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INTERVIEW
„Jeder zweite Fußballer trägt die falschen Schuhe"
Adi Raible fertigt orthopädische Einlagen für Fußballprofis. Der Schuhtechniker weiß, wie wichtig gutes Schuhwerk für Leistungssportler ist: Als Leichtathlet holte er mit der TV Wattenscheid zweimal den Europacup in den Ruhrpott. Ein RUND-Interview von Tibor Meingast.




Einlage und Vorlage: Schuhprofi Adi Raible Foto Jens Sundheim


RUND: Herr Raible, zu wie vielen Bundesligatoren in der vergangenen Saison haben sie die Einlage gegeben?
Adi Raible: Oh, das weiß ich gar nicht. Wie viele hat der Frei gemacht?

RUND: 16.
Adi Raible: Metzelder aber hat keines, oder?

RUND: Dafür Wörns, Bajramovic und Amedick je zwei?
Adi Raible: Das ist doch schon was. Von der Seite habe ich das noch nie betrachtet.

RUND: Was ist denn wichtiger: die Einlagen oder die Vorlagen?
Adi Raible: Die Vorlagen natürlich. Aber der Fuß verändert sich während eines Spiels. Und wenn der Schuh drückt und das Wohlgefühl weg ist, werden die Fußballer unkonzentriert.

RUND: Und da helfen Ihre Einlagen?
Adi Raible: Der Fuß besteht aus 27 Muskeln. Mit der richtigen Einlage können sie ihre Fußkraft besser ausnutzen, das Verletzungsrisiko senken und Schnelligkeit sowie Sprungkraft steigern. Ich mache Abdrücke von den Füßen und prüfe dann punktuell in einer Laufanalyse, welchen Muskel ich genau unterstützen muss. Jede Einlage ist ein Unikat aus sechs Einzelteilen. Meist braucht der Sportler am linken Fuß eine andere als am rechten.

RUND: Markus Braun, der Mannschaftsarzt von Borussia Dortmund sagt, Sie seien sehr wichtig für den BVB. Was können Sie, was Ärzte oder Physiotherapeuten nicht können?
Adi Raible: Ein Physiotherapeut kann eine Verspannung im Körper lösen, doch nach ein wenig Training ist sie wieder da. Eine Einlage führt häufig dauerhaft zur muskulären Entlastung.

RUND: Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Fußballmannschaften?
Adi Raible: Armin Langhorst, der frühere Schalker Mannschaftsarzt, ist vor fast 15 Jahren zu mir gekommen, weil Stefan Kohn ein Problem mit den Fußballschuhen hatte. Mit dem Vereinswechsel aus Köln musste Kohn auch die Schuhmarke wechseln. Damit kam er gar nicht klar. Wir haben eine Stütze eingebaut und schon am nächsten Wochenende hat er wieder ein Tor geschossen. Als Konsequenz bat mich Dr. Langhorst, alle Spieler zu untersuchen.

RUND: Wie viele haben denn Einlagen gebraucht?
Adi Raible: Etwa zwei Drittel.

RUND: Wie reagieren die Spieler?
Adi Raible: Wenn der Leidensdruck groß genug ist, stehen sie der Sache sehr aufgeschlossen gegenüber. Nur JirÔøΩ Nemec von Schalke hat gesagt: „Komm Adi, schau dir diese Füße an. Die sind viel zu alt für Einlagen.“ Er hat nie eine genommen und dann noch viele Jahre gespielt. Ein Wunder.

RUND: Viele Fußballer klagen über Schwierigkeiten mit den Schuhen.
Adi Raible: Die neuen Fußballschuhe aus dünnem Kunststoff sind zwar leicht, lassen dem Fuß aber keinen Spielraum mehr. Viele überraschende Zerrungen in den letzten Minuten führe ich auf die Schuhe zurück. Vor vielen Jahren wurde Steffi Graf zu mir geschickt. Es ging darum, eine Einheit herzustellen zwischen ihren Schuhen und ihren Füßen. Im knallharten Profigeschäft sind Sportler vertraglich verpflichtet, die neuesten Modelle zu tragen, aber sie passen oft gar nicht zum Fuß.

RUND: Wie viele Fußballer spielen in falschen Schuhen?
Adi Raible: Sicherlich 50 Prozent. Ich bin überzeugt, wenn Fußballspieler ihre Schuhe frei wählen dürften, wären die Leistungen besser und die Verletzungen weniger.



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