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BUNDESLIGA IM TV
Doktor Kofler regiert wieder

Der Bezahlsender Premiere hat den Konkurrenten Arena quasi übernommen. Premiere-Chef Kofler plant nun den Angriff auf die Sportschau. Den Fans stehen höhere Preise für Fußball im Pay-TV ins Haus, die Liga fürchtet sinkende Fernsehgelder. Von Steffen Dobbert.


Wieder auf Sendung: Premiere hat das Monopol auf Ligafußball im Pay-TV zurückerobert Foto Elias Hassos


Mit dem Hubschrauber nach Mecklenburg düsen, rein ins Partyzelt und rauf auf die Bühne: It's Dr.-Kofler-Time. Hunderte Mitarbeiter des Premiere-Service-Centers Schwerin bewundern ihren Chef im Anzug. Er lächelt weltmännisch, schmunzelt bescheiden und grinst, wann immer er seine Rede mit einem Witz verziert.

Die Auftritte bei den Weihnachtsfeiern seiner Angestellten genoss Georg Kofler schon immer. Seit fünf Jahren ist der Südtiroler Vorstandsvorsitzender des Pay-TV-Senders Premiere. Als er anfing, steckte das zuvor zur Kirch-Gruppe zählende Unternehmen tief in den roten Zahlen. Nach zwei Jahren erwirtschaftete es einen Gewinn von 15 Millionen Euro. Anfang 2005 brachte Kofler Premiere erfolgreich an die Börse. Doch dann, Ende 2005 verlor er überraschend die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga – dem begehrtesten Produkt des Senders. Die Premiere-Aktie verlor bis zu 40 Prozent. Es war der härteste Schlag, den Kofler bei Premiere einstecken musste.

Arena, eine vollständige Tochtergesellschaft des zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreibers Unity Media, hatte Koflers Premiere die Live-Rechte für die kommenden drei Spielzeiten abgejagt. Etwa 250 Millionen Euro bezahlte Arena an die Deutsche Fußball Liga (DFL) pro Saison. Doch statt der angepeilten sechs bis zehn Millionen Zuschauer gewannen die Kölner nur rund eine Million zahlende Kunden für ihr Bundesliga-Angebot.

Auch das Programm von Arena konnte Fußballfans nicht begeistern: „Banalste Sachverhalte werden dramatisiert, eventisiert, personalisiert und vor allem emotionalisiert", schrieb Ricky Wichum im RUND-Blog über die Berichterstattung von Arena. „Den Kommentatoren geht es weniger um das Spiel auf dem Rasen als vielmehr um das Überschlagen ihrer Stimme beim Torschrei. Von der Methapherisierung der Berichterstattung soll erst gar keine Rede sein."

Weil die einen (Arena) nicht so konnten, wie sie und die Fans es wollten, und weil die anderen (Premiere) immer noch wollten, gelang es Kofler bereits im Februar, eine umfangreiche Kooperation mit Arena zu schließen. Arena gestattete, dass Konkurrent Premiere seinen Kunden die Bundesliga flächendeckend per Satellit und Kabel anbietet. Im Gegenzug bezahlte Premiere mit einem Aktienpaket im Wert von 16 Millionen Euro. Doch nur drei Monate später musste der Deal auf Druck des Kartellamtes wieder rückgängig gemacht werden.


Ballack am Mikro: Der Bezahlsender Premiere interviewt den Star von Chelsea auch in der Champions League Foto Elias Hassos


Jetzt, wenige Wochen vor dem Start der neuen Bundesligasaison, haben sie sich wieder geeinigt, und diesmal verdarb ihnen das Kartellamt nicht das Spiel: Arena gibt unter anderem die Rechte für die Bundesliga an Premiere weiter und stellt selbst den Betrieb weitgehend ein. Mit anderen Worten: Georg Kofler ist in Deutschland wieder der einzige Anbieter von Fußball im Pay-TV.

Doch die Monopolstellung hat ihren Preis: Um die 220 Millionen pro Saison für Premiere – so viel hat Kofler an Arena für die Sublizenz bezahlt. Und wohl mindestens fünf Euro pro Monat mehr für die Fußballfans am Fernseher. Auch sie werden zur Kasse gebeten: Bereits mit Beginn der neuen Saison plant Kofler den Arena-Preis (14,90 Euro monatlich für Kabelkunden) auf künftig 19,90 Euro im Monat zu erhöhen. Schließlich kostete in der Zeit vor Arena ein Bundesliga-Paket bei Premiere knapp 35 Euro im Monat.

Kofler, der mit der 9live-Gründerin Christiane zu Salm verheiratet ist, will zukünftig auch eine alte Idee umsetzen. Bereits im Herbst schreibt die DFL die Bundesliga-Übertragungsrechte für die Spielzeiten ab 2009 aus. Kofler wird ein ähnliches Angebot machen wie 2005: Viel Geld gibt’s von Premiere nur gegen mehr Exklusivität. Das hieße etwa, dass Premiere die Samstagsspiele der Bundesliga live zeigt, im Free-TV aber erst ab 22 Uhr erste Bilder zu sehen sind. Nach Arena hätte Kofler in so einem Fall auch die ARD Sportschau besiegt.

„Ich kann uns allen nur wünschen, dass es auch weiterhin Konkurrenz geben wird“, sagte Uli Hoeneß zum neuen Siegeszug von Premiere. Während die Fans um die Sportschau bangen, fürchten der Bayern-Manager und die Bundesligavereine um weniger Einnahmen. Wenn es kein zweites Arena geben werde, so Hoeneß, dann, „Gnade der Bundesliga, dann wird es wenig Geld geben“.

Georg Kofler gab bis zur Kooperations-Bestätigung des Kartellamts kein Interview zum neuen Deal mit Arena. Aber wenn er in diesem Jahr wieder mit einem Hubschrauber zur Weihnachtsfeier nach Mecklenburg düst, dürfen sich die Mitarbeiter freuen: Dr. Kofler müsste wortgewandter, fröhlicher und lustiger sein denn je.

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