A N Z E I G E

Zurück  |  

KLOSE-TRANSFER
Es muss schnell gehen

Die rasante Karriere des WM-Torschützenkönigs geht weiter. Miroslav Klose wechselt ab sofort von Werder Bremen zum FC Bayern. RUND hat er erzählt, wie er in den Ferien entspannen kann: Der Neu-Münchner ist fasziniert vom Rallyesport.


Keine Furcht vor den Bayern: Rallyefan Miroslav Klose geht nach München Foto Dirk Messner


Für schnelle Autos hatte ich schon immer eine Schwäche. Gar nicht mal so für die Formel 1, sondern für den Rallyesport. Dieses Sliden und Driften der Autos hat mich stets fasziniert. Wir haben bei uns in der Pfalz, in der Nähe meines Heimatorts, eine Rallyestrecke. Da habe ich mal zugeschaut – von dem Tag an war ich infiziert. Seitdem hatte ich auch den Wunsch, einmal in so einem Auto mitzufahren. Im vergangenen Jahr dann ist über meinen Sponsor Skoda der Kontakt zu Matthias Kahle, einem der besten deutschen Rallyepiloten, zustande gekommen. Mit ihm durfte ich auf dem Lausitzring das erste Mal mitfahren. Das hat einen Riesenspaß gemacht, und es ist wirklich absolut faszinierend, wie diese Sportler ihr Auto beherrschen.

Ich sollte versuchen, so weit es geht, die Funktionen des Copiloten zu übernehmen. Der Beifahrer hat diverse Pedale, mit denen er zum Beispiel die Scheibenwischer betätigen kann. Es hat etwas genieselt beim Start, und als wir gleich nach ein paar Minuten mit dem Auto zwanzig bis dreißig Meter weit geflogen und voll in einer Pfütze gelandet sind, da habe ich echt nicht mehr an den Scheibenwischer gedacht. Bei den Sprüngen siehst du plötzlich nur noch den Himmel. In den Kurven fliegt der Dreck und kleine Steinchen gegen die Windschutzscheibe, der Motor dröhnt. Auf den Geraden kommen die bestimmt auf über 200 Stundenkilometer, auch auf den schmalen Straßen, auf denen die unterwegs sind.

Überhaupt wirst du schon beim Start so dermaßen in den Sitz gedrückt, das ist irre. Die Rallyefahrzeuge sollen ja eine schnellere Beschleunigung haben als die Formel-1-Rennwagen. Die Fahrt war absolut faszinierend. Die Fahrer bremsen keine Zehntelsekunde zu früh oder zu spät, sie fahren wirklich Millimeter an Pfosten oder Mauern vorbei. Und wenn sie zum Beispiel in eine Rechtskurve fahren, dann lenken sie zuerst links ein. Ich habe zuerst gedacht: Hoppla, was macht der denn da.

Angst hatte ich überhaupt keine. Obwohl ich sonst im normalen Leben ein wirklich schlechter Beifahrer bin. Egal bei wem, bei Freunden, bei meiner Frau, ich kann keine Sekunde schlafen als Beifahrer, egal wie müde ich bin. Aber zu Matthias Kahle hatte ich absolutes Vertrauen, obwohl er fast 100 Prozent gefahren ist. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass es ein echtes Risiko ist, dann wäre ich auch nicht eingestiegen.

Man sitzt da übrigens nicht wie in einem normalen Auto drin. Diese Schalensitze sind schon ganz anders konzipiert, dann gibt es die Überrollbügel, so dass selbst im Fall eines Überschlags meistens nichts passiert. Auch die Gurtkonstruktion ist eine andere. Ich glaube, man sitzt fast ein bisschen so wie in einem Kindersitz. Vielleicht fahren meine Zwillinge Luan und Noah deswegen so gerne Auto. Auch der Copilot im Rallyeauto trägt einen feuerfesten Anzug und logischerweise auch diesen Helm mit dem Mikrofon, über das er sich mit dem Fahrer verständigt.

Aber ich frage mich immer noch, wie es der Beifahrer schafft, bei diesem Wahnsinnstempo noch auf die Karte zu schauen und seinem Piloten alle wichtigen Infos zu geben. Ich habe so ein bisschen Einblick bekommen, wie sie kommunizieren. „Fünf links“ bedeutet zum Beispiel: Es kommt eine lang gezogene Linke. „Eins links“ heißt: Es folgt eine scharfe Kurve. Das finde ich auch so gut an diesem Sport, diese absolut perfekte Teamarbeit und das Vertrauensverhältnis zwischen Copilot und Pilot.

Da gibt es dann schon Vergleichsmöglichkeiten zum Fußball. Da funktioniert es ja auch nur dann wirklich gut, wenn du zusammenarbeitest und wenn du dich auf den anderen verlassen kannst. Okay, im Fußball kannst du mal einen Fehler machen, den bügelt ein anderer aus, und man wird nicht sofort bestraft. Das ist in der Rallye schon anders. Deswegen sind die auch so wahnsinnig konzentriert. Diese Anspannung des Piloten spürt man ganz gut. Die bekommen dann so einen Tunnelblick. Diese totale Konzentration, aber auch gleichzeitig diese Ruhe dabei, diese Sicherheit, das imponiert mir. Außerdem sind die Jungs richtig gut trainiert. Gerade die Rücken- und die Nackenmuskulatur, die muss ganz schön was aushalten bei den Stößen, die man abbekommt.

Matthias Kahle ist zum Beispiel eher ein ruhiger Typ. Wenn der privat unterwegs ist, dann fährt er sehr, sehr langsam. Aber das ist auch wichtig, dass man gerade als Rennfahrer Beruf und Privates trennt. Die können ja schließlich nicht durch den normalen Verkehr heizen wie ein Verrückter. Das wäre viel zu gefährlich und unverantwortlich. Außerdem müsste Matthias dann seinen Führerschein abgeben – und dürfte auch nicht mehr Rallye fahren. Die Rallye Paris-Dakar finde ich übrigens nicht so gut. Das ist mir zu grausam – mit den Todesfällen, die es da jedes Jahr gibt.

Wenn ich privat unterwegs bin, fahre ich inzwischen auch nicht mehr so schnell. Ist doch klar, als Familienvater. Es ist auch nicht so, dass ich die letzte Kurve zu Hause in die Einfahrt rallyemäßig nehme. Das würde nicht gut gehen. Früher, als ich noch in Kaiserslautern gespielt habe und es mal knapp war auf dem Weg zum Training, dann musste ich schon mal draufdrücken, schon mal ans Limit gehen. Ich hatte auch einige Freunde, die KFZ-Mechaniker waren. Die wussten schon, wie sie an ihren Autos die eine oder andere PS rausholen können. Klar, die Autos waren tiefer gelegt, ein Sportauspuff musste auch her. Bei mir war das nicht so übertrieben, aber Geräusche hat’s schon gemacht.

Ich muss nicht protzen mit einem dicken Auto. Ob ich aus einem Ferrari oder aus meinem Skoda steige, das ist doch egal. Mir reicht der Wagen, den ich fahre, Hauptsache der Zwillings-Kinderwagen passt rein. Es ist nicht wichtig, was andere über mich denken. Klar, es gibt wirklich schöne Autos. Mein Lieblingsauto ist der Bentley Continental GT. Das ist nicht eins dieser Schiffe, sondern schon ein sehr sportliches Modell (Das Auto hat 560 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h. Kostenpunkt des Basismodells: 159.000 Euro; Anm. d. Red.). Auf Oldtimer oder auch diese Youngtimer steh’ ich auch nicht so. Mit denen musst Du ja immer in die Werkstatt. Und meine Qualitäten als Autoschrauber sind eher bescheiden: Ich kann gerade so einen Reifen wechseln.

Ansonsten bin ich ab und zu auf meinem Quad unterwegs, diesem Motorrad auf vier Rädern. Eine Kawasaki KFX 700 ist das. Am liebsten fahre ich, wenn Schnee liegt. So 130 bis 160 Kilometer kann man damit schon draufkriegen. Aber bei dem Tempo haut’s dir dann schon fast den Kopf weg, du hast ja keine Scheibe. Noch ein Vorteil beim Rallyesport.

Und, wie gesagt, der fasziniert mich absolut. Ich bin noch ein zweites Mal mitgefahren und werde das auch noch öfter machen, wenn es von der Zeit passt. Wenn ich selbst gefahren wäre, würde ich wahrscheinlich nur noch Rallyesport machen und gar nicht mehr Fußball spielen. Nein, natürlich nicht im Ernst. Ich würde nie selbst fahren. Wenn, dann ganz langsam. Aber dann macht es ja keinen Spaß mehr. Ich plane auch keine Rallyefahrerkarriere nach dem Fußball. Das, was die Jungs draufhaben, das werde ich nie erreichen. Wie die in die Kurven gehen – da bin ich 50 bis ich das raus habe.

Aufgezeichnet von Sven Bremer



Zurück  |