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Abstiegskampf: Alles kann passieren  
Freiburg, Stuttgart und Hannover mit Erfolgen, dennoch wird wohl einer der drei Klubs in die Relation müssen. Der HSV geht mit Kapitän Rafael van der Vaart beim VfB unter. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

 

Rafael van der Vaart schlichtetGojko Kacar (HSV), Daniel Didavi (VfB Stuttgart) und Georg Niedermeier (VFB)haben Meinungsverschiedenheiten: Rafael van der Vaart schlichtet. Foto Pixathlon
 
 
Kurz vor dem Saisonfinale geht es im Keller der Liga drunter und drüber. Noch müssen sechs Vereine zittern. Stefan Frommann (Welt) ist gespannt: „Freiburg, Hannover oder Stuttgart – einer dieser drei wird wohl mindestens noch durch die Relegation gehen. Es sei denn, Hertha BSC macht das eigentlich nur rechnerisch Mögliche noch wahr und hebt den Finger dafür. Mehr als bei jeder politischen Wahl wird es Prognosen und Experteneinschätzungen geben, wer im Abstiegspoker die besten Karten hat. Die Trefferquote von Wahrsagungen liegt laut einer deutschen Studie bei nur vier Prozent. Es ist also noch alles offen, was Sie in den kommenden Tagen auch immer hören werden.“
 
In Stuttgart hat man es nach dem umkämpften Heimsieg gegen den HSV selbst in der Hand. Thomas Haid und Carlos Ubina (Stuttgarter Zeitung) verneigen sich vor der VfB-Trainerbank: „Huub Stevens strotzt vor mentaler Stärke und Energie. Das spüren alle im VfB-Lager. Gleich nach dem Schlusspfiff hat er die Spieler wieder auf dem Platz zusammengeholt. An den Schultern haben sie sich gefasst, und der Trainer schwor das Team leidenschaftlich auf das Finale beim SC Paderborn ein. Einmal noch, dann könnte das große Ziel Klassenverbleib erreicht sein, dann könnte der niederländische Fußballlehrer seine Erfolgsprämie von einer Million Euro einstreichen und sich zufrieden auf den Weg nach Mallorca machen.“
 
In Berlin geht nach der müden Nullnummer gegen Frankfurt das große Zittern los. Johannes Kopp (taz) skizziert den Worst Case: „Die Berliner muss man im Abstiegskampf favorisieren. Sie haben das Zeug dazu, wirklich klammheimlich die erste Liga zu verlassen. Dazu muss nichts Außergewöhnliches passieren. Hannover und Freiburg trennen sich nächsten Samstag einvernehmlich unentschieden, der aufstrebende VfB Stuttgart gewinnt mit zwei Toren Abstand in Paderborn und Hertha verliert ebenso hoch in Hoffenheim. Ein Relegationsplatz wäre die Folge. Und in derartige Entscheidungsspiele würden die Berliner völlig unvorbereitet hineinstolpern.“
 
Auch in Hamburg wird weiter gezittert. Doch wen trifft die Hauptschuld? Lars Wallrodt (Welt) nimmt sich Rafael van der Vaart zur Brust: „Es war ein unwürdiger, ein blamabler Abgang eines Spielers, auf dem einst die ganze Hoffnung des Traditionsvereins ruhte. Van der Vaart sollte für den HSV so etwas werden wie der Uwe Seeler der Neuzeit. Ein Sympathieträger, das Gesicht des Vereins und Hoffnung in dunklen Zeiten. Doch jetzt ist er das Gesicht des Untergangs. Denn das Foul in der Nachspielzeit war so ziemlich die einzige Aktion, mit der sich der 32-Jährige gegen die drohende Niederlage stemmte. Ansonsten tat er auch in Stuttgart das, was er schon die ganze Saison tut: mitlaufen, sich verstecken, Durchschnitt sein – wenn überhaupt.“

Matthias Linnenbrügger (Hamburger Morgenpost) schäumt ebenfalls vor Wut: „Erst foulte er plump, dann pöbelte er wüst, bis Schiedsrichter Manuel Gräfe gar keine andere Wahl hatte, als ihn zu verwarnen. Und van der Vaart wusste genau, dass er damit im Saisonfinale gegen Schalke gesperrt sein würde. Er hat sich damit aus der Verantwortung gestohlen, seine Kollegen und auch die treuen Fans im Stich gelassen. Das ist ein Abgang ohne Anstand, der einen riesigen Schatten auf alles wirft, was van der Vaart in insgesamt sechs Jahren für den HSV geleistet hat.“

Cristof Kneer (SZ) blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Der HSV und der VfB, der VfB und der HSV – das Schicksal und die emotionale Wucht dieser beiden großen Namen verleihen dem aktuellen Abstiegskampf eine besonders fruchtige Note. Für den VfB Stuttgart wäre ein Abstieg besonders bitter, weil er die Entwicklung einer ambitionierten Elf zerstören würde, die in der ersten Liga eine anständige Zukunft haben könnte. Und für den Hamburger SV wäre ein Abstieg bitter, weil man sich bei dieser spielerisch viel ärmeren Mannschaft nicht so recht vorstellen kann, wie sie wieder aufsteigen will.“

Der HSV spielt kommenden Samstag gegen Schalke 04. Auch dort herrscht derzeit Untergangsstimmung. Manfred Hendriock (derwesten.de) steht mit weit aufgerissen Augen vor der Schalker Fankurve: „An Tönnies und Heldt hatten die Zuschauer während des Spiels gegen Paderborn am meisten ihre Wut über die schlechten Leistungen in dieser Saison entladen. Im Stadion gab es eine Reihe von Transparenten, die sich um die Vereinsführung drehten. Es gab wütende Rufe und sogar auf der Tribüne wurden Aufsichtsrats-Chef und Sportvorstand massiv von Zuschauern beschimpft. Die Entfremdung zwischen Schalkes Fans und der Vereinsführung sowie den Spielern hatte neue Dimensionen angenommen.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) weiß, wen die Schalker Fans dieser Tage besonders gerne zur Rede stellen würden: „Der große Klubpatriarch war der am übelsten beschimpfte Schalker des Nachmittags. In der zweiten Halbzeit brandeten immer wieder erbitterte „Tönnies raus!“-Chöre auf. Der Fleischfabrikant ist der Mann, der, so ist jedenfalls der Eindruck der Fans – die Kultur dieses Klubs prägt wie kein anderer. Tönnies verantwortet – gemeinsam mit Heldt – die langfristige Konzeption, und diese ist allenfalls als misslungenes Fragment erkennbar. Zwar weist Tönnies in schwierigen Phasen wie jetzt gern darauf hin, dass er als Aufsichtsrat nur wenig mit dem operativen Geschäft zu tun hat, aber das wird ihm nicht mehr geglaubt.“

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