DER NEUE MARADONA
Vom Planeten Messi
Wie RUND-Redakteur Oliver Lück den Argentinier 2005 zum Interview getroffen hat.
Mehr >DFB-POKAL
„Gegen Rot geimpft“
Im 254. fränkischen Derby ist die Favoritenrolle unklar. Zweitligist Greuther Fürth ist derzeit in bestechender Form. Und traut sich auch vor dem heutigen Pokalspiel beim 1. FC Nürnberg verbal aus der Reserve. Von Christoph Ruf.

„Ist das ein Hexenkessel“: Trainer Mike Büskens hat noch Probleme mit der Begeisterungsfähigkeit der Fürther Fans Foto: Pixathlon
Stephan Schröck ist ein Spieler, wie ihn auch mancher Erstligatrainer gerne in seiner Mannschaft hätte. Schnell, ballsicher, technisch gut – und mit einer Übersicht ausgestattet, die es ihm erlaubt, Pässe zu spielen, die die gegnerischen Trainer im Nachhinein als „tödlich“ bezeichnen. Um das Fürther Glück perfekt zu machen, ist dieser Schröck auch noch ein Spieler, der Sätze heraushaut, wie sie ansonsten nur Hardcore-Fans ihrer Mannschaft zu Protokoll geben. „Ich bin gegen Rot geimpft“, hat er nach dem fulminanten 5:0-Sieg gegen Union Berlin am Freitag Abend mit Stolz in der Stimme bekundet. „Wir werden unsere Farben beim Derby bis aufs Blut verteidigen.“
Schröck ist keiner, der so etwas nur so dahersagt. Der Mittelfeldmann, kickt seit der B-Jugend beim „Kleeblatt“, nach jedem Sieg ist er als erster auf dem Zaun, um mit den Fans zu feiern. Mike Büskens hat das Glück, dass er gleich mehrere Spieler trainiert, die in dieser offensivstarken, spielfreudigen Elf qualitativ deutlich über Zweitliganiveau agieren (neben Schröck etwa Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal) und dass er gleich zwei Stürmer im Kader hat, die deren Vorlagen auch verwerten. Der Kanadier Olivier Occean und Christopher Nöthe haben beide schon zehn Mal getroffen.
Dass sie einen der kleinsten Etats der Liga haben, lesen sie in Fürth gerne über sich. Und in der Tat ist das Budget von Eintracht Frankfurt wohl mehr als doppelt so hoch wie das der Franken, bei denen mal sieben, mal zehn Millionen kolportiert werden (Eintracht: 19), Manager Rachid Azzouzi schweigt sich über Zahlen aus. Der Klassenkampf-Gestus ist allerdings nur zum Teil berechtigt. Fürth ist bei aller Sparsamkeit, über die schon der mächtige Präsident Helmut Hack wacht, durchaus in der Lage, hochkarätige Spieler zu holen. Um Stürmer Olivier Occean oder Verteidiger Schmidtgal buhlten zahlreiche Konkurrenten. Fürth dürfte sie nicht nur wegen der landschaftlichen Reize des Umlandes bekommen haben. Überhaupt ist Fürth derzeit eine gute Adresse im deutschen Fußball. Während die Fans selbstironische Spielankündigungs-Plakate erfinden („Nicht-Aufstiegstour 2011/2012 – wegen des großen Erfolgs verlängert“) bekennen sich Spieler und Trainer offen zum großen Ziel Aufstieg. Tayfun Pektürk, der den „Fürther Nachrichten“ seine Verwunderung über die Leverkusener Leistung beim 0:3 gegen den FCN gestand, hält heute Abend auch den Einzug ins Viertelfinale für möglich. „Ich glaube immer noch, dass wir das bessere Team sind.“ Reporter Günter Koch, der Augenzeuge der Zerfledderung von Union Berlin wurde, sieht das offenbar ähnlich. „Fürth spielt sich für Dienstag in die Favoritenrolle.“
Als der FCN-Aufsichtsrat diesen Satz sagte, konnte er von Glück reden, dass Büskens außer Hörweite war. Allzu euphorisches Lob seiner derzeit auf Tabellenrang zwei rangierenden Elf macht ihn fuchsteufelswild, zuviel Skepsis allerdings auch. Kaum hatte Union-Trainer Uwe Neuhaus seine Lobeshymne über Qualität, Tempo und Spielkultur der Fürther Elf zu Protokoll gegeben, traf die Journaille im kleinen Fürther Presseraum ein strafender Blick. Büskens grantelte, was das Zeug hält. Diesmal hatte ihn ein Videotext-Artikel auf die Zinne gebracht, der die Leistung seiner Elf beim vorherigen (!) Spiel in Frankfurt nicht angemessen gewürdigt hatte.
Der ehemalige Schalke-Spieler Büskens, der mit seiner Familie im Herzen der Gelsenkirchener Innenstadt wohnt, hat seine Gattin bei einem Schalke-Spiel kenneneglernt. Er ist es gewohnt, beim Tanken, beim Bäcker und beim Steuerberater auf den Verein angesprochen zu werden, der die Menschen vor Ort bewegt. Doch Fürth ist nicht Schalke, Fürth ist nicht einmal der FCN, der selbst in Fürth fast so viele Sympathien genießt wie die Grün-Weißen selbst. Nach Jahrzehnten in der Dritten und Vierten Liga ist das „Kleeblatt“, das in den Zwanzigern immerhin dreimal Deutscher Meister war, erst allmählich wieder dabei, sich eine Fanbasis zu erarbeiten. Büskens geht das alles bei weitem nicht schnell genug. Die nicht eben feurige Atmosphäre im manchmal nur mit 7000 Fans gefüllten Ronhof frustriert ihn. „Ist das ein Hexenkessel“, spottete er nach dem 3:0 gegen Rostock im vorletzten Heimspiel und bekam daraufhin in den „Fürther Nachrichten“ Nachhhilfe in Ethnologie: „Der gemeine Franke, vor allem der gemeine Kleeblattfan, brennt nun mal nicht wie eine Fackel. Eher wie Steinkohle.“ Immerhin: Am Dienstag ist die Gästekontingent ausverkauft.
Zurück |
