ZWEITE LIGA
Was war, wird immer schöner
Mit seinem Trainer André Schubert im Alltag angekommen. Relegationsplatz drei ist dennoch möglich. Von Roger Repplinger.

 

André SchubertSeit Saisonbeginn Trainer des FC St. Pauli: André Schubert

 

Der FC St. Pauli kickt inzwischen wieder einen etwas ärmeren Stil. Der Ball wird hoch nach vorne gespielt, Max Kruse, Deniz Naki, Fin Bartels oder Marius Ebbers hecheln hinterher. Sah mal besser aus. Sieht wieder so aus wie vor Stanislawski. Einigen Spielern schwant, dass so was wie die Zeit mit Holger Stanislawski die Ausnahme ist. Menschlich und spielerisch, vielleicht hängt das ja zusammen. Vielleicht bekommen sie so was nie mehr. Vielleicht schwant das auch Stani.

André Schubert, 40 Jahre alt, ist anders. Knirscht es, spielt er defensiv. Zu Hause auch mal  ohne Stürmer. Die Mannschaft rennt und kämpft, aber kombiniert nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr so viel.

Als Carlos Zambrano gegen Fortuna Düsseldorf Gelb hatte (49.), und aus Ohren, Nase, Mund, der heiße Dampf der Lava, die in ihm kochte, für jeden zu sehen war, Schiedsrichter Wolfgang Stark signalisierte, dass er nach dem nächsten Foul fliegt (69.), ließ Schubert ihn weiter spielen, bis er mit der zweiten Gelben runter musste, und zum Überfluss auch noch Sascha Rösler, dem „Agent provocateur“ der Zweiten Liga, der den Platzverweis gefordert hatte, aufs Trikot spuckte (76.). Ein Spiel für die Gelben, drei fürs Spucken, macht vier Spiele Sperre für den 22-Jährigen.

"Wir wissen, dass Carlos ein temperamentvoller Spieler ist“, sagte Schubert, „wir hatten im Trainerteam kurz über eine mögliche Auswechslung gesprochen, Carlos aber auf dem Feld gelassen, weil er richtig gut gespielt hat und wir hinten stabil standen. Beim kampfbetonten Spiel in Aue hatte Carlos auch die Gelb Karte gesehen und er hat das Spiel zu Ende gespielt. Im Nachhinein sind wir natürlich alle schlauer, denn es wäre besser gewesen, wenn wir ihn raus genommen hätten." Fehler passieren, am besten, man steht dann dazu. Ist nicht Schuberts Stärke.

Schubert präferiert einen bestimmten Spielertyp, Charles Takyi fällt nicht darunter. Spieler erzählen, der Trainer sei launisch. Man wisse nicht, woran man ist. Spieler erzählen, Schubert könne, was Kritik anbelangt, krass werden.

Zwei Neue stehen für die nächste Saison fest: Sören Gonther und Florian Mohr, beide vom SC Paderborn. Gonther, 25, Innenverteidiger, kommt als Ersatz für Carlos Zambrano, der wohl geht.  Mohr, 27, in Hamburg geboren, ist ebenfalls Abwehrspieler. In Paderborn sind sie ein bisschen irritiert über ihren Ex-Trainer, der weitere Spieler angesprochen haben soll. Der FC St. Pauli muss dringend was im Sturm tun, Nick Proschwitz, 25 Jahre, SC Paderborn, hat 16 Tore gemacht. Hinter Proschwitz ist die Erste Liga her, den zu kriegen, wird schwer.

Beim FC St. Pauli müssen sich alle auf Alltag einstellen. Schubert ist Alltag. Was war, war. Und wird, je länger es zurückliegt, immer schöner.

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