VOR DER WM
Verrückt nach Fußball
In einem Land mit mehr als 100 Fußballzeitungen: Samira Samii, die einzige weibliche Spielerberaterin Deutschlands und gebürtigen Perserin, berichtet von ihrer Reise in den Iran, der jetzt schon mitten im WM-Fieber steckt. 


Ali Daei und Samira SamiiTreffen in Teheran: Ali Daei und Samira Samii


Samira Samii ist gerade von einer 48-stündigen Reise nach Teheran zurückgekehrt und berichtet in RUND von der Fußballbegeisterung im Iran, der sich als eines der ersten Teams für die WM in Brasilien qualifiziert hatte.

In meinem Leben bin ich in viele Länder gereist und habe durch meinen Job viel erlebt, aber was zur Zeit in Persien geschieht ist höchstens noch mit der aktuellen Situation in Brasilien vergleichbar. Egal, mit wem man zur Zeit in Teheran spricht und welcher Schicht man angehört, alle sprechen nur noch vom Fußball und der WM-Teilnahme Irans. Alle kennen sich extrem gut mit dem internationalen Fußball aus und verfolgen die bekanntesten Ligen und Nationalmannschaften der Welt. Das Interessante ist, dass die Menschen vor allem über Bayern München sprechen und sie kennen sämtliche Weltmeister von 1990.

Ich habe nicht nur die Fußballlegende Ali Daei getroffen, der in meinen Augen ein absoluter Weltstar ist und ein Idol in sportlicher, charakterlicher und menschlicher Hinsicht, sondern ebenfalls die überaus freundlichen Ex-Fußballer Hamid Estili und Alireza Mansourian. Hamid Estili schoss das sagenumwobene Tor bei der WM 1998 gegen die USA und ist heute einer der Team Manager der Persepolis Academy. Alireza Mansourian ist in Deutschland bekannt durch seine Zeit als Profi beim FC St. Pauli. Er war bis vor kurzem Headcoach der iranischen U23-Nationalmannschaft. Ein weiterer interessanter Gesprächspartner war der Präsident der Iranischen Fußball Föderation Ali Kafashian, der über die iranische Frauen-Nationalmannschaft erzählt hat und von der 4. WM-Teilnahme Irans in Brasilien schwärmt.

Im Iran gibt es über 100 reine Fußballzeitungen, die über sämtliche Ligen weltweit berichten und natürlich über die einheimische Iranian Pro League. Es ist ein tolles Land mit viel Kultur und großem Enthusiamus für ihre Fußballidole, aber ich habe gemerkt, dass ich in punkto Disziplin, Pünktlichkeit und Organisation überaus deutsch bin. Ein weiterer großer Unterschied ist die Berichterstattung in den Sport-Zeitungen, Sport-Zeitschriften und im Internt zwischen dem Iran und Deutschland. Während hierzulande die Eheprobleme der van der Vaarts durch die Regenbogenpresse kursieren, liegt der Focus immer noch auf der sportlichen Seite und es kommt selten zu Entgleisungen. Im Gegensatz hierzu recherchieren die Medien im Iran weniger genau und lassen sich teilweise sogar beeinflussen. Die Schlagzeilen schaukeln sich gegenseitig hoch bis aus anfänglichen Gerüchten handfeste Beleidigungen auf den Titelseiten entstehen. So etwas habe ich noch nie erlebt.  


Hamid Estili, Alireza Mansourian und Samira SamiiWM-Begeisterung im Iran: Hamid Estili, Alireza Mansourian und Samira Samii

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