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Attacke 2.0  
Nach seiner Haftstrafe ist Uli Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern. Was ist von ihm zu erwarten? Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

  Uli Hoeneß und ein FanVolkstümliche Mauskelspiele: Uli Hoeneß und ein Fan. Foto Pixathlon

 

Uli Hoeneß ist wieder Präsident des FC Bayern. Christian Eichler (FAZ) geht mit dem Rückkehrer die zukünftigen Aufgabenbereiche durch: „Der resozialisierte Hoeneß taugt gewiss als Präsident des größten deutschen Fußballklubs. Aber er taugt gewiss nicht mehr als die moralische Instanz in gesellschaftspolitischen Fragen, als die er sich nach dem Wechsel vom Manager- ins Präsidentenamt einige Jahre lang in Talkshows und öffentlichen Debatten gefiel. Das hat er verspielt, und er ist vermutlich klug genug, diese Rolle nun zu meiden.“
 

Sven Goldmann (Tagesspiegel) ist gespannt: „Es ist ein anderer Hoeneß, der am Montag die Geschäfte aufnehmen wird. Der frühere Hoeneß ging mit hochgekrempelten Ärmeln und Schweißtropfen auf der Stirn in den rhetorischen Nahkampf und verschaffte dem anonymen Fußballkapitalismus eine menschliche Erdung. Er stritt stets mit der unangreifbaren Autorität des moralischen Überzeugungstäters, der immer zwar zuvorderst den Vorteil seines Klubs im Auge hatte, aber auch immer ein bisschen das Wohl der Allgemeinheit. Diese Autorität ist verloren gegangen. Die Steueraffäre hat Hoeneß seiner stärksten Waffe beraubt, der Glaubwürdigkeit und moralischen Integrität.“

Benedikt Warmbrunn (SZ) würde gerne an der Uhr drehen: „Hoeneß‘ Rückkehr fällt in eine Situation, in der der FC Bayern in der Liga die eigene Schwäche deutlicher zeigt als in den Jahren zuvor, das war auch beim 2:1 gegen Leverkusen so. Wir nehmen euch ernst, das ist das Signal von Hoeneß, gemeint hat er Leipzig und all die anderen Emporkömmlinge; ein bisschen klang auch durch: Wir sind froh, dass es euch gibt. Wir sind froh, weil wir wissen, dass es nicht schaden kann, wenn auch die Bundesliga wieder spannend wird, wenn es nicht nur darum geht, ob der FC Bayern das Finale der Champions League erreicht oder nicht. Es bleibt also spannend an der Spitze der Bundesligatabelle, und es wird auch spannend zu beobachten sein, wie lange Hoeneß und sein Verein es aushalten werden, sich diese als Erster der Anderen anzuschauen.“

Klare Worte, Humor und jede Menge Ehrgeiz

Julien Wolff (Welt) macht große Augen: „Uli Hoeneß ist zurück beim FC Bayern, zurück in der Bundesliga, zurück im Fußball. Sein erster Abend hat gleich gezeigt, warum ihn viele vermisst haben. Klare Worte, Humor und jede Menge Ehrgeiz. Und er hat gezeigt, dass Hoeneß beim FC Bayern ab sofort wieder mit die wichtigste Rolle spielt.“

Andreas Sten Ziemons (dw.com) applaudiert: „Hoeneß hat für seine Steuersünden bezahlt. Er saß im Gefängnis, hat seine Haftstrafe abgesessen und ist dabei nicht anders behandelt worden als jeder andere Straftäter auch. Wie sehr ihn sein tiefer Sturz seelisch und körperlich mitgenommen hat, hat wohl jeder mitbekommen. Hoeneß hat gebüßt. Nun hat er eine zweite Chance verdient – und er wird sie auch nutzen.“

Martin Volkmar (sport1.de) schließt sich den Gratulanten an: „Die Mehrheit nicht nur beim FC Bayern begrüßt jedoch das Comeback der Abteilung Attacke. Hoeneß, das wurde auch durch den farblosen Auftritt seines Platzhalters Karl Hopfner deutlich, hat gefehlt. Als streitbarer Geist, ruheloser Verbesserer, charmanter Sprücheklopfer, altersweiser Mahner, großzügiger Helfer, provokanter Polarisierer sowie als Herz und Seele der Bayern. Dieser frische Wind wird nicht nur die sportlich schwächelnden Münchner beleben, sondern auch dem gesamten deutschen Fußball gut tun.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) kommt mit vielen Fragezeichen um die Ecke: „Nach Außen dürfte Hoeneß leiser auftreten als früher. Seine kriminelle Vorgeschichte macht ihn angreifbar. Innerhalb des Vereins ist er wegen seiner Erfahrung unantastbar. Doch ob seine zweite Karriere als Bayern-Boss so erfolgreich wird wie die erste? Mit Geld allein wird Leipzig, das während der Versammlung mit dem Sieg in Freiburg den Vorsprung auf die Bayern ausbaute, nicht zu bekämpfen sein. Eine sportliche Vision wäre besser. Durch eine solche fiel Hoeneß bislang aber nicht auf. Die entscheidenden Fragen für den bald 65-Jährigen lauten nun: Kann er ein Team von neuen Führungskräften finden, einen Nachfolger aufbauen? Kann er seine Rolle neu interpretieren? Unbeantwortet ist vor allem, ober er Macht abtreten kann, Macht abtreten will.“

Rummenigge ist ungefähr so charmant wie Darth Vader

Finn Rütten (stern.de) atmet auf: „Hoeneß Wiederkehr hat noch einen weiteren großen Vorteil: Er schürt die Hoffnung, dass man sich nicht mehr ganz so oft Karl-Heinz Rummenigge antun muss. Der hat es sich nämlich seit Hoeneß Abgang zur persönlichen Aufgabe gemacht, das entstandene Vakuum mit allerlei unsinnigen Aussagen zu füllen. Ständig poltert er gegen alles und jeden, am liebsten – und das unterscheidet ihn sehr von Hoeneß – gegen die Kleinen. Immer wieder fabuliert er von neuen Spielmodi, dabei stets das Ziel: weniger Spiele für die Bayern, dafür aber noch größere Stücke vom Kuchen. Zwar war auch Hoeneß nie ein Kind von Traurigkeit. Rummenigge ist dabei allerdings ungefähr so charmant wie Darth Vader.“



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