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EUROPAPOKAL
Es hat nicht mal „Rrrrr“ gemacht
Als die „Fußballmaschinen“ in Bernabeu 4:2 siegten, staunten sie bei Real Madrid nicht schlecht. Platz 3 der packendsten Europacupspiele deutscher Klubs: Real - Bayern München, Champions League1999/2000. Von Elmar Neveling

Mehmet Scholl
Gute Ballbehandlung: Mehmet Scholl düpierte Reals-Keeper Iker Casillas

Foto Hoch Zwei



Real Madrid – Bayern München 2:4

Champions League 1999/2000, zweite Gruppenphase

Er hat es nicht leicht, der deutsche Fußball. Sicher, er wird international gefürchtet, aber nicht geliebt. In Spanien gilt das Ballspiel als Sport des Schöngeistigen und der technischen Raffinesse – Qualitäten, die deutschen Kickern nicht unbedingt attestiert werden.

Der Argentinier Jorge Valdano, als Spieler und Offizieller über Jahre bei Real Madrid, bestätigt diesen Eindruck in seinem Buch „Über Fußball“: „Deutschland ist die Siegesmaschine. Bei jedem Spiel habe ich die Vorstellung, dass unter dem Rasen Hunderte von kräftigen Deutschen sitzen und in die Pedale treten, rudern oder an einer Kurbel drehen. Ich glaube sogar, das Geräusch der laufenden Maschine zu hören: Rrrrrrrrrrr….“

Umso beeindruckter sind die Spieler von Real Madrid im Frühjahr 2000. Bei den „Königlichen“ tritt der FC Bayern nicht nur dominant und offensiv wie eine Heimmannschaft auf, sondern glänzt mit technisch anspruchsvollem und rasantem Kombinationsspiel, dass es nur so kreiselt. Die Bayern siegen mit 4:2: Mehmet Scholl, Stefan Effenberg (der Real-Keeper Iker Casillas mit einem Freistoß ins kurze Eck narrt), Thorsten Fink und Paulo Sergio legen mit ihren Toren den Grundstein zum Sieg. Insgesamt ein fulminanter Bayern-Auftritt . Die Gegentore von Fernando Morientes und Raúl ersparen den Spaniern eine größere Demütigung.

Bayerns brasilianischer Stürmer Giovane Elber, von seinem Naturell her längst Deutscher, platzt nach Abpfiff fast vor Genugtuung: „Wir waren besonders motiviert. Der Trainer von Real, Camacho, Caramba, oder wie der heißt, hat gesagt, dass die Deutschen nur kämpfen und nicht kombinieren. Heute hat er etwas gelernt. Nächstes Mal soll er seine Fresse halten.“ Caramba, mit richtigem Namen Vicente del Bosque, hatte vor der Partie das Klischee bedient: „Bayern spielt ohne Herz, nur mit Kampf.“

Die spanische Presse zeigt sich demütig, „El País“ titelt stellvertretend: „So ist das Bernabéu-Stadion noch nie gestürmt worden.“ Und die Bayern setzen gut eine Woche später noch einen drauf, schlagen die Madrilenen auch im Rückspiel begeisternd mit 4:1 – zugleich die letzte Partie des „ewigen Loddar“ Matthäus im Bayern-Trikot.

Bitter, dass dann im Halbfinale ausgerechnet gegen die Spanier das Aus folgt: Trotz dreier Siege in vier Spielen gegen den späteren Cupsieger scheiden die Münchner in der Königsklasse aus. Da halfen selbst die Pedale nicht …


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