A N Z E I G E

Zurück  |  

presseschau
Fragen nach dem Nullfünf 
Im EM-Halbfinale gegen Portugal ist die U21 des DFB chancenlos. Wenig überraschend fällt das Medienecho aus: Dem zuvor als Ersatzvater der Spieler gelobten Trainer Horst Hrubesch wird nun mangelnde Strenge vorgeworfen. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

Horst HrubeschOlympia-Qualikation erreicht, Finale der Europameisterschaft verpasst: Horst Hrubesch, Trainer der U21 des DFB. Foto Pixathlon

 
Das blamable Halbfinal-Aus der deutschen U21-Nationalmannschaft wirft viele Fragen auf. Wen trifft die Hauptschuld? Lutz Wöckener (Welt) zeigt mit dem Finger in Richtung Trainerbank: „Bislang galten Großzügigkeit und Eigenverantwortung, die der sympathische Hrubesch seinen Spielern zugesteht, als dessen große Verdienste. U21-Spieler vorangegangener Jahrgänge loben stets den Umgang und das angenehme Klima auf den Länderspielreisen mit „Papa Horst“. Vertrauen, das sich bei dem aktuellen leistungsstarken Kader nicht auszahlte. Schlimmer noch: Es verkehrte sich als Führungsschwäche ins Gegenteil.“
 

Matthias Schmid (SZ) sieht das ähnlich: „Horst Hrubesch macht häufig den Eindruck, dass er jeden seiner Spieler gerne am Weihnachtstisch zu Hause begrüßen würde. So warmherzig, fast großväterlich, spricht er über jeden einzelnen, er vertraut ihnen hundertprozentig. Die Zuneigung geht ja so weit, dass er die Spieler besucht, wenn sie in ihren Vereinen Probleme haben und nicht spielen dürfen. Er sorgt sich rührend um sie, er gibt den Kümmerer auch bei privaten Schwierigkeiten, meist über das normale Trainer-Spieler-Verhältnis hinaus. Aber vielleicht passt die gutmütige Art nicht zu jeder Spielergeneration. Womöglich missbrauchen sie seine Nähe, weil sie aus den Klubs einen autoritäreren Führungsstil gewohnt sind und mit Laissez-faire nichts anfangen können. Hrubesch bestreitet das.

Daniel Berg (derwesten.de) nimmt sich das „Umfeld“ der Mannschaft zur Brust: „Gerade in jungen Jahren, wenn es den Spielern an Reife und Erfahrung fehlt, sollten sie Menschen um sich haben, die scheinbare Höhenflüge einschätzen können, die sie erden und ihnen das erzählen, was die Wahrheit ist, und nicht das, was sie hören wollen. Die deutsche U21-Mannschaft ist eine Ansammlung von herausragenden Fußballern, den meisten von ihnen steht eine beachtliche Zukunft bevor. Allerdings nur, wenn sie sich von Leuten trennen, die ihnen sagen, dass sie jetzt schon die Größten sind.“

 

Daniel Reimann (Spox) vermisst Spieler mit Leader-Qualitäten: „Beim Titelgewinn 2014 erzielte zwar Mario Götze das entscheidende Tor. Doch es war Bastian Schweinsteiger, der in diesem Spiel über sich hinauswuchs. Schweinsteiger, der noch vor der Revolution im Nachwuchsfußball Profi wurde. Er riss das Team mit, ging voran und lieferte damit letztlich sein Meisterstück ab. Schweinsteiger wurde an jenem Tag im Maracana zum Mentalitätsmonster. In der U21 hingegen war davon nichts zu sehen. Schon im Spiel gegen Tschechien, als man längst deutlicher hätte führen müssen, war dem deutschen Team nach dem 1:1-Ausgleich die Angst vor dem Ausscheiden anzumerken. Ein menschliches Phänomen, das zu Teilen auch dem Alter geschuldet sein dürfte. Aber in Kombination mit dem kollektiven Ausfall gegen Portugal ist es zugleich eine Warnung, dass es an Gewinnertypen mangelt.“

Stefan Osterhaus (taz) beruhigt die Gemüter: „Die Nachwuchsarbeit rundheraus in Frage zu stellen wäre etwas zu weit gegriffen: Kürzlich erreichte die U17 das EM-Finale, bei der U20-WM war das deutsche Team im Viertelfinale, das Turnier in Tschechien sicherte immerhin die Olympia-Qualifikation, und im letzten Jahr wurde die U19 Europameister. Nicht jede Generation bei der U21 kann das Potenzial für ein zukünftiges WM-Team haben. Es kann schon mal dauern. Nicht nur Jahre, sondern manchmal auch Jahrzehnte.“

Sara Peschke (Spiegel Online) nimmt die Spieler in Schutz: „Die jungen Fußballer sind bestenfalls gerade aus dem Teenie-Alter raus, vielleicht können sie schon Auto fahren und sich selbst um ihre dreckige Wäsche kümmern. Aber ein Mensch braucht Zeit und Erfahrung, um einschätzen zu können, wer er wirklich ist und was er wirklich kann – auch wenn er im Fußballgeschäft sozialisiert wurde. Can ist noch nicht mal ein Jahr in Liverpool und wird schon mit Steven Gerrard verglichen, der englischen Fußballlegende, die gerade 35 Jahre alt geworden ist, 504 Spiele für den FC Liverpool und 114 für die englische Nationalmannschaft machte. Ja, vielleicht wird Can mal ein zweiter Gerrard. Aber er ist es noch nicht.“


www.indirekter-freistoss.de

 
 


Zurück  |