A N Z E I G E

Zurück  |  

AUFSTIEG
„Fans dürfen träumen“
Unter Trainer Dirk Schuster und Manager Guido Buchwald gelang den Stuttgarter Kickers der Aufstieg in die Dritte Liga. Dass er dort auf seinen Ex-Verein trifft, freut Schuster nur bedingt. Von Christoph Ruf.


Guido BuchwaldWeltmeister 1990: Guido Buchwald, Präsidiumsmitglied bei den Stuttgarter Kickers
Foto Pixathlon


Wer dieser Tage mit Dirk Schuster sprechen möchte, erreicht ihn auf der Geschäftsstelle – der Coach der Stuttgarter Kickers muss Vertragsverhandlungen mit potenziellen Neuzugängen führen. Am vergangenen Wochenende wurde nach dem 2:0-Erfolg gegen die U23 des FC Bayern München der Wiederaufstieg in die Dritte Liga gefeiert. Schuster und Manager Guido Buchwald haben also wieder deutlich bessere Argumente bei Beratern und Spielern: „Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet“, sagt der vierfache DDR-und dreifache BRD-Nationalspieler, „trotzdem werden wir es schaffen, uns auf drei, vier Positionen zu verstärken.“

 Den Aufstieg konnte der Traditionsverein mit komfortablen neun Punkten Vorsprung vor der SG Sonnenhof Großaspach feiern. Das unter anderem von Gomez-Berater Uli Ferber alimentierte Team war den „Blauen“ nach einer spektakulären Siegesserie zwischenzeitlich arg auf die Fersen gerückt, fiel dann aber auf der Zielgeraden zurück. „Die haben eine prima Runde gespielt und uns wahrscheinlich erst zu den Höchstleistungen getrieben, die zum Aufstieg nötig waren“, sagt Schuster, der für den Karlsruher SC und den 1. FC Köln 200 Bundesligaspiele bestritt, ehe er beim SV Waldhof Mannheim seine Laufbahn beendete. In der kommenden Saison trifft er nun mit seinen Kickers auf seinen Ex-Club – und ist darüber nur bedingt erfreut: „Mir wäre es lieber gewesen, der KSC hält die Klasse. Die haben in dieser Spielklasse nichts verloren.“ Auf die Derbys freut er sich dennoch, vor allem auf das Heimspiel in Degerloch, wo die Kassierer zuletzt richtig Arbeit bekamen.

 7.150 Fans kamen allein am letzten Spieltag und feierten bis spät in die Abendstunden. 3620 waren es im Saisonschnitt – mehr als manchmal in den Glanzzeiten der Kickers zwei Spielklassen darüber. „Ein Geben und Nehmen“, sagt Schuster, „wir haben Leidenschaft und Siegeswille gezeigt. Das wollen die Fans sehen.“ Der gebürtige Chemnitzer, der noch immer im Karlsruher Stadtteil Durlach wohnt, geht ab Sommer in seiner vierte Saison bei den Kickers. Der Jahrgangsbeste des Fußballlehrer-Jahrgangs 2007 gilt als ehrgeizig und akkurat. Wenn sein Team nach dem Auswärtsspiel bei der U23 des KSC spielt, fährt er mit der Mannschaft zurück nach Stuttgart, um sicher dort ins Auto zu setzen und nach Durlach zurückzufahren. Und auch wenn er das nicht überbewertet wissen will („Ansprache und das ganze Trainerteam sind wichtiger“) – es sind wohl auch solche Kleinigkeiten, die die Autorität im Team erhöhen. In einer spielerisch eher durchschnittlich veranlagten, aber kompakten und kampfstarken Mannschaft ist die Abwehr das Prunkstück. Nur 29 Gegentreffer ließ der Defensivverbund um Torwart Daniel Wagner zu.

Bevor Schuster kam, hatte das Präsidium gehörige Probleme, einen geeigneten Nachfolger für Robin Dutt zu finden, der den Verein nach vier Jahren als Chefcoach 2007 in Richtung Freiburg verlassen hatte. Stefan Minkwitz, Edgar Schmitt und Rainer Kraft scheiterten beim Versuch, mit immer weniger Geld die traditionell hohen Erwartungen des Umfelds zu befriedigen. Im zweiten Jahr nach Dutts Abgang stiegen die Kickers sang- und klanglos als Tabellenletzter in die Viertklassigkeit ab – eine Schmach für den DFB-Pokalfinalisten des Jahres 1987, der 1988/89 und 1991/92 sogar jeweils ein Jahr Bundesliga spielte. In der „Ewigen Zweitligatabelle“ belegen die Kickers immer noch Rang vier, 23 Jahre gehörten die Blauen der Spielklasse an, die sie 2001 verließen. Erst unter Schuster gelang der Neuanfang gemäß der Zielvorgabe, binnen drei Jahren den Wiederaufstieg zu schaffen. Der Plan wurde pünktlich erfüllt. Und so soll es weiter gehen: Langsam, aber stetig: „Natürlich träumen viele Fans von der Zweiten Liga“, sagt Schuster. „Das dürfen sie auch. Aber jetzt geht es erst mal darum, uns in der Dritten Liga zu etablieren.“




Zurück  |