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BUNDESLIGA
Trost von der Mannschaft des Jahres
Jürgen Klopp geht mit seinem BVB als ernsthafter Bayern-Verfolger in die Winterpause und findet tröstliche Worte für den Tabellenletzten Freiburg. Von Christoph Ruf, Freiburg.

 

Jürgen Klopp
Sein Team wurde von den Sportjournalisten zur Mannschaft des Jahres gewählt: Jürgen Klopps Dortmunder gewinnen auch in Freiburg Foto Pixathlon

 

 

Am 11. Dezember 1993 feierten 20.000 euphorisierte Südbadener einen 4:1-Erfolg ihres SC Freiburg über den BVB. Zeitzeugen berichten, dass damals auch 20.000 Wunderkerzen im alten Dreisamstadion brannten. Beim 4:1-Erfolg des BVB über den SC Freiburg leuchtete – außer jeder Menge echter Pyrotechnik im Gästeblock – nicht viel auf den Rängen. Der DFB hatte seine Vereine unter der Woche allen Ernstes angewiesen, Wunderkerzen als „zündfähiges Material“ vom Ordnungsdienst konfiszieren zu lassen.

Wenn die SC-Ultras gegen Ende der Partie ein Weihnachtslied anstimmten, in dem das Thema Feuer thematisiert wurde („Mein Licht geht aus, wir geh`n nach haus, Rabimmelrabammelrabumm“), dürfte es dabei allerdings nicht um die Regelungswut deutscher Behörden und Verbände, sondern um die triste sportliche Lage bei ihrem Lieblingsclub gegangen sein. Nach der 1:4-Niederlage gegen den Deutschen Meister belegt der SC Freiburg mit zwei Punkten Rückstand den letzten Tabellenplatz. Und auch alle anderen Parameter – 13 Punkte, stattliche 39 Gegentreffer – deuten schwer daraufhin, dass Freiburg schon in ein paar Monaten wieder gegen Duisburg statt gegen Dortmund spielt.

Es ist dabei allerdings nicht so, dass das Team spielerisch nicht mithalten könnte. Man kann sich nur beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine Mannschaft, die sich in Strafraumnähe konsequent mitleiderregend verhält, die Kraft für eine echte Aufholjagd hernehmen soll. Trainer Marcus Sorg, dem Präsident Fritz Keller nach dem Schlusspfiff unmissverständlich den Rücken stärkte, kann einem da durchaus leid tun. Schließlich musste der ehemalige Stürmer des SSV Ulm mitansehen, wie beispielsweise Anton Putsila freistehend das leere Tor verfehlte (4.). „Das Spiel ist so gelaufen wie schon viele von uns in dieser Saison“, sagte Sorg tapfer. „Wir nutzen die erste Großchance nicht und geraten kurz darauf in Rückstand.“ Drei Minuten nach der vergebenen Freiburger Chance traf Robert Lewandowski zur Dortmunder Führung (7.). Spätestens im zweiten Durchgang spielte Dortmund seine Überlegenheit dann konsequent aus. Nach den Toren von Ilkay Gündogan (44.), Kevin Großkreutz (59.) und dem 12. Saisontreffer von Lewandowski (70.) hatten die Borussen noch einige weitere gute Gelegenheiten. Freiburg hatte zu diesem Zeitpunkt längst den Glauben daran verloren, das Spiel doch noch drehen zu können.

Angesichts der bedrückten Gesichter, die ihn da im Presseraum empfingen, beschloss BVB-Coach Jürgen Klopp dann auch, ein paar tröstende Worte für den Gastgeber einzustreuen. „Nicht so viel besser“ sei sein Team gewesen, fand er. Wenn man unten stehe, habe man eben auch mal Pech. Referee Günter Perl hatte den zweiten Dortmunder Treffer durch  Gündogan gegeben, obwohl Linienrichter Michael Emmer zuvor Abseits angezeigt hatte, woraufhin die Freiburger Defensivabteilung ihre Bemühungen einstellte. Die Entscheidung von Perl war jedoch richtig, wie spätestens die Fernsehbilder bewiesen. „Ich war als Trainer auch schon häufig genug in Tabellenregionen, in denen  Freiburg gerade steht“, erinnerte sich Klopp an Mainzer Tage, „da hat man häufig das Pech, dass der Schiedsrichter solche Szenen richtig sieht.“. Im Hinblick auf die vier Tore, die allesamt entweder in der Entstehung oder im Abschluss außergewöhnlich schön anzusehen waren, fand Dortmunds Verteidiger Mats Hummels, man habe das Spiel „mit ein paar echt guten Aktionen entschieden.“ Um genau zu sein war beispielsweise die Kombination, die zum ersten Treffer durch Lewandowski führte, von der Güteklasse, die nur ein echtes Spitzenteam aufs Tableau bringt. 

Nach holprigem Start in die Saison belegt die Borussia Platz zwei der Hinserien-Tabelle, mit 34 Punkten aus 17 Spielen bleibt der Meister der ernsthafteste Bayern-Verfolger. Ein Umstand, den Coach Klopp allerdings ebenso wenig näher beleuchtet wissen wollte wie Großkreutz („Die Bayern sind Favorit, wir wollen ins internationale Geschäft“). Nein, zu den Bayern wolle er nichts sagen, beschied Klopp einen TV-Reporter, seine Schmähkritik an Lukas Podolski („ruft seine Leistung nicht oft genug ab“) sei des spontan herauskatapultierten „Unsinns“ (Klopp) schon genug gewesen. Ganz ohne Seitenblick auf die Bayern freue er sich aber dennoch über das bislang Erreichte. „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren in Dortmund, und das ist seither unsere zweitbeste Hinrundenbilanz.“ Nur in der vergangenen Saison war man besser. Da wurde man Meister.



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