BUNDESLIGA
We`re Not Gonnna Take It
In einer schwachen Partie sichert sich der HSV einen Punkt in Nürnberg und  kann nun wenigstens nicht mehr direkt absteigen. Allerdings verletzen sich zwei seiner Spieler. Von Christoph Ruf, Nürnberg.


Hanno Balitsch und David JarolimBescheidenes Fußballspiel in Nürnberg: Hanno Balitsch vom Gastgeber und David Jarolim mühen sich
Foto Pixathlon


Die Anhänger des Hamburger SV haben seit einigen Monaten ein neues Lieblingslied. Nach der Melodie von Twisted Sister`s „We`re Not Gonna Take It“ sangen die 4.000 mitgereisten HSV-Fans auch am Samstag von vergangenen Meriten („Sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger..niemals Zweite Liga, HSV“). Die Glamrock- Hymne stammt aus dem Jahr 1984 und ist damit ein Jahr frischer als der letzte Meistertitel der Hamburger, die anno 2012 mit weitaus bescheideneren Ergebnissen zufrieden sind. Nach dem 1:1 in Nürnberg feierte man im Lager der Hanseaten die Tatsache, dass der Bundesliga-Dino nun immerhin nicht mehr direkt absteigen kann. Und da Bescheidenheit bekanntlich eine Zierde ist, betonten auf Hamburger Seite dann auch alle, dass der Nachmittag doch eigentlich ganz gut gelaufen sei.

Exakt 45.873 Augenpaare sahen das komplett anders. Doch das lag nicht nur an einem erschreckend schwachen HSV, sondern zu gleichen Teilen am Club, der um keinen Deut besser aufgelegt war und seinen Teil zu einer niveau- und tempoarmen Partie beitrug. HSV-Kapitän Heiko Westermann sah das Ganze dann auch pragmatisch. „Den Punkt nehmen wir natürlich gerne mit.“ Überhaupt sei die Dramaturgie genau richtig: „So können wir hoffentlich kommende Woche zu Hause mit unseren Fans den Klassenerhalt feiern.“ Selbst wenn Köln in Freiburg gewinnen sollte, würde ein Punkt gegen Mainz reichen, um auch den Fluch der Relegationsspiele zu bannen. 
Eine Leistungssteigerung gegenüber dem Spiel in Nürnberg ist dann allerdings dringend vonnöten. Denn de facto hatte der offensiv planlose HSV nicht die „besseren Möglichkeiten“ (Westermann). Schon eher traf es da zu, dass sie „defensiv ordentlich“ standen, denn außer kapitalen Schnitzern von Michael Mancienne (26) und Jeffrey Bruma (64) bewerkstelligte die HSV-Abwehr den Tag wirklich unfallfrei. Brumas kapitaler Stellungsfehler ermöglichte allerdings erst den 1:1-Ausgleich durch den erneut starken Daniel Didavi. Der Nürnberger Mittelfeldmann ist ja vom VfB Stuttgart nur ausgeliehen und zeigte mit einer guten Leistung und seinem achten Saisontreffer, dass VfB-Manager Fredi Bobic ihn zurecht zurückfordert. Hinfällig war damit die Führung durch Heung Min Son (59.), bei dem die Nürnberger Deckung unsortiert wirkte. Überhaupt passierte an diesem Nachmittag nur dann etwas, wenn einer der Spieler einen kapitalen Aussetzer hatte. In einem komplett unansehnlichen Spiel hatten die Hamburger ansonsten das Glück, dass die Gastgeber im ersten Durchgang mindestens genauso desolat zu Werke gingen wie sie selbst.

Dass Thorsten Fink („war kein Super-Bundesligaspiel“) sorgenvoll dreinblickte, lag allerdings weniger am schwachen Match als an der Verletzung zweier seiner Spieler. Nach einem Zusammenprall mit Tomas Pekhart musste er Torwart Jaroslav Drobny auswechseln. Für ihn kam Sven Neuhaus, der mit 34 Jahren zu seinem Bundesligadebüt kam. Kurz vor Schluss musste schließlich Mittelfeldmann Gojko Kacar vom Platz. „Er hat etwas knacken hören“, wusste sein Coach zu berichten, „und wird die nächsten Spiele definitiv ausfallen.“ Wenige Stunden später bestätigte sich die Prognose des Coachs: Kacar erlitt einen Anriss des Syndesmose- und des Innenbandes sowie einen Knöchelbruch. Glück im Unglück könnte hingegen Drobny („vielleicht nur eine starke Hüftprellung“) gehabt haben, dem nach dem Spiel auch Manager Frank Arnesen alles Gute wünschte. „Wir haben jetzt acht Punkte aus den letzten fünf Spielen geholt. Das ist nicht schlecht“, sagte der HSV-Manager, der nun „auch im sechsten Endspiel“ gegen Mainz „erfolgreich sein“ will.

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