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Eine Krise, die keiner erklären kann 
Die Heimniederlage gegen harmlose Hannoveraner vergrößert den Abstand von Borussia Dortmund zu den Champions-League-Rängen. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

Jürgen Klopp winkt abHeimniederlage gegen Hannover 96: Jürgen Klopp winkt ab. Foto: Pixathlon

 


Vierte Niederlage in Folge, Rang 15: In Dortmund herrscht Krisenstimmung. Doch woran liegt’s? Freddie Röckenhaus (SZ) vermisst offensive Ausrufezeichen: „Dortmund tut sich gegen tief gestaffelte Gegner schwer. Fast alle Bundesliga-Gegner, abgesehen von den vier, fünf Spitzenklubs, verrammeln sich gegen Dortmund, genau wie sie das gegen den FC Bayern tun. Gegen Hannover aber gab es dennoch genügend Chancen, um in Führung zu gehen. In besseren Zeiten, nicht nur in der Champions League, hätte Dortmunds Mentalität so ausgesehen: Wenn der Gegner ein Tor macht, dann machen wir eben eines mehr. Aber diese selbstverständliche Nonchalance ist Klopps Truppe auf merkwürdige Weise abhanden gekommen.“
        

Oliver Müller (Welt) ist ratlos: „Klopp wird tatsächlich nicht infrage gestellt, selbst hinter vorgehaltener Hand nicht. Die Frage ist nur, welchen Preis sie in Dortmund bezahlen müssen, wenn die Niederlagenserie auch bei Bayern München am kommenden Samstag und gegen die starken Mönchengladbacher am übernächsten Wochenende anhalten sollte.“
 
Armin Lehmann (Tagesspiegel) erkennt das Glück im Unglück: „Die sportliche Krise von Borussia Dortmund ist die größte Karrierechance für Trainer Jürgen Klopp. Und so komisch es klingen mag, er hat bereits begonnen, sie zu ergreifen. Er ist leiser geworden, man hört und sieht es, auch wenn noch immer aus vielen seiner Worte Besserwisserei mitklingt. Ja, er denkt wirklich, dass er sehr viel mehr von Fußball versteht als viele andere. Und so ist es vermutlich auch. Aber nun wird ihn diese ernsthafte Situation für den Klub dazu zwingen, ein wirklich kompletter Trainer zu werden; ein Trainer, der nicht nur laut und aggressiv kann, der nicht mehr bei jedem Tor wie ein Urzeitmonster jubeln muss, der ernsthaft versucht, damit aufzuhören, Schiedsrichtern Angst zu machen.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Hinter den Bayern tummelt sich in diesem Herbst gleich eine Handvoll Mannschaften, die bisher alle eine sehr stabile Saison spielen. Wegen der Vielzahl dieser Teams ist es unwahrscheinlich, dass alle gleichzeitig die Nerven verlieren und in Niederlagen-Serien stürzen. Diese Konstellation macht es dem BVB schwer. Denn: Eigentlich müsste Borussia Dortmund regelmäßig in der Champions League spielen, um mit dem Geld Topstars wie Marco Reus finanzieren und halten zu können. Ein Ausfall dieser Einnahmen ist daher eine konkrete Sorge, und diese wird mit dem Blick auf den Spielplan nicht kleiner: Am Samstag muss der BVB bei den Bayern ran.“
 
Dirk Krampe (Ruhrnachrichten) wundert sich über die Mannschaftsaufstellung: „Klopp hat viel probiert in den vergangenen Wochen. Nachhaltige Stabilität hat er in der Bundesliga noch nicht herbeiführen können.  Die Frage muss gestattet sein, ob es sinnvoll war, nach der überzeugenden Leistung in Istanbul im Spiel gegen Hannover schon wieder an der Personalschraube zu drehen und der Mannschaft auch ein neues taktisches System zu verordnen. Die Situation ist ernst, sie ist äußerst prekär und sehr schwierig. Sie ist schlimmer, als sich alle in ihren schlechtesten Träumen hätten ausmalen können. Es wird spannend sein zu sehen, welche Pfeile Klopp jetzt noch im Köcher hat.“

In Bremen trennt man sich nach der Heimniederlage gegen Köln von Trainer Robin Dutt. Peter Heß (FAZ) wundert sich: „Mit etwas Abstand betrachtet, wirkt es wie ein Schildbürgerstreich, dass der Verein einen Trainer wegschickt, der mit dem SC Freiburg große Erfolge feierte, der mit Leverkusen die Gruppenphase der Champions League überstand, den der DFB für fähig genug hielt, um ihn zum Sportdirektor zu berufen und der in Bremen in der vergangenen Saison eine ordentliche Rückrunde spielte. Und allen Ernstes glaubt, dass Viktor Skripnik die bessere Lösung ist. Ein ehemaliger Werder-Profi, der vier Jahre die U 17-Junioren und 16 Monate die viertklassige Bremer Reserve betreute, der weder als Spieler noch als Trainer durch ein besonderes Charisma oder eine besonders starke Persönlichkeit auffiel.“        

Danial Montazeri (Spiegel Online) zeigt mit dem Finger auf Bremens Sportchef Thomas Eichin: „Die Entlassung zu diesem frühen Zeitpunkt ist eine Panikreaktion. Und sie bewirkt, dass Werder nicht länger der Bundesligist bleibt, der anders ist. Die Gesetze der Liga gelten spätestens seit dem Amtsantritt Eichins auch in Bremen. In den knapp zwei Jahren, in denen er Sportchef bei Werder ist, hat sich der Verein von zwei Trainern getrennt.“

 
 
 
 
 


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