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Angebot und Nachfrage 
Bevor am heutigen Montag das Transferfenster schließt, muss das Geld, das im Markt ist, verteilt werden. Allein der VFL Wolfsburg könnte 75 Millionen aus dem Transfererlös für Kevin de Bruyne investieren. Dem Vernehmen nach kommt nun Schalkes Julian Draxler nach Niedersachsen. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

Kevin de BruyneManchester City statt VfL Wolfsburg: Kevin de Bruyne zeigt im Pokalfinale im Mai auf die Rückennumer seines verstorbenen Freundes und Mitspieler Junior Malanda.
Foto Pixathlon

 
 
Kevin De Bruyne wechselt für rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Victor Fritzen (Handelsblatt) beglückwünscht alle Beteiligten: „In England soll der 24-Jährige jährlich bis zu 20 Millionen Euro verdienen, dreimal mehr als derzeit in Niedersachsen. Exklusive Prämien. Da lacht der Belgier – und dessen Bankkonto. De Bruyne hat ausgesorgt. Zu gratulieren ist zum anderen dem VfL und dessen genial verhandelndem Manager Klaus Allofs zu einem Erlös, auf den er gleichwohl nur bedingt angewiesen ist. 22 Millionen hatten die Niedersachsen im Januar 2014 für De Bruyne an den FC Chelsea überwiesen. Mehr als 50 Millionen Euro Transfergewinn sind in der Bundesliga ein Novum. Chapeau, Klaus Allofs!“
 

Hendrik Buchheister (Spiegel Online) weiß es besser: „De Bruynes Transfer zeigt wieder einmal, wie im Fußball gepokert und gefeilscht wird. Wie Details an die Öffentlichkeit gelangen oder starke Aussagen getätigt werden, um einen Transfer voran- oder den Preis hochzutreiben. Er zeigt, wie schnell aus keiner Einigung doch eine Einigung werden kann und dass die Worte von Verantwortlichen in den wilden Tagen vor Ende der Transferfrist schneller dahinschmelzen können als Eiswürfel in der prallen Sonne. Befremdlich vielleicht, aber kein Skandal. Das alles gehört zum Profifußball.“

Kaufen die Engländer die Bundesliga leer? Oliver Fritsch (Zeit Online) findet beruhigende Worte: „Es gibt keinen Grund zur Panik. An die ganz Großen, etwa Thomas Müller, Marco Reus oder Manuel Neuer, kommen die Engländer nicht ran. Zwar muss der VfL Wolfsburg seinen belgischen Star de Bruyne ziehen lassen. Auch Bayer Leverkusen hätte Heung-min Son gerne gehalten, der wohl nach Tottenham geht. Doch der Ausverkauf bleibt aus. Und manch deutscher Verein profitiert sogar von der englischen Shoppingtour. Denn sie werden mit einem Haufen Kohle entschädigt.“

Auch Ulrich Becker (swp.de) macht sich keine Sorgen: „Nun jammert die halbe Liga über diese Entwicklung und sieht bereits den Untergang des deutschen Fußballs voraus. Was für ein Unsinn! Zurecht kritisierte der Sportvorstand des FC Bayern, Matthias Sammer, diese Haltung – denn in der Kaufwut der Premier League liegen große Chancen. Zum einen wird der englische Fußballnachwuchs noch schlechter, als er jetzt schon ist. Die Vereine kaufen Fremdkompetenz, die eigenen Kräfte werden nicht mehr gefördert. Zum anderen finanziert die Geldflut unsere Nachwuchsarbeit. Auch kleinere Vereine, die junge Spieler entwickeln, können mit bisher für nicht möglich gehaltenen Transfersummen rechnen. Und am Ende verliert England wieder im Elfmeterschießen!“

Klaus Hoeltzenbein (SZ) zeigt Verständnis: „Jenseits der ethischen Frage aber, was die Dienstleistung eines Fußballers wert sein sollte, bleibt den Managern keine andere Wahl: Sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Grob fahrlässig wäre es, würde der FC Augsburg nicht mit der Baba-Unterschrift auf einen Schlag seinen Jahresetat ausgleichen.“

Er tut alles dafür, sein Tafelsilber meistbietend zu verscherbeln

Neben dem Wechsel von Kevin De Bruyne schlägt auch der bevorstehende Abgang von Schalkes Weltmeister Julian Draxler hohe Wellen. Stefan Bunse (reviersport.de) reicht dem Schalke-Manager die Hand: „Horst Heldt hat im Sinne des immer noch verschuldeten Vereins eigentlich gar keine andere Möglichkeit, als die Offerte der hungrigen „Wölfe“ anzunehmen. Er tut alles dafür, sein Tafelsilber meistbietend zu verscherbeln. Und seien wir nochmal ehrlich: Hätte Jogi Löw Draxler vor einem Jahr nicht als Touristen mit nach Brasilien genommen, wären 36 Millionen Euro plus X undenkbar.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) schüttelt fassungslos den Kopf: „In Schalke hat Julian Draxler einen Vertrag bis zum Jahr 2018, der ihm viel Geld garantiert. In Wolfsburg gibt es sicherlich noch mehr Geld zu verdienen, das Herz des Fußballs schlägt dort allerdings nicht. Würde Draxler bei Real Madrid, beim FC Barcelona oder bei Arsenal unterschreiben, man könnte ihn verstehen. Es sind die Klubs, von denen jeder Fußballer träumt. Ein Wechsel nach Wolfsburg ist dagegen schwer nachzuvollziehen. Reden möchte Draxler darüber im Moment nicht. Vielleicht wird man den Wechsel verstehen, wenn er ihn irgendwann erklären wird. Sicher ist das aber nicht.“

Das ist wirklich wie beim Monopoly-Spiel

Derweil nimmt der Kollege Manfred Hendriock (derwesten.de) mit einem Schmunzeln im Gesicht am imaginären Spieltisch Platz: „Der Irrsinn auf dem diesjährigen Transfermarkt hat jetzt auch Schalke erfasst. Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, wird der VfL Wolfsburg heute die Verpflichtung von Julian Draxler bekanntgeben. Schalke kann sich trösten mit einer riesigen Ablösesumme – und wird vermutlich fast die Hälfte davon gleich wieder für einen Nachfolger ausgeben müssen. Das ist wirklich wie beim Monopoly-Spiel: Das Geld hat seinen Wert verloren.“

 


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