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ALLOFS NACHFOLGER
Weißer Rauch aus Salzburg
Werders neuer Sportdirektor: Thomas Eichin war seit 2001 Geschäftsführer bei den Kölner Haien. Nun kehrt er vom Eishockey ins Fußballgeschäft zurück. Von Elmar Neveling.

 

Thomas Eichin Der Nachfolger von Klaus Allofs beim SV Werder: Thomas Eichin. Foto Pixathlon

 


Der überraschende Abschied von Manager Klaus Allofs traf Werder Bremen im November letzten Jahres hart. Nach gut dreizehn Jahren auf der Bremer Kommandobrücke wechselte Allofs mitten in der Saison zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg – auf Funktionärsebene ein Novum im deutschen Profifußball. Werder schüttelte sich kurz und verpflichtete als Nachfolger ein frisches Gesicht, das die sportlich schwächelnden Grün-Weißen in eine erfolgreiche neue Ära führen soll. Doch wer ist der neue Geschäftsführer Sport bei Werder eigentlich?

Thomas Eichin also. Zugegen, die erwartete Lösung war der 46-Jährige nicht. Aber für den einfachen, naheliegenden Weg waren sie an der Weser noch nie bekannt. Namen wie Dietmar Beiersdorfer, Marco Bode, Frank Baumann oder Marc Kosicke (Berater unter anderem von BVB-Trainer Jürgen Klopp) wurden als Kandidaten für die Nachfolge von Klaus Allofs gehandelt – alle mehr oder minder vertraute Gesichter im Profifußball. Einigung erzielt wurde dann mit einem, der seit einigen Jahren abseits des Fußballs tätig ist: Seit 2001 verantwortet Eichin als Geschäftsführer die Geschicke des Eishockeyklubs Kölner Haie und wird diese Position ab dem 15. Februar nun beim SV Werder einnehmen. Ursprünglich sollte er erst nach dem Saisonende der Kölner Kufencracks nach Bremen wechseln, doch da der KEC mit dem Kanadier Lance Nethery inzwischen einen Nachfolger gefunden hat, tritt Eichin seinen Dienst bereits vorzeitig an. Sein Vertrag bei Werder gilt bis 2016.

Auch nach mehr als einem Jahrzehnt im Eishockey: Eichin ist im Fußball längst kein Unbekannter: Zwischen 1985 und 1999 bestritt er als Verteidiger 180 Spiele (kein Tor) für Borussia Mönchengladbach, hinzu kamen zehn Zweitligaeinsätze als Leihspieler für den 1. FC Nürnberg 1995. „Wir wollten nicht die Pfade weitergehen, sondern eine smarte Lösung finden, auf die andere Vereine nicht gekommen wären“, erklärte Werders Aufsichtsratschef Willi Lemke bei der Präsentation Eichins und beschrieb ihn als „sehr seriös und voller Leidenschaft“. So wohl sich Eichin im Eishockey auch fühlt: „Mein großes Ziel war es immer, bei einem großen Fußballverein verantwortlich zu sein. Ich musste nicht lange überlegen, als Werder angefragt hat. Ich habe Werder Bremen aufgrund seiner Philosophie schon immer bewundert“, bekräftigte der gebürtige Freiburger die gegenseitige Sympathie.

Dass die Wahl auf Eichin fiel, dafür war auch die Zustimmung von Werder-Trainer Thomas Schaaf entscheidend, der mit Klaus Allofs über ein Jahrzehnt lang eine kongeniale Zusammenarbeit pflegte. Eichin traf sich in der Winterpause mit Schaaf in dessen Urlaubsort Salzburg, um sich zu beschnuppern und Übereinstimmungen auszuloten. „Es gab weißen Rauch aus Salzburg“, beschrieb Lemke, dass es offenbar menschlich wie fachlich zwischen den beiden passt.

Eichin hat das Geschäft außerhalb des Rasens von Grund auf gelernt: Nach einer zweijährigen Sportmanagement-Ausbildung in Düsseldorf, die er bereits während seiner aktiven Karriere absolvierte, sammelte er als Assistent in der Marketingabteilung von Borussia Mönchengladbach erste Erfahrungen, ehe 1999 das Angebot der Kölner Haie lockte. Dort startete Eichin als Marketingleiter mit Schwerpunkt Sponsorenakquise, ehe er schon zwei Jahre später zum Geschäftsführer ernannt wurde – ein Aufstieg, der in dieser Geschwindigkeit im Fußball kaum möglich gewesen wäre. Der Wechsel zum Eishockey fiel ihm nicht schwer, war er doch schon zu Freiburger Jugendzeiten dem Puck hinterher gejagt.

Als sich mit Gesellschafter Heinz-Hermann Göttsch der Hauptgeldgeber der Haie nach jahrelangem Engagement zurückzog und der Verein in wirtschaftliche Zwänge geriet, gelang es Eichin („Das waren zwei ganz harte Jahre.“), sein Profil zu schärfen. Anstatt kolportierte Angebote aus dem Profifußball anzunehmen, entschied sich Eichin zu bleiben und für das Überleben des Klubs zu kämpfen. Dank akribischer Arbeit wurden neue Geldquellen erschlossen, durch die der KEC sich wirtschaftlich stabilisiert hat und sportlich wieder ein ernsthafter Anwärter auf die Meisterschaft ist.

Auch bei seinem neuen Arbeitgeber steht Eichin vor großen Herausforderungen: In den letzten Jahren hat Werder Bremen seine frühere Position als zweite Kraft hinter Bayern München an andere Klubs abtreten müssen. Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 sind im Eiltempo vorbeigezogen, während Bremen im Mittelfeld der Liga umherdümpelt. Prominente Spieler wie Claudio Pizarro, Marko Marin, Naldo oder Tim Wiese haben Bremen verlassen und somit den Boden bereitet für einen Neuaufbau, nicht nur auf Führungsebene.



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