
Auf 440 Seiten befasst sich das zwei Kilo (!) schwere Buch ausgiebig mit jeder einzelnen Spielzeit, zeigt bisher unveröffentlichte Fotos und Fandevotionalen und lässt Prominente aus Sport, Kultur und Politik ihre Liebe zu den „Schwoaz-Weißen" erklären. Zu berichten gibt es einiges: Zum Beispiel die Geschichte von Gründungsmitglied Hans Schönbacher, der im Herbst 1919 aus italienischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Nachdem seine Mutter ihn mit den Worten „Heute ist Sonntag, heute spielt Sturm gegen GAK!" am Bahnhof empfing führte Schönbachers erster Weg wie selbstverständlich auf den Sportplatz. Übrigens: Sturm gewann mit 5:2.
Lesenswert sind die Erinnerungen an den slowenischen Torwart Damir Grloci, der 1968 durch einige Zufälle bei Sturm landete: In bester Sepp Maier-Manier veranstaltete Grloci Schneeballschlachten mit dem Publikum, applaudierte gegnerischen Stürmern bei Schüssen auf sein Tor, spazierte auf Händen durch den Strafraum oder machte sich auf die Jagd nach einer Maus, die sich auf das Spielfeld verirrt hatte. Sturms Champions-League Teilnahme unter dem legendären Trainer Ivica Osim in der Spielzeit 1998/99 wird ebenso ausführlich geschildert, wie die „Beinahe-Insolvenz" im Jahr 2007. Wie ein roter Faden zieht sich die Rivalität zum Stadtrivalen Grazer AK durch das Buch. „Das Publikum benahm sich zeitweise so, wie sich wohlerzogene Menschen nicht benehmen.", berichtete beispielsweise die „Montagszeitung" bereits 1931 nach einem der berüchtigten Derbys.
„Wir sind Sturm!" ist kein Buch für nebenbei. Die ausführlichen Saisonberichte sowie die Auflistung aller Meisterschafts- und Europacupspiele sind interessant für eingefleischte Fans des SK Sturm oder Fußballhistoriker, ziehen sich für den neutralen Leser aber doch etwas in die Länge. Teilweise lasen sich die Autoren zu sehr von ihrem eigenen Fandasein mitreißen und verlieren sich in Details. Die historischen Fotos, beindruckende Illustrationen von Künstler und Sturm-Fan Günter Brus, sowie persönliche Erinerungen ausgewählter „Stürmer" machen dies allerdings mehr als wett. Da sei es den Autoren auch verziehen, dass sie von den „unvergesslichen Weihnachtsfeiern" mit Engelbert, Udo Jürgens oder Albino und Romina Power schwärmen.
Die Vereinschronik „Wir sind Sturm" bietet eine fast lückenlose Aufarbeitung der hundertjährigen Vereinsgeschichte. Ein Muss für jeden Grazer, interessant für alle, die sich für den Wandel des Fußballs in den letzten 100 Jahren interessieren.
Wir sind Sturm! 100 Jahre Grazer Fußballgeschichte, 440 Seiten, 39,00 Euro plus Versandkosten