A N Z E I G E

Zurück  |  

presseschau
Mensch statt Maschine  
Abschied von Pep Guardiola: Nach drei Jahren bei den Bayern zeigen Trainer und Mannschaft, wie sehr sie einander schätzen. Das lässt auch die neutralen Beobachter im Berliner Olympiastadion nicht kalt. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

Pep Guardiola mit dem DFB-Pokal
Pep Guardiola mit dem DFB-Pokal. Foto Pixathlon

 
Im Berliner Olympiastadion krönt Pep Guardiola seine dreijährige Amtszeit als Bayern-Coach mit dem Gewinn des DFB-Pokals. Zum Abschied fließen Tränen. Fabian Scheler (Zeit Online) ist gerührt: „Als es vorbei ist und man sich fast damit abgefunden hatte, dass Pep Guardiola diese ewig ratternde Maschine ist, die ständig die Seitenlinie entlang zuckt, aber ganz sicher kein Mensch, rollen Tränen durch sein Gesicht. Er versteckt sie erst, das Gesicht tief in seine Hände gegraben, als würde er sich schämen. Doch später sind seine aufgequollenen roten Augen auf den Leinwänden im Berliner Olympiastadion zu sehen. Guardiola weint und rückt als letzten Gruß an den deutschen Fußball sein eigenes Image zurecht.“
 

Auch Markus Völker (taz) strahlt nach dem Abpfiff übers ganze Gesicht: „Der große Pep heulte, und die Kameras und die Menschen konnten sich gar nicht sattsehen an der Menschwerdung eines Fußballheiligen, der sodann seine Spieler mit innigen Umarmungen segnete und den Fans in den roten Gewändern Zeichen des Wohlwollens und des Dankes zukommen ließ. Die auch vom Sieg über die Gelben berauschten Bayern-Spieler hoben den spanischen Übertrainer in die Höhe wie eine Reliquie, deren Blutwunder zu bestaunen war, warfen ihn in die Luft und ließen ihn so sanft zu Boden, als betteten sie einen Engel in eine Kumuluswolke.“

Ein versöhnlicher Schlussstrich

Klaus Hoeltzenbein (SZ) bringt’s auf den Punkt: „Die Bayern fanden trotz stetig wachsender Überlegenheit das Tor nicht. Elfmeterschießen ist dann Schicksal – und es gönnte Guardiola einen versöhnlichen Schlussstrich unter seine deutsche Etappe. Die Bayern und ihr Trainer sind nun geschieden, es war eine lange Trennung unter Härten, aber ohne, dass am Ende noch das Porzellan zerschlagen wurde.“

 

Sebastian Stier (Tagesspiegel) freut sich bereits auf Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti: „Die auf Ballbesitz ausgelegte Spielweise ist inzwischen so fest in der Bayern-DNA verankert und von der Mannschaft perfektioniert, dass sie nicht nur an einer, sprich seiner, Person hängt. Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti weiß das und wird an der Art zu spielen kaum etwas ändern. Auf seinen bisherigen Stationen zeichnete er sich stets durch Weitsicht und Einschätzungsvermögen aus. Nie krempelte er Spielweise und Mannschaft in ihren Grundfesten um. Ein paar Stellschrauben gezogen, hier und da, ansonsten übernimmt er das Gute und versucht das weniger Gute auszuradieren. Im Fall des FC Bayern wird Ancelotti darauf drängen, etwas mehr Gradlinigkeit einfließen zu lassen, am Positionsspiel aber festhalten.“

Tuchel hat Lehrgeld bezahlt

Holger Luhmann (sport1.de) kritisiert die Dortmunder Taktik: „Im Finale hat aber auch Tuchel Lehrgeld bezahlt. Seine defensive Grundausrichtung hat den Respekt vor den Bayern verdeutlicht. Nur 30 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Die Dortmunder haben schlichtweg auf einen Lucky Punch durch einen Konter oder einen Sieg im Elfmeterschießen gehofft und damit die Vormachtstellung der Bayern anerkannt.“

Auch Frank Nägele (ksta.de) ist enttäuscht: „Die Dortmunder werden dieser Nacht von Berlin noch lange nachtrauern. Wenn schon die Realität zu erdrückend ist, braucht der Mensch die Illusion. Aber selbst sie benötigt für ihre Erweckung ein gewisses Maß an innerer Kraft. Und die hat der BVB an diesem Abend nicht aufgebracht.“

Lars Wallrodt (Welt) nimmt sich die Dortmunder Elfmeter-Verweigerer zur Brust: „Eine echte Spitzenmannschaft zeichnet aus, dass alle Spieler gierig darauf sind, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht war das der kleine, entscheidende Unterschied zum FC Bayern, bei dem nur Joshua Kimmich verschoss. Tuchel hat das sehr genau registriert, und seine Enttäuschung darüber hielt er erst gar nicht zurück. Er wird das in die Überlegungen einfließen lassen, wie er Borussia Dortmund noch näher an die Bayern heranbringen kann. Jeder Spieler, der sich am Samstagabend weggeduckt hat, hat sich damit keinen Gefallen getan.

 



Zurück  |