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BUNDESLIGA
Ein echtes Spitzenspiel
Die beiden Trainer-Mannschaften Leverkusen und Freiburg zeigen ein hochklassiges Spiel. Von Christoph Ruf, Freiburg.

 

Stefan KiesslingGras fliegt: Freiburgs Daniel Caligiuri gegen den Leverkusener Stefan Kießling Foto Pixathlon

 

Vielleicht misst man ein Spitzenspiel am besten am Grad der Zuschauerzufriedenheit. Zumindest, wenn das Publikum einen so hohen Sachverstand hat, wie es Freiburgs Trainer Christian Streich dem eigenen („sachkundig“) zuschreibt. Am Samstag Abend dürfte jedenfalls keiner der 22.500 Zuschauer sein Kommen bereut haben. Trotz des unpopulären Endstands von 0:0 waren die 22.000 Freiburger und 500 Leverkusener Sympathisanten vollauf zufrieden. Die einen sahen Chancen von Jan Rosenthal (17.) und Max Kruse (42./52.), die anderen Abschlüsse von Simon Rolfes (18.) und André Schürrle (71./83.).

Gegen schlechte, oder auch nur mittelmäßige Abwehrreihen reicht so eine Abschlussquote mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einigen Toren. Allerdings gehört die einst so anfällige Leverkusener Defensive mittlerweile zu den besten der Liga. Bayer 04 ist mittlerweile eine Trainer-Elf wie der SC Freiburg. Die Übungsleiter genießen hohe Autorität, weil die Spieler merken, dass deren Rezepte Erfolg haben. So ist es wohl zu erklären, dass die Bayer-Innenverteidigung um Philipp Wollscheid (vergangene Saison: Nürnberg) und Ömer Toprak (vergangene Saison: eher mittelmäßig) auch in Freiburg genauso stark agierte wie Daniel Carvajal auf der rechten Außenbahn. Umso mehr fiel deshalb allerdings auf, dass der nachverpflichtete Sebastian Boenisch so seine Schwierigkeiten hat, das Niveau zu halten. Man würde hohe Wetten eingehen, dass das beim SC im Vorfeld erkannt wurde, Jonathan Schmid suchte doch auffällig oft den Zweikampf mit Linksverteidiger Boenisch. 
Dass das Trainergespann Sascha Lewandowski/Sami Hyypiä die Spielweise des Teams nachhaltig modifiziert hat, sah man aber auch im Spiel nach vorne. Bayer Leverkusen störte früh und konsequent, war bissig in den Zweikämpfen und suchte den direkten Weg in die Spitze, wo der enorm fleißige Stefan Kießling immer wieder Lücken für die nachrückenden Kollegen riss. Das alles sah schon sehr gut aus, weshalb Streich im kleinen Kreis auch sehr eindringlich darauf hinwies, dass Bayer „eine r-i-c-h-t-i-g-e Top-Mannschaft“ sei.
Gegen den SC Freiburg ist es derzeit dennoch schwer, Tore zu erzielen. Die Streich-Schüler gehören zwar eindeutig zu den offensivfreudigeren Vertretern der Zunft. Die markanteste Änderung, seit Streich vor gut einem Jahr das Ruder übernahm, ist aber die defensive Organisation. Unter Vorgänger Marcus Sorg fielen gerne einmal drei bis sechs Gegentore, heuer hat der SC hinter den Bayern die zweitwenigsten Gegentreffer (18) kassiert.
Dabei ist es nicht so, dass diese Mannschaft plötzlich alle Schludrigkeiten sein lassen würde. Vor allem Daniel Caligiuri und Jan Rosenthal sind immer für haarsträubende Ballverluste in der Vorwärtsbewegung gut. Doch während so etwas bei jedem Kick mit der Betriebsmannschaft zum Gegentor führt, hat der SC dennoch Überzahl hinter dem Ball. Wenn die Außenverteidiger aufrücken, lässt sich einer der Sechser zurückfallen; die Dreierkette steht.
Kurzum: Mancher Fußballfreund mag es noch befremdlich finden, dass eine Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg mittlerweile zu den Top-Spielen der Liga gehört. Wer am Samstag Augenzeuge war, weiß, dass die Tabelle auch in dieser Frage nicht lügt.



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