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INTERVIEW
„Morgen nach Australien“
Volker Ippig betreibt die erste mobile Torwartschule der Welt. Der ehemalige Torhüter und Torwarttrainer des FC St. Pauli baut auf unkonventionelle Methoden, um seine Klienten stark zu machen. Interview Malte Oberschelp und Rainer Schäfer.

Volker Ippig
Im heimischen Garten: Torwarttrainer Volker Ippig
Foto Benne Ochs


RUND: Herr Ippig, in Ihrem Kofferraum liegen Erotik-Plastikpuppen von Beate Uhse. Wozu?

Volker Ippig: Die leisten mit wertvolle Dienste beim Torwarttraining: Sie simulieren Stürmer und Abwehrspieler. Wenn ich unterwegs bin, sind die Puppen immer dabei.

RUND: Sie betreiben seit etwa einem Jahr eine mobile Torwartschule. Als fliegender Torwarttrainer?

Volker Ippig: Ich arbeite als Honorartrainer für Profi- und Amateurklubs, im Nachwuchsbereich und auch an Schulen. Außerdem trainiere ich dauerhaft mehrere Privatkunden, je einmal die Woche. Ich bin sehr flexibel, was den Trainingsort angeht. Ich komme zu den Kunden nach Hause, auf den lokalen Sportplatz oder biete mehrtägige Torhütercamps beim SSV Schafflund an.

RUND: Woran fehlt es jungen Torhütern?

Volker Ippig: Das größte Problem ist oft koordinativ, die Einseitigkeit der Ausbildung: Was die jungen Torhüter zur einen Seite hin können, können Sie auf der anderen Seite nicht. Außerdem wird meist zu viel auf Kraft trainiert, da werden Torhüter ohne Sinn und Verstand platt gemacht. Dafür braucht man keinen Torwarttrainer.

RUND: Wie gehen Sie die Schwachstellen Ihrer Schützlinge an?
Volker Ippig: Mein Augenmerk liegt auf der technischen Grundausbildung: Springen, Fangen, Fallen. Wie falle ich hin, ohne mir weh zu tun? Selbst im Leistungsbereich wissen viele das nicht.

RUND: Wie schnell lassen sich solche Defizite beheben?
Volker Ippig: Am Anfang wissen die Torhüter manchmal gar nicht, wozu manche Übung gut sein soll. Oder sie genieren sich, wenn eine Schwäche bloß gestellt wird. Aber dann kommt schnell der Aha-Effekt, weil sie merken, dass sie sich konkret verbessern. Selbst in einem zweitägigen Sommercamp lassen sich viele Tipps zur Selbsthilfe geben.

RUND: Wie gehen Sie auf den einzelnen Spieler ein?
Volker Ippig: Das Wichtigste ist ein Einzeltraining, um sich ein Bild machen zu können und dann individuell Stärken und Schwächen aufzuarbeiten. Mancher hat falsche Bewegungsabläufe automatisiert, die ihn stagnieren lassen. Bei manchem muss ich viel reden, um die Stärken bewusst zu machen. Beim nächsten hilft es, die Ernährung umzustellen.

RUND: Haben Sie schon mal einen Klienten abgelehnt?
Volker Ippig: Nein. Es ist möglich, selbst jemandem mit wenig Begabung die Bewegungsmuster eines Torwarts beizubringen. Das ist ein Handwerk, das jeder erlernen kann. Wie es aussieht, wenn man das Handwerk zu einer Kunstform macht, in der Leistungsspitze, das ist eine andere Frage. Da werde ich oft von talentierten Keepern in Anspruch genommen, die nicht an der Nummer eins vorbeikommen. Die eine spezielle Förderung benötigen, um den entscheidenden Schritt nach oben zu machen.

RUND: Aber nicht alle Torhüter können Profis werden.
Volker Ippig: Ich möchte Qualität auch in die unteren Spielklassen tragen. Und mein Training ist immer auch ein Wissenstransfer für das normale Leben. Mein Ansatz ist ein ganzheitlicher. Je beweglicher Menschen sind, desto besser kommen sie zurecht – überall.

RUND: Dann müssten Sie als mobiler Torwarttrainer ein zufriedener Mensch sein.
Volker Ippig: Ich weiß die Vorteile zu schätzen, nachdem ich lange beim FC St. Pauli gearbeitet habe. Ich komme viel herum, das bringt mich weiter.

RUND: Gibt es Grenzen der Mobilität?
Volker Ippig: Nein, ich biete meine Trainerdienste weltweit an. Wenn die Fahrtkosten bezahlt werden, fliege ich überallhin.

RUND: Was war bislang die weiteste Strecke?
Volker Ippig: Das weiteste war Kassel. Aber vielleicht kommt ja morgen schon ein Anruf aus Australien.

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Das Interview ist in RUND # 5 12_2005 erschienen.



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