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SPIELERBERATERIN
Die nächste Saison im Männerland
Sie ist die einzige Spielerberaterin in Deutschland. Samira Samii sagt im Gespräch mit RUND, was sie sich als Frau im Fußball immer noch anhören muss.

 

Samira SamiiDie einzige Spielerberaterin in Deutschland: Samira Samii. Foto privat

 

Das Transferfenster in der Fußball-Bundesliga ist noch bis zum 31. August geöffnet. Es ist Hochsaison für Spielertransfers. Mittlerweile gibt es hunderte Spielerberater in Deutschland, aber nur eine Spielerberaterin: Samira Samii. Die erfolgreiche Deutsch-Perserin spricht mit RUND über ihren Beruf als Sportmanagerin und Spielerberaterin, und wie schwer es für sie immer noch in dieser Männerdomäne ist. „Unser Beruf ist wunderschön und man hat mit tollen Menschen zu tun, jedoch gibt es auch Momente in denen ich der Verzweiflung nahe bin und mich frage warum ich mir das antue. Es ist schwierig, die Vorurteile gegen mich zu ignorieren und weiter zu machen. Ich versuche stark zu sein, und viele Dinge als Kompliment zu nehmen“, so Samii.

Samii weiter: „Selbst im Jahr 2013 gibt es Situationen, in denen ein Sportdirektor zu mir sagt, dass er gerne einen Spieler von mir nehmen möchte – wenn ich es schaffe, einen Ball beim ersten Mal in eine Waschmaschine zu schießen. Ich denke nicht, dass dieser Sportdirektor dasselbe zu einem meiner männlichen Kollegen gesagt hat.“ Derartige Sprüche gebe es viele, angefangen von der Frage nach der Abseitsregel, Fangfragen nach taktischen Konzepten und typischen Macho-Sprüchen. Es sei unglaublich, dass heutzutage überhaupt noch über Quotenfrauen, Frauen in Vorständen oder im Fußball-Business diskutiert werden müsse. Die Zeiten in denen Emanzipation etwas Neues war sind lange vorbei und dennoch gilt das Leistungsprinzip zwischen Frauen und Männer heute noch nicht immer. Umso verwunderlicher ist dieses Thema, wenn gute weibliche Manager oder Berater sogar in einigen arabischen oder lateinamerikanischen Ländern auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen arbeiten und ebenso angesehen sind.

Viele Funktionäre haben Probleme mit einer weiblichen Spielerberaterin und bleiben bei unseren Geschäftsbeziehungen nicht immer sachlich. Einige von ihnen haben sogar Probleme mit ihren Ehefrauen und Lebensgefährtinnen, wenn sie mit Samira Samii in Verhandlungen sind oder Geschäftstermine wahrnehmen. In Ausnahmefällen wird der Geschäftskontakt gänzlich abgebrochen, um den häuslichen Frieden zu wahren. In sehr seltenen Fällen belästigen oder beleidigen die Frauen der Funktionäre Samira Samii sogar. Erst nach Androhung von rechtlichen Schritten kamen entsprechende Entschuldigungen und das Einsehen, dass der Kontakt rein geschäftlicher Natur ist. Diese Störfeuer machen den Job als Spielerberaterin nicht einfacher, sondern stellen eine zusätzliche Hürde dar über die man springen muss, sagt Samira Samii. Im Laufe der Jahre haben sich auf diese Art und Weise viele Geschäftskontakte herauskristallisiert, die wunderbar funktionieren. Aber leider gibt es eben auch einige, die aus sachfremden Gründen wie Eifersucht abgebrochen werden mussten.

Im Allgemeinen sagt man, dass es attraktive Menschen einfacher haben und erfolgreicher sowie zufriedener sind. Aber stimmt das wirklich? Ist es für Samira Samii wirklich einfacher an einem Verhandlungstisch mit männlichen Geschäftspartnern?

Samira Samii möchte trotzdem ungern mit anderen Frauen tauschen. Männer reagierten manchmal ängstlich und hätten in einigen Fällen sogar Minderwertigkeitskomplexe. Ein deutscher Ex-Weltmeister, auf den das nicht zutrifft, brachte es Samira Samii gegenüber einmal auf den Punkt: „Sie haben ein großes Handicap, Sie sehen leider zu gut aus. Wenn Sie nicht ganz so gut aussehen würden, dann hätten Sie vielleicht mehr Chancen und ihre männlichen Verhandlungspartner würden sich mehr auf das Geschäftliche konzentrieren. Es gibt nur wenige Frauen, die das Gesamtpaket so gut abdecken wie Sie!“

Leider habe die Gesellschaft immer wieder Probleme mit der Inszenierung von starker Schönheit – oder starker Weiblichkeit – gepaart mit Intelligenz. Anders, als einige andere Frauen möchte Samira Samii keine Maske tragen oder sich ändern, bloß weil der eine oder andere aus der Fußballwelt damit Probleme hat. Das sei Bestandteil ihre Persönlichkeit und ein wichtiger Aspekt für sie, im Management und auch im Profifußball.

Ein Chefscout eines führenden Bundesligavereins sagte zu ihr, dass es viele hervorragende Spieler gebe, aber auch die Persönlichkeit des Profis wichtig sei, damit er in eine große Mannschaft passe. „Ebenso sollte eine intelligente weibliche Managerin respektiert und akzeptiert werden. Ich möchte mich nicht verstecken und möchte authentisch sein dürfen, so wie ich es auch von anderen erwarte. Deshalb trage ich nach wie vor elegante Kleidung und High-Heels. Selbst wenn mein Schuhwerk nicht optimal auf den Rasen passt, der für viele die Welt bedeutet.“

Zu Beginn jeder Saison hofft Samira Samii, dass Spielerberaterinnen im Profifußball akzeptiert werden. „Vor dem Anpfiff dieser Saison denke ich mir wieder: Die Hoffnung stirbt zuletzt!“  


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