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Löschen, verzichten oder weitermachen?
Sie sind ein Opfer der Wirtschaftskrise, die in Ostfriesland eine Werftenkrise ist: Kickers Emden ist mit etwa drei Millionen Mark Schulden zahlungsunfähig. Wie geht es weiter mit dem Klub, der mal in die Zweite Liga aufsteigen wollte? Von Roger Repplinger

Es geht um die Existenz: Kickers Emden ist ein Opfer der Wirtschaftskrise
Wenn ein Verein „Kickers“ heißt, dann ist er alt. Normalerweise. Gegründet im 19. Jahrhundert, als Fußballclub englischer Tradition. Nicht in Emden. Kickers Emden wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Kickte mal Verbandsliga, Oberliga, Regionalliga, Dritte Liga, wollte in die Zweite Liga aufsteigen, ist nun in der Oberliga, der Fünften.
Bleibt dort nicht, denn der Verein ist mit etwa drei Millionen Euro Schulden zahlungsunfähig, und hat zwei Möglichkeiten: Entweder eine Insolvenz, dann besteht die Chance, in der Landesliga weiter zu machen, oder keine Insolvenz, dann wird der Verein gelöscht und muss, wenn der Kreis mitmacht, in der Kreisliga, ganz unten, wieder anfangen. Wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, haben Insolvenzverwalter und Verein sechs Monate Zeit, um die Kickers wirtschaftlich zu sanieren.
Um eine Insolvenz zu erreichen, müssen die Gläubiger – einige sind den Kickers verbunden – auf Teile ihrer Forderungen verzichten. Die Spieler müssen Abstriche machen. Wer das nicht kann, hat die Möglichkeit, in der am 1. Januar beginnenden Transferperiode zu wechseln. Ziel ist es, die Ausgaben unter 90.000 Euro pro Saison zu drücken. Außerdem bemühen sich die Kickers um Sponsoren, einer für den Nachwuchs wurde gefunden, dort ist der Spielbetrieb bis Saisonende gesichert. Was die erste Mannschaft anbelangt, haben die Kickers bis 12. Februar Zeit, dann spielt die Oberliga wieder.
Günter Schmaler ist Rechtsanwalt. Er war zwei Jahre, bis November 2011, Kickers-Präsident. Danach, als er beim Amtsgericht Insolvenz anmeldete, blieb er kommissarisch im Amt. Sein Nachfolger wurde vor wenigen Tagen Günther Kunz, auch er Jurist, Fachmann für Insolvenzrecht. Kunz kann gut mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Axel Gerbers aus Bremen.
Vor zwei Jahren, beim Rückzug aus der Dritten Liga, standen Vorstand und Aufsichtsrat der Kickers schon einmal vor der Frage der Insolvenz – Schmaler: „Damals schien mir das wirtschaftlich noch nicht notwendig zu sein.“ Nun ist der Verein überschuldet, „aber nicht so, dass eine Insolvenz ausgeschlossen ist“, sagt Schmaler. In die Bredouille gerieten die Kickers, weil zwei wichtige Sponsorenverträge nicht zustande kamen.
Die Kickers sind ein Opfer der Wirtschaftskrise, die in Ostfriesland eine Werftenkrise ist. Emden verlor seine letzte Werft, die Nordseewerke, 1903 gegründet, zuletzt eine Tochter von Thyssen-Krupp. Am Ende hatte die Werft noch 1400 Beschäftigte in den Bereichen Marine- und Handelsschiffbau sowie Schiffsreparatur. Zum Oktober 2009 übernahm die Schaaf Industrie AG das Gelände, die dort Bauteile für Offshore-Windenergieanlagen herstellt. Auch Reeder, die zu den Sponsoren der Kickers gehörten, bekamen Probleme. Schmaler erinnert sich an einen Reeder, der eine Zusage von 150.000 Euro nicht einhalten konnte.
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