
Es gibt nur wenige Momente, in denen Lionel Messi seine Füße wirklich still halten kann. Auch jetzt nicht, als er in kurzer Sporthose in der Empfangshalle eines Vier-Sterne-Hotels steht und einem argentinischen Radioreporter ein Interview gibt. Während sein Oberkörper fast bewegungslos verharrt und er mit ruhiger Stimme in das Mikrofon spricht, scheint seine untere Hälfte einem anderen Menschen zu gehören. Er schlägt die Beine übereinander. Zunächst das rechte über das linke, dann das linke über das rechte. Und wieder das rechte über das linke. Immer wieder zieht er dabei die Badelatschen an und aus. An und wieder aus. An und wieder aus. So geht es das gesamte Interview. Genauso, als er wenige Minuten später für das Fernsehen noch einmal dieselben Fragen beantwortet. Schnell streicht er noch einmal seine Haare glatt. Die Aufzeichnung beginnt – und damit auch die Zweiteilung des Lionel Messi: Badelatschen an und wieder aus. An und wieder aus. Oben die Gelassenheit eines erfahrenen Profis, unten die nervöse Spielfreude eines Schulkinds.
Längst ist man sich einig, dass Lionel Messi, 1,69 Meter klein, keine 70 Kilo schwer und dennoch kaum vom Ball zu trennen, der Superstar des FC Barcelona ist. „Der kleine Gigant“, wie ihn Spaniens Presse bereits taufte, ist das Erfrischendste, was die Fußballwelt zurzeit zu bieten hat. „Wir haben einen neuen Maradona“, sangen die argentinischen Journalisten ihre Lobeshymnen. „Er fühlt den Ball“, sagt Maradona selbst über Messi, „die beiden besten Spieler der Welt“ Messi und Ronaldinho, ohne Zweifel!“
So ruhen die Hoffnungen des FC Barcelona auch auf den schmächtigen Schultern eines 22-Jährigen. Es sei nicht normal, dass ein Spieler in diesem Alter auf einem derart hohen Niveau bei einem Verein wie dem FC Barcelona spiele, sagte José Nestor Pekerman gegenüber RUND. Niemand auf der Welt zeige eine solche Entwicklung. „Es ist ein Triumph und eine Ehre, ein Privileg und absolut himmlisch, der Trainer zu sein, der Messi unter seinen Fittichen hat“, schwärmt der Ex-Coach der argentinischen Nationalmannschaft.
Seine plötzlichen Richtungswechsel in höchstem Tempo. Seine fast magisch erscheinende enge Ballführung. Sein präzises Passspiel. Sein explosiver Antritt. Bei Lionel Messi geht alles nicht schnell, es geht furchtbar schnell. So schnell, dass für das bloße Auge oft nicht mehr zu erklären ist, was er da mit seinen flinken Beinen und dem Ball anstellt. Bewegungen, die regelmäßig auch seine Gegenspieler überfordern, die ihn meist nur mit Fouls zu bremsen wissen. Ein Messi in Ballbesitz in Strafraumnähe bedeutet oft Torgefahr und nicht selten Strafstoß. Auf diese Weise entschied er das Finale der U20-Weltmeisterschaft in den Niederlanden. Zwei explosive Antritte, zwei Fouls, zwei Elfmeter. Beide Male verwandelte er sicher und schoss Argentinien beim 2:1 gegen Nigeria zum WM-Titel. Zudem wurde er mit sechs Treffern bester Torschütze und zum besten Spieler des Turniers gewählt.
Der FC Barcelona hatte immer gewusst, dass sie einen kommenden Star in ihren Reihen haben. Wie gut Messi wirklich ist, hatte bis zu diesem Zeitpunkt allerdings niemand geahnt. Baráas Präsident Joan Laporta reiste Hals über Kopf nach Holland, um den Vertrag aufzubessern, bevor andere Vereine lukrativere Offerten machen konnten. Nun haben die Katalanen den Argentinier, der seit einigen Monaten auch einen spanischen Pass besitzt, bis 2014 an sich gebunden und die Ablösesumme auf ein ebenso gigantisches und unbezahlbares Maß wie bei Ronaldinho festgeschrieben: 150 Millionen Euro. Das jährliche Salär wurde kurzerhand von 150.000 Euro auf angeblich 4,4 Millionen erhöht.
