NEU-NATIONALSPIELER
Erst Gomez, dann Helmes

Es ist schon unglaublich: Wahrscheinlich wird Patrick Helmes am heutigen Mittwoch gegen Dänemark sein Debüt in der A-Nationalmannschaft geben. Wir sind ein klein bisschen stolz, denn in der vergangenen Saison fragten wir in RUND regelmäßig „Was macht Helmes“? Mario Gomez, der jetzt einmal im Monat über das Auf und Ab in seinem Leben als Jungprofi berichtet, wurde sogar schon vor Helmes Nationalspieler.


Heute schon Nationalspieler? Patrick Helmes
Foto Jean Balke


Wenn der Stuttgarter wieder fit ist, wäre sogar ein gemeinsames Sturmduo denkbar: In der U21-Nationalmannschaft spielten Gomez und Helmes bereits erfolgreich zusammen. „Das klappte gut, wir haben uns das ganze Spiel über ergänzt“, sagt Helmes, der beim 5:1 gegen Rumänien zwei Mal traf – ebenso wie Sturmpartner Gomez. Auf die Kolumne wird der Angreifer übrigens noch häufiger angesprochen. „Sogar bei der Nationalmannschaft habe ich immer mit Markus Brzenska darüber geredet, was da drin stand.“

Wie rasant die Entwicklung des Angreifers vom 1. FC Köln verlief, wird deutlich, wenn man die erste Folge von „Was macht Helmes?“ liest. Damals war dem Stürmer gerade sein erstes Bundesligator gelungen.

Im September 2005 war die Fußballwelt für Patrick Helmes lange nicht sehr sonnig. „Am Abend vor den Spielen saß ich zu Hause und habe gedacht: Komm, morgen musst du, musst du, musst du“, erzählt er. Während der Spiele wurde er dann irgendwann mit den anderen Auswechselspielern zum Aufwärmen geschickt. In den Zustand gesteigerter Hoffnung. Bei jedem Winken des Co-Trainers ging sein Blick erwartungsfroh nach oben und dann ganz schnell wieder enttäuscht nach unten. Ein anderer hatte Glück gehabt. Und nach der dritten Auswechslung trabte er stets gesenkten Haupts zurück zur Bank – das Ende eines Arbeitstags abseits des Geschehens. „Ich lief die Linie hoch und runter und habe gehofft und gehofft, dafür arbeitet man schließlich die ganze Woche“, berichtet er. Am Ende blieb Enttäuschung, oft im krassen Kontrast zur Freude der siegreichen Mitspieler.

In Leverkusen galt der Ruf dann endlich doch dem jungen Stürmer. Sein zweiter Bundesligaeinsatz. „Merkwürdigerweise war ich da plötzlich ganz locker“, sagt er, und nach zehn Minuten auf dem Platz köpfte Helmes sein erstes Tor. „40 Minuten Einsatz und ein Tor, das ist doch eine gute Quote“, meint er und strotzt plötzlich vor Selbstvertrauen. „Ein Törchen fehlt vielleicht noch für einen Stammplatz“, sagt er in der Euphorie des ersten großen Glücksmoments. „Irgendwann kommt der Trainer nicht mehr an mir vorbei.“ Doch der unregelmäßig zwischen wohlwollender Väterlichkeit und gestrenger Autorität schwankende Uwe Rapolder grummelt, „Patrick muss sich spielerisch noch weiter entwickeln“, und außerdem könne man ja „nicht mit einer U20 spielen“.

Ein bisschen staunt Helmes tatsächlich immer noch über das Tempo in der Bundesliga. „Anfangs wird man auch im Training weniger angespielt, und wenn, dann will man den Ball möglichst direkt verlängern“, sagt er. Aus Angst vor Fehlern. „Mittlerweile nehme ich den Ball auch an und spiele weiter. Das ist besser geworden, und ich glaube, in einem halben Jahr sieht das noch einmal ganz anders aus“, kündigt er optimistisch an.

Daniel Theweleit

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