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BUNDESLIGA
Zukunft ohne Stars
Abstiegskampf in Hamburg: Nach der verdienten Heimniederlage gegen Freiburg hoffen HSV-Sportdirektor Frank Arnesen und Trainer Thorsten Fink, dass ihnen der Laden nicht um die Ohren fliegt. Von Roger Repplinger

 

Cedric MakiadiFreiburg im Hamburger Volkspark: Der starke Cedric Makiadi trifft zum 0:3, Mladen Petric verstolperte zuvor das mögliche 1.2
Foto Pixathlon

 

Einigen schwant jetzt: Mit dem Hamburger SV geht es erst mal so weiter. Läuft's gut: unteres Mittelfeld, fehlen der beste Stürmer, der beste Innen- und der beste Außenverteidiger, wie gegen den SC Freiburg, dann ist Freiburg besser. Freiburg!

Mit 1:3 (0:2) verlor ein in vielen Belangen unterlegener HSV am Samstag nach Toren von Johannes Flum, im Anschluss an einen Freistoß (20.),  Daniel Caliguri kurz vor der Halbzeit, und des starken Cedric Makiadi nach einem Freistoß (72.), bei einem Gegentor von Ivo Iličević (75.), gegen Abstiegskandidat Freiburg. Nun ist der HSV selbst einer. „Wir müssen den Abstiegskampf“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink, „das Wort kann man jetzt wirklich mal in den Mund nehmen, annehmen.“

Nun ist es raus. Das Wort. Von dem auch wir annehmen, dass man es nun in den Mund nehmen kann.
Einige, denen es jetzt schwant, wie die HSV-Realität aussieht, greinen zum Steine erweichen. In Zukunft keine Stars mehr, falls Mladen Petrić einer war, geht mit ihm nach dieser Saison der letzte. Ihm muss man nicht nachweinen. Der HSV muss die Kosten für die Mannschaft  reduzieren, hat der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow gesagt. Und dass der Verein auch im laufenden Geschäftsjahr Minus macht, hat er auch gesagt. Auf Jahre hinaus kein Ruud van Nistelrooy mehr, kein Rafael van der Vaart, keine Sylvie, kein Thimothée Atouba, sondern junge Spieler vom FC Chelsea, aber nicht die besten. Denn den 18-jährigen Mittelstürmer Romelu Lukaku kriegt Frank Arnesen, der Sportdirektor des HSV, nicht. Selbst vom Nachwuchs nur die zweite Reihe.

Dabei wären Stars ein prima Sedativ, in diesen bitteren Zeiten. In einer Stadt, in der Viele leben, die sich gerne in glitzernden Fassaden spiegeln, und dabei vergessen, dass es ihnen besser gehen könnte, wenn sie diese Fassaden nicht mit ihren Steuern finanzieren würden.

Der HSV muss seine Finanzen sanieren und sein Spiel auf modern umstellen. Viel auf ein mal. Die beiden Aufgaben hängen zusammen, nicht ursächlich, aber immerhin. Fink und Arnesen versuchen es hin zu kriegen, ohne dass ihnen der Laden um die Ohren fliegt.

Der HSV wird sich auf absehbare Zeit mit den anderen Clubs am Tabellenende herum schlagen. Mit den Aufsteigern, den Habenichtsen, den „armen Leuten“ des Fußballs. Clubs, auf die viele von den HSV-Fans herunter schauen, die selbst so sind wie diese Clubs. Der Unterschied zwischen diesen Clubs und dem HSV ist, dass es der HSV ist. Mit dieser Tradition und diesem Anspruch und manch anderem Kram, der in dieser Lage nicht hilft. Der Unterschied ist, dass die Fans, das Umfeld, die Journalisten der anderen Clubs am Tabellenende, wie die Freiburger, nichts anderes erwarten als Klassenerhalt. In Hamburg reicht das nicht.

Profifußball ist, nicht nur, aber auch, eine Frage des Kapitals. Der HSV ist da ziemlich knapp im Moment, und geht deshalb, wie das andere Firmen auch machen, an die Lohnkosten ran. Teure Mitarbeiter raus, günstige rein. Das hat Folgen für die Qualität des Spiels.

Einige der jungen Spieler, die in roten Hosen übern Rasen des Volksparkstadions laufen, haben im Moment nur eingeschränkt Bundesliga-Niveau. Nicht alle werden es erreichen. Mit der Mannschaft und dem Spiel der ersten Halbzeit gegen Freiburg, steigt der HSV ab. „Die Situation“, sagt Fink, „ist prekär, aber noch nicht aussichtslos.“ Der HSV steht auf Rang 14, hat 27 Punkte, Augsburg 26, Freiburg 25. Der HSV spielt am Freitag in Wolfsburg und dann in Kaiserslautern.

Diejenigen, denen nun klar wird, wie es um den HSV steht, und die greinen, sollen mal überlegen, was sie machen, wenn's schlimmer wird. Kann es. Es kann sein, dass  Arnesens Sanierungspolitik dazu führt, dass der Weg des HSV in die Zweite Liga führt. Andere ehrenwerte Clubs waren auch schon dort. Die Zweite Liga ist nicht gut, kein Platz, um sich zu ökonomisch zu sanieren, spielerisch weiter zu entwickeln. aber auch nicht das Ende.

Beim Schlusspfiff gegen Freiburg waren viele der 52.400 Zuschauer gegangen. Einige von denen, die noch da waren, pfiffen. Ab der 70. Minute war: „Wir ham die Schnauze voll“, zu hören. „Noch acht Spiele, das war noch nicht das entscheidende“, sagt Fink. Es macht sich Depression breit, dafür ist es eigentlich noch zu früh.

 



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