BUNDESLIGA
Nicht erstligatauglich
Im „wichtigsten Spiel des Jahres“ trennen sich Augsburg und Fürth remis und taumeln dem Abstieg entgegen. Von Christoph Ruf, Fürth.
Sein Team braucht eine "überragende Rückrunde": Mike Büskens, Trainer des Aufsteugers Greuther Fürth
Foto Pixathlon
Um 17 Uhr 18, Fürther Ortszeit, bewiesen 16.340 Menschen, dass auch ein gut gefülltes Stadion völlig ruhig sein kann. Gerade eben hatte Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie beim Stande von 1:1 beendet. Und sowohl die Anhänger der Fürther als auch die der Augsburger schienen in diesem Moment zu begreifen, was dieses Ergebnis bedeuten könnte: Dass sowohl der FC Augsburg als auch Greuther Fürth in der kommenden Saison wieder in der Zweiten Liga spielen werden. Im „wichtigsten Spiel der Saison“ (Fürths Edgar Prib) hätten beide Mannschaften dringend einen Sieg gebraucht. So bleiben sie mit lediglich 9 Punkten aus 17 Spielen abgeschlagen am Tabellenende.
Beiden Trainern blieben also nur die handelsüblichen Durchhalteparolen, um für ein wenig Optimismus zu sorgen. Während Augsburgs Markus Weinzierl betonte, er habe in dieser Hinrunde auch „einige gute Halbzeiten gesehen, die Mut machen“, erlaubte sich Fürths Mike Büskens einen Seitensprung ins Pathetische: „Ich habe immer gesagt, dass ich dieses Spiel liebe.“ Diese „Passion“ sorge dafür, dass er die Mannschaft trotz der niederschmetternden Punkteausbeute „in der Rückrunde neu motivieren“ werde. Auf jeden Fall werde man eine „überragende Rückrunde brauchen“. Mit seiner Defensive wird Büskens bis dahin ein paar strenge Worte reden müssen. Mal wieder war das Kleeblatt nach nur zehn Minuten in Rückstand geraten. Sascha Mölders hatte völlig unbedrängt die Augsburger Führung herausgeköpft – weit und breit war kein Gegenspieler zu sehen gewesen. Mölders, der lange verletzt war, erzielte den vierten Treffer im siebten Spiel. In Fürth haben alle Stürmer zusammen in 17 Spielen ein Tor geschossen. In der Rückrunde soll es der Serbe Nikola Djurdjic richten, der in Norwegen derzeit ein Tor nach dem anderen schießt.
Was folgte, war die mit Abstand schlechteste erste Halbzeit der kurzen Fürther Bundesligageschichte. An den 16 Spieltagen zuvor hatten die Grün-Weißen schließlich meist ansehnlichen Fußball gespielt und waren von den gegnerischen Trainern ob ihrer Spielweise oft zurecht gelobt worden. Am Samstag zeigten sich erstmals Auflösungserscheinungen, Fürth spielte eine Halbzeit lang, als habe es bereits den Glauben an bessere Zeiten verloren. „Die Abstände zwischen den Linien waren viel zu groß“, monierte Mittelfeldmann Stefan Fürstner zurecht, „Wir konnten nie Druck machen.“ Doch auch beim FCA, der eine ordentlich erste Hälfte spielte, hat man in dieser Spielzeit noch selten über 90 Minuten eine bundesligataugliche Leistung gesehen.
Auch in Fürth drehte sich das Spiel nach dem Seitenwechsel. Lasse Sobiech (69.) köpfte den Ausgleich, und wer noch nach einem Argument suchte, warum Fürth es am Ende der Saison vielleicht doch noch schaffen könnte, beschwor die 14 Minuten vor und die 21 Minuten nach diesem Tor. Denn den zweiten Durchgang dominierte Fürth klar und zeigte sogar manch nette Kombination. Doch die Art und Weise, wie Ilir Azemi (64.) oder Christopher Nöthe (70.) ihre Chancen vergaben, wirkte jedoch altvertraut. Ob die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang dennoch ein Hoffnungsschimmer sei, wurde Mike Büskens noch gefragt. Oder wenigstens der Punktgewinn? Die Antwort fiel unbestimmt aus: „Wir müssen mit dem Punkt leben. Ob wir damit leben können, wird die Zukunft zeigen.“ Eine Trainerdiskussion gibt es übrigens weder hier noch da. Wer Fürth kenne, wisse, dass sich diese Frage nicht stelle, hatte Präsident Helmut Hack wissen lassen. Und sein Augsburger Pendant Walther Seinsch würde mit Weinzierl gar in die Zweite Liga gehen.

Halbzeiten gesehen, die Mut machen: Markus Weinzierl., Trainer des FC Augsburg Foto Pixathlon