BUNDESLIGA
So energisch, so druckvoll
Der SC Freiburg trennt sich 2:2 von Werder Bremen – der vierte Punkt im dritten Spiel unter dem neuen Coach Christian Streich. Von Christoph Ruf, Freiburg.
"Stinkesauer": Claudio Pizarros zwei Tore reichten dem SV Werder nicht, um in Freiburg zu gewinnen
Foto Pixathlon
Christian Streich konnte seinen Ärger nach dem Schlusspfiff nur schlecht kanalisieren: „Das Spiel musst du einfach gewinnen. Schade, dass sich meine Mannschaft für diese engagierte Leistung nicht belohnt hat.“ In der Tat war der SC beim 2:2 gegen Werder Bremen über 90 Minuten das energischere, druckvollere Team gewesen, 18 zu 8 Torschüsse, 7:1 Ecken und eine positive Zweikampfbilanz gaben dem SC-Coach in seiner Einschätzung Recht. Und dennoch hatten auch die Bremer ein schlagendes Argument für ihre Unzufriedenheit: „Ich bin stinkesauer“, sagte der doppelte Torschütze Claudio Pizarro, „wenn man zwei Mal in Führung liegt, darf man solch eine Partie nicht mehr aus der Hand geben.“
Schon im ersten Durchgang hatte der spielerisch deutlich verbesserte Tabellenletzte die klareren Torchancen. Zunächst verfehlte ein Drehschuss von Cédrick Makiadi das Tor nur knapp (20.), dann traf Neuzugang Michael Lumb mit einem Distanzschuss die Latte – Werder-Torwart Tim Wiese hatte nicht einmal den Versuch unternommen, noch zu klären. Wieses Gegenüber Oliver Baumann sollte wenige Minuten später weniger Glück haben. Nach einem raumgreifenden Doppelpass mit dem starken Neuzugang Zlatko Junuzovic traf Claudio Pizarro zur 1:0-Führung (29.) – es war die erste Werderchance des Spiels. Doch die Bremer Freude sollte nicht lange anhalten. Nur drei Minuten später fiel der Ausgleich. Nach einem Eckball des starken Lumb war Makiadi per Kopf zur Stelle und markierte das 1:1 (32.), das bis zur Pause Bestand haben sollte. Die Freiburger Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit freundlichem Applaus in die Kabine. Gegen den Angstgegner war der SC zu Hause vor gerade einmal zwei Jahren mit 0:6 untergegangen, und auch das Hinspiel (5:3) hatte torreich geendet. Umso erfreulicher aus Freiburger Sicht, dass der SC diesmal vor allem defensiv zu überzeugen wusste. Im Mittelfeld wurde konsequent gedoppelt, die Abwehr gab sich kaum eine Blöße. Was umso überraschender war, als Streich bei der Kader-Nominierung Mut bewiesen hatte. In der Innenverteidigung schenkte er dem 20-jährigen Immanuel Höhn das Vertrauen und verhalf ihm so zum ersten Bundesligaspiel seiner Karriere.
Das Eigengewächs traf auch keine Schuld am zweiten Treffer von Claudio Pizarro (47.), der Goalgetter erzielte seinen zehnten Treffer im 15. Spiel gegen den SC. Er war dabei von Mehmet Ekici in Szene gesetzt worden und spielte seine individuelle Qualität beeindruckend aus. „Ein schwerer individualtaktischer Fehler“, ärgerte sich Streich über den vorausgegangenen Ballverlust. Mit dem Spiel seiner Mannschaft war er dennoch „hochzufrieden“. Und das aus gutem Grund. Schließlich drängte der SC auch nach dem neuerlichen Rückschlag weiter auf ein Erfolgserlebnis und blieb die dominierende Mannschaft. Trainer Streich brachte mit Stefan Reisinger und Ivan Santini sogar noch zwei zusätzliche Stürmer, als sich Innnenverteidiger Pavel Krmas verletzte und ausscheiden musste, war das Wechselkontingent erschöpft. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der SC bereits den verdienten Ausgleich erzielt. Der kroatische Neuzugang Santini, der vom abgewanderten Papiss Demba Cissé auch die Rückennummer 9 übernommen hat, fügte sich gleich prima ein und bereitete das 2:2 durch Jonathan Schmid vor (70.). „Wir haben Moral bewiesen und gezeigt, dass wir bundesligatauglich sind“, sagte sich SC-Mittelfeldmann Johannes Flum. „Jetzt müssen wir aber am Freitag in Wolfsburg nachlegen.“