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BUNDESLIGA
„Wir wollen nicht immer klein bleiben“
Vor dem heutigen Spiel lobt der Bayern-Trainer seinen Freiburger Kollegen. Aus gutem Grund: Der SC holte zuletzt 14 Punkte aus sieben Spielen. Von Christoph Ruf, Freiburg.


 

Max Kruse
Erfolgreich in Freiburg: Max Kruse. Foto Pixathlon

 

Jetzt also auch noch Jupp Heynckes. Mit den Worten „Der beste Mann in Freiburg sitzt auf der Bank“, reihte sich der Bayern-Coach am Dienstag in die Phalanx derer ein, die die Arbeit von SC-Trainer Christian Streich in den letzten Wochen gelobt haben. „Er ist bescheiden, kompetent, lässt modernen Fußball spielen." Nun ist das eine ziemlich gute Zusammenfassung dessen, was Dauerkarteninhaber in Freiburg denken, seit Streich im Januar zum ersten Mal mit einem Team antrat, das er als abgeschlagener Tabellenletzter übernommen hatte und das danach von Sieg zu Sieg eilte. In der Rückrundentabelle belegte der SC Rang sieben, ins heutige Spiel (Anpfiff 20 Uhr) gegen den FC Bayern geht Freiburg als Sechster.

Kein Wunder, dass Streich am Montag für seine Verhältnisse richtig großmäulig geworden ist. „Es stimmt schon, wir haben die Punkte nicht gestohlen.“ Und, nun ja, natürlich gebe es in seiner Mannschaft ein paar Spieler, die durchaus auf ordentlichem Bundesliganiveau unterwegs seien. Der Freiburger Coach hat dann aber schnell seine eigenen Gedanken unterbrochen. Seine Urangst ist es ja, dass dieser Kader bald auseinanderfallen könnte, weil nun doch schon einige Spieler auf sich aufmerksam gemacht haben. „Ich bin unheimlich froh, dass wir nicht mit dem Rücken zur Wand stehen“, sagt Streich. „Die Lebensqualität ist besser, man schläft ruhiger.“ Gegen die Bayern sei man aber natürlich Außenseiter, „auch wenn wir immer drei Punkte wollen.“

Die Punkte 17,18 und 19 gab es am Sonntag, als selbst der VfB Stuttgart, laut Statistik das Team, das die meisten Kilometer pro Spiel zurücklegt, läuferisch unterlegen war – was allerdings auch daran gelegen hat, dass die Schwaben noch das Match gegen Steaua Bukarest in den Knochen hatten.
Der SC ist allerdings nicht nur laufstark, es lässt den Ball dabei so gut zirkulieren, dass sich mancher Laufweg erübrigt. Dabei gibt es durchaus Defizite in der Team-Statik. Die beiden klassischen Strafraumstürmer im Team, Ivan Santini und Garra Dembélé, kommen so gut wie nie zum Einsatz. Im Winter sollen sie verkauft oder verliehen werden – genau wie Anton Putsila oder Beg Ferati. „Wir haben in den letzten Wochen immer wieder den Torabschluss trainiert, weil der unser großes Manko war“, verriet Jan Rosenthal nach dem Stuttgart-Spiel, er hatte nach dem Hannover-Spiel zum zweiten Mal in Folge getroffen. Vielleicht ist ja dieses Urvertrauen in die fachlichen Fähigkeiten des Streich das eigentliche Geheimnis des Freiburger Höhenflugs. Die Spieler sind jedenfalls davon überzeugt, dass ihm schon das Richtige für jeden Gegner einfällt.

Tatsächlich ragen einige Individualisten aus dieser Mannschaft heraus, die der Öffentlichkeit vor der Saison als fleißiges Kollektiv lauffreudiger junger Männer galt. Zu nennen wären da der 18-jährige Matthias Ginter, der jüngst vom DFB als „Nachwuchsspieler des Jahres“ geehrt wurde. Der Innenverteidiger fällt allerdings noch mindestens bis Januar verletzt aus. Oder Keeper Oliver Baumann (22), der das Pech hat, dass er über ein Jahr älter ist als Gladbachs Marc-André ter Stegen, aber trotzdem einer derjenigen Spieler ist, wegen derer ein gewisser Joachim Löw bei so vielen Heimspiele  auf der Tribüne sitzt. Am wichtigsten ist Streich aber, dass seine Spieler klar im Kopf sind, beziehungsweise „die Schüsseln an der richtigen Stelle“ haben, wie er am nach dem Stuttgart-Spiel sagte. Es gehe natürlich weiter um den Klassenerhalt. Erstmal. „Wir fühlen uns in der Rolle des Kleinen wohl“, schob er am Dienstag nach, „Aber wir wollen nicht immer klein bleiben, sondern auch mal größer werden.“



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