des Gegners natürlich beachtlich sei. „Wir haben sie aber zu vielen langen Bällen gezwungen, die dann verpufft sind.“ Und Stürmer Freis ergänzte, man habe den Gegner eben „oft schon im Spielaufbau entscheidend gestört, deswegen konnte ich die letzten zehn Minuten auch nicht mehr.“ Musste er auch gar nicht – er wurde gegen Stefan Reisinger eingetauscht, einen von vielen Freiburger Spielern, die bei Teams aus der oberen Tabellenhälfte nicht zum Zuge kämen, die aber bis zur Erschöpfung übers Feld rennen und zusammen mit den besseren Fußballern im Team und einigen vielversprechenden Talenten eine Mannschaft formen, die vielleicht doch noch die vier Siege zusammenbekommt, die schon den Klassenerhalt bedeuten könnten.


Dass der Freiburger Sieg trotz einiger guter Schalker Chancen  dann doch verdient war, hatte natürlich auch Huub Stevens gesehen. Zunächst zählte er all die Spieler auf, die „uns heute nicht helfen konnten“, die verletzten Christoph Metzelder, Christian Fuchs und Klaas-Jan Huntelaar sowie den wegen mangelnder Einstellung  nicht berücksichtigten Jefferson Farfan. Um dann, ohne mit der Wimper zu zucken, fortzufahren, es habe darüberhinaus noch einige andere Spieler gegeben, die dem Team heute nicht hätten helfen können: „Nur standen die leider auf dem Platz.“




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