AUFSTEIGER
Der Fluch ist gebannt
Greuther Fürth steht als erster Aufsteiger fest. In den vergangenen Jahren war dem „Kleeblatt“ immer wieder kurz vor Schluss die Puste ausgegangen. Von Christoph Ruf, Fürth.
Bundesligaaufsteiger: Greuther Fürth ist ab sofort erstklassig Foto Pixathlon
Die Obere Fischerstraße heißt jetzt Mike-Büskens-Allee. Fans haben das grün-weiße Straßenschild kurzerhand zu Ehren des Aufstiegstrainers angeschraubt. Überhaupt ging es in der Nacht von Montag auf Dienstag hoch her in der Fürther Altstadt. In der Kneipenmeile Gustavstraße feierten tausende Anhänger des „Kleeblatts“ zusammen mit den Spielern, die sofort nach Schlusspfiff von der „Trolli Arena“ in die Stadt gefahren waren. Im VIP-Bereich hatten sie zuvor die Liveübertragung aus Dresden verfolgt. Schon ein Düsseldorfer Unentschieden hätte zum Aufstieg gereicht. Die Sachsen siegten 2:1. Fürth müsste jetzt drei Spiele verlieren und Paderborn bei drei Siegen 31 Tore gutmachen, um die Grün-Weißen noch auf den Relegationsplatz zu zwingen. Anders gesagt: Fürth ist definitiv aufgestiegen.
„Ein Traum ist wahr geworden. Wir sind stolz, dass wir es geschafft haben“, sagte Manager Rachid Azzouzi noch im Dresdner Stadion, während sich Mittelfeldmann Stephan Schröck mit seinen Mitspielern daran machte, im „Gelben Löwen“ das Versprechen („nehmen die Stadt auseinander“) in die Tat umzusetzen, das er bereits nach dem eigenen 2:1-Sieg gegen St. Pauli am Freitag gegeben hatte. Viele Trainerkollegen aus der Liga hatten Fürth-Coach Mike Büskens bereits am Wochenende gratuliert. Die Formulierungen glichen sich dabei: Mit Fürth sei das Team aufgestiegen, das auch spielerisch die Liga dominiert habe.
Auch die nackten Zahlen sprechen für. Die Franken haben mit Abstand am wenigsten Gegentore (23) kassiert und am zweitmeisten (69) geschossen. Nach dem unglücklichen Pokal-Aus gegen den BVB (erst in der 119. Minute schoss der Meister das 1:0) siegte man munter in der Liga weiter. Und das allen Unkenrufen im notorisch pessimistischen Umfeld zum Trotz. In einem Landstrich, dessen Bewohner nicht eben zur Euphorie neigen – der Spruch „nicht geschimpft ist gelobt genug“ ist legendär – trägt das spezielle Fürther Schicksal seinen Teil zur Skepsis bei. Ganze sieben Mal in den vergangenen zehn Jahren scheiterte Fürth knapp am Aufstieg, sechsmal wurde man Fünfter, einmal Vierter. Diesmal ist alles anders, mit einer Mischung aus Selbstironie und demonstrativem Selbstbewusstsein hat man den Fluch gebannt. Die Spielankündigungsplakate überschrieb man mit „Unaufsteigbar-Tour“ („Wegen des großen Erfolgs verlängert“). Und Manager Rachid Azzouzi gab zu Saisonbeginn das Ziel Bundesliga aus.
In der jungen Mannschaft ragen Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal, die Eigengewächse Sercan Sararer, Stephan Schröck und Edgar Prib sowie Stürmer Olivier Occean (17 Saisontore) heraus. Auch Winter-Neuzugang Gerald Asamoah überzeugte mit fünf Treffern in acht Spielen. Außer Außenverteidiger Bernd Nehrig sind alle Akteure langfristig gebunden. Azzouzi, der vor ein paar Tagen den Wechsel von Schröck nach Hoffenheim bekanntgeben musste, ist zuversichtlich, dass die anderen Leistungsträger bleiben: „Die Spieler wissen, dass sie bei uns den nächsten Schritt machen können. Auch bei Nehrig bin ich guter Dinge, dass er bleibt.“
Die Mannschaft punktuell verstärken, das Fanpotenzial erhöhen, den Umsatz steigern – all das schwebt Azzouzi und Präsident Helmut Hack nun eine Spielklasse höher vor. Aber alles Schritt für Schritt. Wie in den vergangenen 15 Jahren seit dem Zweitliga-Aufstieg 1997, in denen der Verein sich eine eigene Identität als seriös geführter, ebenso star- wie schuldenfreier Ausbildungsverein erarbeitet hat.
Bescheiden fallen deshalb auch die Neubaupläne für das Stadion aus, das mit Hilfe eines reichen Investors im Süden der Stadt entstehen soll. 35 Millionen Euro soll es kosten und Platz für 20.000 Zuschauer bieten. Keine zu defensive Planung, wie Azzouzi findet, dem die neu entfachte Begeisterung für das „Kleeblatt“ fast schon ein wenig suspekt ist „Wir könnten gerade locker 10.000 Dauerkarten verkaufen, dürfen aber nicht vergessen, dass wir auch in dieser Saison manchmal nur 7000 Zuschauer hatten.“ In der übernächsten Spielzeit soll das neue Stadion bezugsfähig sein, die kommende Bundesligasaison wird der dreifache deutsche Meister (1914, 1926, 1929) also weiter im nur 15.500 Zuschauer fassenden Ronhof spielen. Dort dürfte jedes Spiel ausverkauft sein. Für den prominentesten Fan wird aber ein Platz freigehalten. Henry Kissinger, der in Fürth aufgewachsene ehemalige US-Außenminister, hat angekündigt, dass er sich im Spätsommer das erste Bundesligaspiel dieses Jahrtausends live anschauen will.
Nach dem Sieg gegen den FC St. Pauli: Die Fürther lassen sich feiern
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