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BUNDESLIGA
Barrios statt Mandarin
Nach dem dritten Sieg im Jahr 2012 redet Jürgen Klopp lieber über den Torschützen als über die Titelverteidigung. Von Christoph Ruf, Nürnberg.


Lucas Barrios

Jubelt in Nürnberg: Lucas Barrios, der in Dortmund zuletzt kaum gespielt hatte
Foto: Pixathlon


Dortmunds Trainer Jürgen Klopp stand nach dem 2:0-Sieg in Nürnberg noch lange mit seinem Kollegen Dieter Hecking zusammen. Die beiden dürften dabei auch über den Dialog in der Pressekonferenz geredet haben, bei dem Klopp Hecking mit einem dezent vergifteten Kompliment als „schlauen und cleveren Kollegen“, bezeichnet hatte. Unausgesprochener Vorwurf: Hecking habe den BVB durch sein Lob („Dortmund ist im Sommer Meister“) zwei Tage vor Anpfiff noch mal zusätzlich unter Zugzwang gesetzt, um die eigenen Chancen zu verbessern.

Nichts können sie in Dortmund derzeit weniger brauchen als eine Debatte über die Favoritenrolle im Meisterschaftskampf. Doch die Frage, ob dieser BVB denn nun der größte Konkurrent der Bayern sei, stand auch in Nürnberg im Zentrum der Debatten stand. Zwei Journalisten, einer von der ARD, einer vom ZDF, hatten sich sogar die Mühe gemacht, die entsprechende Frage auf Mandarin zu stellen – in Anspielung auf eine Klopp-Aussage, er werde dazu allenfalls etwas sagen, wenn die Frage in akzentfreiem Hochchinesisch formuliert sei.

Am Freitag Abend setzte Klopp stattdessen auf Hochdeutsch zu einem Plädoyer an, das leidige Thema Meisterschaft doch bitte einmal beiseite zu legen. Zumal der BVB nicht alleine als Konkurrent der Bayern auftrete, sondern zwei andere Teams außergewöhnlich viele Punkte beisammen hätten. „Wenn du da oben mitspielen willst, musst du ja fast jedes Spiel gewinnen.“ Außerdem, so Klopp, werde er schon aus einem einzigen Grund alles daran setzen, dass seine Spieler nicht bereits im Februar an den letzten Spieltag denken: „Dieser Druck würde nur den Spaß am Fußball nehmen. Und das wollen wir nicht.“

Einen dritten Grund sprach Klopp nicht ganz so deutlich an. Im Gegensatz zu den schwindelerregend starken Dortmunder Leistungen gegen den HSV (5:1) und Hoffenheim (3:1) war das dritte Spiel des Jahres ein durchaus irdischer Auftritt gewesen. Von einem Niveauunterschied zwischen beiden Mannschaften war allenfalls in der zweiten Halbzeit etwas zu spüren, als der BVB die Partie besser in den Griff bekam und der FCN nicht mehr so entschlossen das Dortmunder Tor beackerte wie im ersten Durchgang. Auch da hatte der BVB zwar durchaus Chancen, die Stürmer Robert Lewandowski (22./34.) und Kevin Großkreutz (26.) vergaben. Doch das druckvollere Team war der Club aus Nürnberg, der allerdings erneut eine besorgniserregende Chancenverwertung an den Tag legte. Allein Stürmer Tomas Pekhart hatte wieder zahlreiche gute Gelegenheiten (18./19.), auch Dominik Maroh (10.) und Timmy Simons (12.) stellten sich nicht besser an. Hätten die Gastgeber auch nur eine halbwegs intakte Offensive – es wäre eng geworden für den Deutschen Meister.

So aber freuten sich die Borussen über einen letztlich verdienten 2:0-Sieg im Nürnberger Eiskeller, den Sebastian Kehl nach einer schönen Kombination (48.) und der eingewechselte Lucas Barrios (82.) herausgeschossen hatten. Und das war nun wirklich eine Pointe, an der auch Klopp Gefallen fand. Dass ausgerechnet der Spieler getroffen hatte, der trotz einiger „ernsthafter Anfragen“ beim BVB geblieben ist, fand Klopp genauso „großartig“ wie die Tatsache, dass fast die komplette Mannschaft auf Barrios  zustürzte, um ihm zum Tor zu gratulieren. Darüber freute sich auch der Torschütze. „Die letzten Monate waren schwierig für mich. Aber die Leute haben mir immer wieder gesagt, dass meine Chance kommen würde. Und so war es ja auch.“ Sprach`s und ging in den vorgeheizten Mannschaftsbus. Mittlerweile zeigte das Thermometer minus 12 Grad an.



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