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Planungsweltmeister
Nach dem WM-Titel für den DFB analysieren die Reporter, wie der Erfolg der deutschen Elf einzuordnen ist. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

Deutschland mit WeltpokalDa ist das Ding: Deutschland wird am 13. Juli 2014 zum vierten Mal Weltmeister
Foto: Pixathlon

 


In historischen Dimensionen denkt Christian Eichler (FAZ): „Wie in Bern war der große Triumph auch jetzt nicht eine Demonstration der Macht, sondern des Mitgefühls. Laut DFB-Präsident Wolfgang Niersbach brachte es der Elf große Sympathie der Brasilianer ein, wie sie nach dem 7:1-Sieg auf die Unterlegenen zuging. Nicht nur im Erfolg, auch im Stil, im Schauwert und in der Haltung bei Sieg und Niederlage ist unser Fußball der von aller Welt bewunderte Maßstab geworden.“

Ulf Poschardt (Die Welt) pflichtet bei: „Diese Mannschaft ist weniger eine Bestätigung deutscher Politik oder gar ihr charmantes Double wie mancherorts beschworen, als vielmehr ein aufregenden Kontrapunkt. Löws Elf war eine ideale Mischung aus Teamgeist und Individualität. Es siegte das Kollektiv in voller Ausschöpfung der Freiheitsmöglichkeiten jedes einzelnen Spielers.“

Claudio Catuogno (SZ) vergibt noch einen weiteren Titel: „Die Deutschen sind nicht nur Fußball-, sie sind auch Planungsweltmeister. Im Kleinen wie im Großen. Auch, dass es diese Generation herausragender Fußballer überhaupt gibt, ist ja das Ergebnis strategischer Planung.“


Selbst Denis Yücel (taz) versöhnt sich mit einer Mannschaft, die „Merkel-Deutschland“ repräsentiert: „Der jetzige Titel ist der Triumph eines Fußballs, der auf der Höhe der Zeit ist, ausgewogen und flexibel in der Taktik, höflich und sachlich im Auftreten. Erfolgsorientiert, aber nicht besessen. Selbst Manuel Neuer, in der Rolle des Siegfrieds, ist nur auf dem Platz von furchteinflößender Gestalt, ansonsten aber von geradezu verstörender Nüchternheit.“

Klaus Raab (Zeit Online) kritisiert hingegen die Überidentifikation vieler Journalisten mit ihrem Thema: „Wenn man aber schon über die WM-Berichterstattung spricht, muss man auch auf die Einbettung des WM-Journalismus in die PR des Deutschen Fußball-Bunds eingehen. Anfangs fiel die große Nähe zum DFB nur bei den Öffentlich-Rechtlichen auf, die derart viel Geld für Übertragungsrechte der WM-Spiele ausgeben, dass sie gar nicht anders können, als die WM an sich spitze zu finden. Man stelle sich vor, ARD und ZDF zahlten viel Gebührengeld für die Fernsehrechte, um dann herauszufinden, dass diese WM völlig überschätzt sei – geht natürlich nicht.“
 
Vor Überidentifikation warnt auch Peter B. Birrer (NZZ): „Der Absturz der Brasilianer ist für die Einheimischen fast so unerträglich wie am anderen Ende der Skala der Gedanke einiger Gäste, wie alles herausgekommen und emotional hochgekocht worden wäre, hätte Brasilien und nicht Deutschland den Titel geholt. Wie die Südamerikaner die WM zelebrierten, wie sie sie mit Farben, Stimmungen und Schwingungen prägten, wie sie ihre Helden James Rodriguez, Neymar, Lionel Messi wie Götter überhöhen, gehört zum Eindrücklichen des Turniers, auch wenn die Masslosigkeit, die Staatstrauer zur Folge haben kann, zu hinterfragen ist. Man nimmt zuweilen viel in Kauf.“
 
Was wird Brasilien von der WM bleiben, fragt Peter Ahrens (Spiegel Online): „Die Stadien. Kathedralen des Fußballs, aber auch Monumente für die Verschwendung, mit der der Weltfußballverband Fifa und die Regierung diese WM zum bisher teuersten Turnier der Geschichte gemacht haben. Den offiziellen Etat beziffert die Regierung auf 8,75 Milliarden Euro, Schätzungen zufolge sind es eher mehr als zehn Milliarden Euro.“

 
 
 


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