BUNDESLIGA
Zwei Clubs, eine Philosophie
Freiburgs neuer Trainer debütiert ausgerechnet beim Duell des Letzten gegen den Vorletzten Augsburg. Und erklärt, warum die Millionen aus dem Cissé-Transfer nicht unbedingt reinvestiert werden. Von Christoph Ruf, Freiburg.


Papiss Demba Cissé

Papiss Demba Cissé köpft: In Newcastle bekommt er das Trikot mit der Nummer neun, die zuvor Clublegende Alan Shearer trug Foto Pixathlon


Auch die Beschwörungen aus der Fankurve („Papiss, du bist ein Freiburger!“) waren umsonst: Papiss Demba Cissé wird anno 2012 nur noch einmal nach Freiburg kommen. Er wird dann seine Siebensachen packen und eilig den nächsten Flieger Richtung Nordengland besteigen, wo er ab Februar seine Tore für den FC Newcastle schießen wird. Und weil dem SC damit der einzige Spieler abhanden gekommen ist, der dem Fußballpublikum auch nördlich von Offenburg geläufig war, fiel das Medienaufkommen am Donnerstag besonders üppig aus. Zumal am Samstag ein Spiel ansteht, das der SC tunlichst gewinnen sollte: zu Gast ist der FC Augsburg, dessen Vereinsphilosophie der der Breisgauer zum Verwechseln ähnelt, der aber einen entscheidenden Vorteil aufweist: Er hat zwei Punkte mehr auf dem Konto, belegt damit nur den vorletzten Platz und kann es sich leisten, vor dem Abstiegsduell via „kicker“ ein wenig lauter auf die Trommel zu schlagen: „Wenn man zu Hause gegen den Vorletzten nicht gewinnt“, fragt FCA-Manager Andreas Rettig, „gegen wen dann?“

 Am Donnerstag beantwortete der neue SC-Trainer Christian Streich diese rhetorische Frage nur indirekt: Nein, „ein Endspiel“ sei die Begegnung nicht. Sein Credo –Kommunikation  ist im Fußball ein entscheidender Faktor – gilt ja auch eher für die Mannschaftsführung als für die Außendarstellung, bei der das SC-Urgestein ähnlich bescheiden auftritt wie seine Vorgänger Marcus Sorg und Robin Dutt. Aus dem Winter-Trainingslager ist der SC-Tross dennoch mit erkennbar breiterer Brust zurückgekommen. Mittelfeldmann Julian Schuster, der nach dem erzwungenen Weggang von Heiko Butscher, zum Kapitän gewählt wurde, berichtet, im fernen Andalusien sei „etwas in Gang gekommen.“ Der neue Coach verstehe es zu „begeistern.“

Streich, der von Sommer an als Assistent des kurz vor Silvester geschassten Marcus Sorg tätig war und zuvor seit 1995 als Jugendtrainer und Leiter der „Fußballschule“ arbeitete, mag diese Vergleiche nicht, aber auch er zieht eine positive Bilanz des Trainingslagers: „Alle haben mitgezogen, waren konzentriert und motiviert. Es muss sich aber erst noch zeigen, was das für den Start in die Rückrunde heißt.“ Zumal der Club auch atmosphärisch auf dünnem Eis wandelt. Schon vor den Turbulenzen der Winterpause gellten immer wieder Pfiffe durchs Stadion. Sollten die nächsten beiden Spiele gegen Augsburg und Mainz verloren gehen, dürfte es bei Heimspielen nicht gemütlicher werden. Zumal mancher Fan nicht verstehen mag, warum unter den sechs Spielern, denen der SC kurz vor Weihnachten den Stuhl vor die Tür setzte, mit Heiko Butscher auch die Identifikationsfigur des Clubs war.

Immerhin konnten die beiden Planstellen in der Defensive im Winter neu besetzt werden. Der Däne Michael Lumb wurde von Zenit St. Petersburg ausgeliehen, er soll Bastians Platz auf der linken Außenbahn übernehmen. In der Innenverteidigung dürfte morgen Fallou Diagné (FC Metz) debütieren, der seine Stärken da haben soll, wo die Schwächen der Stammbesetzung (Oliver Barth, Pavel Krmas) liegen: In der Spieleröffnung und in der Grundschnelligkeit. Mitte der Woche gesellte sich noch Sebastian Freis hinzu, der aus Köln kam und aus gutem Grund betont, er sei in keinerlei Hinsicht ein Cissé-Nachfolger. Auch der Transfer des Defensivallrounders Karim Guédé, von dem sich Slovan Bratislava nur schwer trennen wollte, ist mittlerweile in trockenen Tüchern. Ein Ersatz für Cissé soll übrigens nicht auf Teufel komm heraus gesucht werden: „Wir schauen uns um“, sagte Streich. Aber man werde keinen Spieler verpflichten, der das Gehaltsgefüge sprenge; lieber vertraue man auf die vier Stürmer, die bereits im Kader sind: „Das wird auf gar keinen Fall passieren. Das ist eine Frage der Vereinsphilosophie.“ Einer Vereinsphilosophie, die man mit dem morgigen Gegner teilt, wie Streich betonte.

Auch der Etat des FC Augsburg ist – genau wie der des FCK und des SC Freiburg – deutlich niedriger als der manches ambitionierten Zweitligisten. Auch die Konkurrenz widerstand ja der Versuchung, im Winter teure Transfers zu tätigen. „Es ist wichtig, dass der Verein nicht nur auf heute oder morgen schaut“, sagte Jos Luhukay dieser Zeitung. „Natürlich wollen wir auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen. Aber wenn es wieder einen Schritt zurückgeht, müssen wir in der Lage sein, sofort wieder aufzusteigen.“ Als Christian Streich am Donnerstag mit diesem Satz konfrontiert wird, lächelt er: „Das ist ein sehr vernünftiger Ansatz. So sollte man das angehen.“



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