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Sand im Getriebe
Borussia Dortmund siegt beim FC Bayern. Und das vor den wichtigen Wochen für die Münchner in der Champions League. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

Tor für Dortmund in München
Tor für den BVB: Henrikh Mkhitaryan dreht jubelnd ab, Philipp Lahm, Rafinha und Manuel Neuer sind ausgespielt. Foto: Pixathlon

 

Gegen Dortmund fangen sich die Bayern die zweite Liga-Niederlage in Serie ein. Sebastian Winter (Spiegel Online) steht vor einer ratlosen Bayern-Trainerbank: „Die Bayern betonen seit Wochen, dass die Bundesliga jetzt zweitrangig sei. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist Guardiolas Angst davor, dass tatsächlich der Faden verlorengegangen ist. Dass ihn die Mannschaft nach eineinhalb Jahren voller Erfolge nun nicht mehr findet. Vergangene Saison hatte sie im Frühjahr einfach weitergewonnen nach der Meisterschaft, eine Negativserie wie jetzt gab es nicht. Und auch nicht eine solch bedrückte Stimmung wie nach dem Dortmund-Spiel. Man könnte sagen, dass Guardiolas Reifeprüfung im ersten Jahr genau jetzt beginnt. Er muss nun den Krisenmanager geben, in einer Zeit, in der er keine Krise gebrauchen kann. Eine solche Situation hatte er in München noch nicht zu meistern.“

Auch Claudio Catuogno (SZ) zieht sorgenvoll die Augenbrauen zusammen: „Die Frage ist, ob es wirklich geboten war, den halbbewussten Drang der Spieler, ihre Körper zu schonen, noch so zu verstärken, wie Pep Guardiola das getan hat mit seinen täglichen Die-Liga-ist-vorbei-Ansprachen. Ein schmaler Grat ist es in jedem Fall. Uli Hoeneß hat das Problem, dass man den Schalter nicht beliebig aus und ein schalten kann, mal so formuliert: „Der Trend is your friend.“ Was den Trend betrifft: Der hat sich beim FC Bayern gerade ernsthaft verletzt.“

Christian Eichler (FAZ) applaudiert in Richtung Westen: „Jürgen Klopp hat mit seinem Fußball, mutiger Vorwärtsverteidigung und Tempo-Attacken, immer noch ein Gegengift gegen das Bayern-Spiel, egal ob sein Gegenüber nun van Gaal, Heynckes oder Guardiola heißt. In München hinterließen die Klopp-Kicker eine nicht ausgesprochene, nur vorgeführte Botschaft: In einer Saison ohne die Verletzungsmisere der aktuellen Spielzeit hätten sie wieder das Zeug zum „Bayernjäger“, wie sie das in ihrer ersten Meistersaison nannten.“

Thomas Hummel (SZ) stimmt mit ein: „Vor allem die Offensiven und die Mittelfeldspieler bedrängten die Gegenspieler fast wie in alten Zeiten, als der BVB noch Titel gewann, und nervten die Wir-sind-ja-schon-Meister-Bayern erheblich. Die Münchner verloren zusehends die Lust gegen diesen nervtötenden Gegner. So folgten seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehene Unpässlichkeiten. Die Defensivtaktik plus Überfallangriff nach Ballgewinn war in München ähnlich perfekt umgesetzt wie am Dienstag gegen Madrid. Und dass über weite Strecken ohne den geschonten Robert Lewandowski und mit einigen Wechseln in der Anfangself.“
        
Bastian Angenendt (derwesten.de) verneigt sich vor dem BVB-Coach: „Den Löwenanteil am Dortmunder Erfolg hatte wohl der Mann, der sich nach Abpfiff so Gentlemen-like in Understatement übte: Nach der geglückten Rochade zum 4-1-4-1 gegen Madrid offenbar in Experimentierlaune, bot Jürgen Klopp auf dem Papier zwar das gewohnte 4-2-3-1 auf, gönnte Bayern das Gros des Ballbesitzes, ließ Reus und Aubameyang aber über beinahe 70 Minuten so weit vorne pressen und Ballgewinne erzwingen, dass sich Martinez sich schon nach elf Minuten Gelb abholen musste und auf Münchner Seite generell kaum ein Aufbauspiel möglich war.“
Rumpelkick der übleren Sorte

Florian Kinast (Welt Online) hat gute Nachrichten für die Konkurrenz: „Es war ein Rumpelkick der übleren Sorte. Hätte ein Berichterstatter Franz Beckenbauer im Stadion getroffen, gut möglich, dass er gesagt hätte, die Bayern hätten wie eine Schülermannschaft gespielt. Den Spruch mit der Schülermannschaft hat Beckenbauer früher gern gebracht. Er war lange nicht mehr zu hören, sehr lange nicht. Schmerzhaft ist vor allem die Erkenntnis, dass die Gegnerschaft nicht mehr in Angst, Schrecken und Ehrfurcht vor dem scheinbar übermächtigen FC Bayern erstarren muss. In Madrid werden sie das mit Aufmerksamkeit registriert haben. In Kaiserslautern sicher auch.“

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