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INTERVIEW
„Eine Vaterfigur“
Beim FC Bayern haben sie zusammengearbeitet: Lothar Matthäus über die Rückkehr von Otto Rehhagel in die Bundesliga und Dreierketten in Italien. Interview Matthias Greulich

 

Otto Rehhagel und Lothar Matthäus"Man konnte mit ihm über alles reden": Otto Rehhagel trifft Lothar Matthäus. Vor dem Anpfiff des Länderspiels Griechenland gegen Ungarn (2:1) im November 2005.
Foto Pixathlon

 


RUND: Herr Matthäus, kam die Rückkehr von Otto Rehhagel in die Bundesliga überraschend für Sie?
Lothar Matthäus: Ja Ich hätte nicht mit Otto Rehhagel gerechnet. Ich bin immer gut mit ihm klargekommen als er Trainer bei Bayern München war. Es gab Spieler, die mit ihm Probleme hatten. Ich nicht. Ich schätze ihn nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch. Deshalb von meiner Seite nur das Beste für ihn.

RUND: Wie war Rehhagels Ansprache ans Team?
Lothar Matthäus: Gut. Er hat viele Einzelgespräche geführt. Man konnte mit ihm über alles reden. Angenehm. Sehr ruhig. Er hat auch ein wenig Schmäh hineingebracht. Er hat etwas kumpelhaftes. Es zeichnet ihn wahrscheinlich aus, dass er eine Vaterfigur für die Spieler ist. Ich glaube, das war er in Griechenland auch. Die Trainingslehre war damals, als er beim FC Bayern war, nicht auf dem neuesten Stand. Er hat es sich häufig sehr einfach gemacht.

RUND: Sie mussten ihn siezen?
Lothar Matthäus: Ja. Er hat auch die Spieler gesiezt, was eigentlich nicht üblich ist.

RUND: Otto Rehhagel hat bei der EM 2004 mit Libero spielen lassen. Dagegen hatten die Gegner bei diesem Turnier keine taktische Antwort gefunden. Haben Sie Alternativen zur alles beherrschenden Viererkette gesehen?
Lothar Matthäus: In Italien spielen momentan sechs, sieben Vereine mit Dreierkette. Ausgerechnet die Italiener. Bologna beispielsweise spielt mit einer Dreierkette. Hat sich im letzten halben Jahr ergeben.Dadurch haben die beiden Außenverteidiger die Möglichkeit, sich offensiver nach vorne einzuschalten.

RUND: Der FC Bayern hat Ende der Neunziger ähnlich gespielt.
Lothar Matthäus: Genau. Mit Ottmar Hitzfeld, der bestimmt nicht für eine Dreierkette stand, haben wir es dann auch versucht. Wir waren ja keine „Liberos,“ wir waren defensive Mittelfeldspieler. Wenn es brenzlig wurde, standen wir hinter der Abwehr, um den Abwehrspielern zu helfen. Bei eigenem Spielaufbau haben wir natürlich die zwei Innenverteidiger nach außen gezogen. Die zwei Außenverteidiger 20 Meter weiter nach vorne. So haben wir auf der Seite an Höhe gewonnen, was man vielleicht innen verloren hat. Dafür haben wir nur mit einem Sechser gespielt, das war Jens Jeremies. Samy Kuffour hat seine beste Zeit gehabt, als ich neben ihm spielte. Alles, was er falsch gemacht hatte, konnte ich ausbügeln. Er konnte näher bei seinem Gegenspieler sein, ihn schon beider Ballannahme stören. Wenn er mich nicht dahinter gehabt hätte, wäre er automatisch vier Meter zurückgegangen. Der Stürmer lässt sich anspielen, wendet sich und geht auf Kuffour zu. Dann bekommt ein Innenverteidiger Probleme.

RUND: Welche Grundformation bevorzugen Sie?
Lothar Matthäus: Es hängt häufig mit den Spielertypen zusammen. Nahmen wir dasa Spiel, das wir mit Ungarn 2004 gegen Deutschland gewonnen haben. Lászlo Bodnár und Szabolcs Huszti waren beide offensiv orientiert. Soll ich ihnen die Stärken nehmen? Hinten hatte ich zwei langsame Innenverteidiger. Denen habe ich einen dritten dazugestellt als Absicherung. Nehme ich aber einen Lúcio in seiner Glanzzeit eins gegen eins in der Defensive. Taktisch hervorragend. Der ist schnell, der ist aggressiv, der will. Wenn ich zwei von der Sorte habe, dann fressen die jeden Stürmer auf.

 

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 Lothar MatthäusIm Trikot des FC Bayern: Lothar Matthäus Foto Pixathlon



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