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Traurige Trennung  
Wie die Entlassung von Trainer Bruno Labbadia gelaufen ist, schadet dem Ansehen von HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

Bruno LabbadiaBruno Labbadia wird von Mediendirektor Jörn Jölf auf seinem letzten Gang als HSV-Trainer begleitet. Foto Pixathlon

 

Nach nur einem Pünktchen aus fünf Ligaspielen muss Bruno Labbadia seinen Hut ziehen. Peter Penders (FAZ) nimmt sich die HSV-Hintermänner zur Brust: „Man kann den Hamburger nicht vorwerfen, dass sie nichts unternommen hätten, um ihren Niedergang zu stoppen – hilfreich wäre allerdings gewesen, sie hätten auch irgendeinen Plan gehabt, wie sie diese Geschichte angehen wollen. 30 Spieler für rund 87 Millionen Euro hat der HSV geholt, seit Beiersdorfer das Sagen hat – wobei dabei immer die Frage lauert, ob tatsächlich er oder doch viel mehr Geldgeber Klaus-Michael Kühne letztlich die Entscheidungen fällt. Auf jeden Fall aber scheint niemand in der Führungsebene in Sicht, der eine Vorstellung hat, wie die Struktur der Mannschaft für eine bessere Zukunft aussehen soll.“
Das ist unanständig
Johan Dehoust (Zeit Online) geht auf Dietmar Beiersdorfer los: „Die Art, wie es zur Entlassung von Bruno Labbadia kam, war stillos. Schon nach zwei Spieltagen ließ der 79-jährige Kühne in der Ostsee-Zeitung öffentlich Zweifel aufkommen, ob Labbadia noch der richtige Trainer sei. Kurz darauf, nach einer Niederlage in Freiburg, erklärte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer, er müsse dem Trainer nicht jeden Tag Rückendeckung geben. Man werde in Ruhe analysieren, ob Labbadia weiterhin für den HSV an der Seitenlinie stehe. Er hatte tiefe Augenringe und rang nach Worten. Als Boss einen Untergebenen im Fernsehen anzuzählen – das ist unanständig.“
Patrick Krull (Welt) hat Schaum vor dem Mund: „Tagelang wurde er hingehalten, alleingelassen, von Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer mit schwammigen Aussagen vorgeführt. Am Ende ein schnödes Telefonat: Das war‘s, Bruno. Nun kommt ein neuer Trainer, der 15. seit 2008. Das ist aberwitzig, unvergleichlich. Entlassungen sind der kümmerliche Rest an Tradition, den der Klub noch für sich reklamieren kann. Darüber hinaus bleibt nicht mehr viel übrig.“
Eine Entlassung in Etappen, ohne Stil
Auch Maximilian Miguletz (t-online.de) findet harsche Worte: „Von seiner Kündigung erfuhr Labbadia am Sonntagmorgen per Anruf. Laut Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer zwar auf eigenen Wunsch, dennoch passt die unpersönliche Kündigung ins Bild: Es war eine Entlassung in Etappen, ohne Stil. Die schwammigen Äußerungen Beiersdorfers der letzten Tage kamen einer schrittweisen Demontage Labbadias gleich. Ein Filetieren des Vertrauens zu demjenigen, der dem Verein und gerade auch ihm vor nicht allzu langer Zeit – plattdeutsch gesagt – den Mors gerettet hatte.“
Hendrik Buchheister (Spiegel Online) geht ebenfalls die Wände hoch: „Man muss schon tief in die Archive der Bundesliga hinabsteigen, um eine Trainerentlassung zu finden, bei der ein Verein ein schlechteres Bild abgegeben hat als die Hamburger jetzt bei Labbadia. Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer hatte ihm längst öffentlich die Unterstützung entzogen, hielt nach der Niederlage in Freiburg unter der Woche nur an ihm fest, weil noch kein Nachfolger unterschrieben hatte, so sah es jedenfalls aus.“
Christian Elsaeßer (mz-web) fordert ein Umdenken: „München, Dortmund, Mönchengladbach, Köln, Mainz – so viele Verein leben inzwischen vor, dass sich der Fußball auch auf Management-Ebene verändert hat. Kontinuität ist heute ein Schlüssel zum Besserwerden. Lerne HSV: Das Problem liegt wohl nicht allein auf der Trainerbank.“
Mit Markus Gisdol haben die Hanseaten bereits einen Nachfolger gefunden. Der war wohl auch in Bremen im Gespräch. Christof Kneer (SZ) schmunzelt: „Der neue HSV-Trainer ist ein Schüler des Backnanger Bildungssystems, er hängt der Rangnick-Lehre des zackigen Umschaltfußballs an, und unabhängig davon, ob man diesen Fußball für geeignet hält, ist das deutlich mehr, als sie in Hamburg oder Bremen zuletzt zu bieten hatten. Wer junge Spieler, Sponsoren und überhaupt die Öffentlichkeit für sich interessieren will, braucht eine gute Geschichte und am besten auch einen Spielstil, der als Marke taugt. An diesem Punkt haben sich die Nordrivalen mit ihren Nöten getroffen: In Hamburg stand Labbadia maximal für Rettung und Pragmatismus, in Bremen konnte der Kollege Skripnik nur die Zugehörigkeit zur Werder-Familie als Trainermerkmal für sich reklamieren – ein charakteristischer oder wenigstens halbwegs systematischer Fußball war weder da noch dort zu finden.“


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