BUNDESLIGA
La Olá für Platz sechs
Der VfB Stuttgart krönt eine starke Rückrunde mit drei Toren in sechs Minuten und hat fürs kommende Saison ähnlich ehrgeizige Ziele wie der unterlegene VfL Wolfsburg. Von Christoph Ruf.

CacauFreude in Stuttgart: Der VfB spielte eine starke Rückrunde und wird Sechster Foto Pixathlon

 

Felix Magath dürfte das Abschlussklassement der Saison 2011/2012 mittlerweile auswendig kennen. Quälend lange Minuten musste er sich schließlich in die Tabelle vertiefen, die da auf A3-Papier ausgedruckt vor ihm auf dem Podium lag. Es galt die Zeit totzuschlagen, bis sein Kollege ebenfalls den Presseraum erreicht haben würde. Bruno Labbadia hatte die überschwappende gute Laune in Bad Cannstatt noch eine Weile länger im Stadioninneren verweilen lassen.

 „Für die Zuschauer war es ein schönes Spiel zum Abschluss der Saison“, bilanzierte der Wolfsburger Coach, als er endlich zu Wort kam. Er lächelte dabei fast unmerklich. Wer Magath in den vergangenen Jahren beobachten durtfe, weiß, dass „schöne“ Spiele, nicht das sind, was ihm gefällt. Spiele nach seinem Gusto sind solche, die 90 Minuten lang konzentriert geführt und vor allem: gewonnen werde. Beides allerdings gelang seiner Mannschaft nicht. Trotz einer Wolfsburger 2:0-Führung gewann Stuttgart schließlich noch mit 3:2.

Der Knackpunkt der Partie wurde von außen herangetragen. Als um 16 Uhr 58 schwäbischer Sommerzeit der Hannoveraner Siegtreffer an der Anzeigetafel aufleuchtete, schien die Körperspannung aus den Wolfsburgern zu weichen. Sie wussten ja auch, dass nun jedes weitere Anrennen zwecklos, das eigene Endergebnis der Partie irrelevant sein würde. Die Qualifikation für die Europa League, sie war durch den Treffer von Didier Ya Konan in 516 Kilometern Entfernung perdu. Kurz darauf fielen die Stuttgarter Treffer durch Cacau (73.), Maza (77.) und Ibrahima Traoré (79.). Aus einem 0:2 (Patrick Helmes, 28. Marco Russ, 60.) war innerhalb von nur sechs Minuten plötzlich ein 3:2 für Stuttgart geworden. „Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir noch glaubten, einen Euro-League-Platz erreichen zu können, haben wir auch gut gespielt“, sagte Magath. Im Grunde genommen sei die Partie somit „ein Spiegelbild der gesamten Spielzeit“ gewesen. „Jedes Mal, wenn wir an den europäischen Plätzen dran waren, haben wir den Sprung nicht geschafft.“ Sprach`s und lobte einen Stürmer, der soeben den elften Treffer im elften Spiel in Folge geschossen hatte. Patrick Helmes darf sich ja ebenso wie Stuttgarts Cacau Hoffnungen machen, heute in Rastatt für den EM-Kader nominiert zu werden. Eine Personalie, die zumindest für Helmes´ Trainer gar keine ist: „Ich weiß gar nicht, was es da noch zu überlegen gibt.“

 Der Mann, der mit frisch frisierten Haaren neben ihm saß, hatte deutlich mehr Endorphin in der Blutbahn als Magath. „Ein würdiger Abschluss“, freute sich Labbadia. „Die Mannschaft hat Moral gezeigt und so das Spiel noch gedreht." Dass der VfB, der vor der Partie Matthieu Delpierre, Stefano Celozzi, Khalid Boulahrouz und Timo Gebhardt offiziell verabschiedete, den direkten Weg zur Europa League verpasste und stattdessen den Umweg über die Qualifikation gehen muss, trübte die Laune im Schwäbischen nicht. Dort wissen sie schließlich, dass sie die nötigen Zähler in der Hinrunde verspielt haben, als in 17 Spielen nur 22 Zähler gesammelt wurden. Zumal die Zwischenergebnisse von der Anzeigetafel schon früh darauf hindeuteten, dass Bayer Leverkusen in Nürnberg nicht stolpern würde.

Kurzum: So richtig hatte ja bereits vor der Partie keiner mehr an Platz 5 geglaubt. Genau deshalb fiel die Freude über den Gesamtverlauf der Saison auch so überschwänglich aus. Eine La Olà jagte die nächste, erst eine Viertelstunde nach Schlusspfiff verließ der letzte VfB-Spieler vom Platz. In der Rückrundentabelle belegt der Stuttgart Platz drei und erzielte 40 Treffer. In beiden Spielen gegen den BVB (1:1 und 4:4) wusste man zu glänzen. Überhaupt gab es einige Partien, in denen man andeutete, dass (noch) mehr im Kader steckt. Am Ende dieser Spielzeit belegt der VfB Platz sechs. Eine gerechte Platzierung für ein Team, das zurecht zu den Teams aus dem oberen Drittel der Tabelle zählen darf, aber noch gehörig Rückstand auf die Spitzenteams hat. In Stuttgart arbeiten sie derzeit daran, dass sich dieser Abstand in der kommenden Spielzeit verringert.

Das gleiche Ziel hat Magath, der nach einer „Saison des Umbruchs“ höhere Ziele ankündigte: „Nächste Saison wollen wir wieder mal international spielen.“

 


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