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DFB-POKAL
Schalke im Nacken
Mike Büskens hat Greuther Fürth zum spielstärksten Team der Zweiten Liga geformt. Nun ist seine Elf ins Pokal-Halbfinale eingezogen und will im Sommer gegen den Club spielen, von dem ihn nur Felix Magath trennen konnte. Von Christoph Ruf.


Mike Büskens
Ehrgeiziger Trainer bei Greuther Fürth: Mike Büskens, Ur-Schalker
Foto Pixathlon

 

Neulich ist Mike Büskens seinem Lieblingsclub untreu geworden. Als das Spiel zwischen Schalke 04 und Mainz 05 angepfiffen wurde, saß er im Auto – irgendwo im Hessischen zwischen Fürth und Gelsenkirchen, jener Stadt, die für ihn so viel mehr ist als ein Wohnort.

Es musste so sein, schließlich weiß Büskens, der gegen Pathos per se nichts einzuwenden hat, dass „man Außergewöhnliches leisten muss, wenn man Außergewöhnliches erreichen will.“ Und das Spiel am Vorabend war allenfalls außergewöhnlich schlecht. 3:1 hatte die von ihm trainierte Spielvereinigung in Dresden verloren. Ein Team, das aufsteigen will, „darf so nicht auftreten“, grantelt der Coach noch einen Tag darauf. „Wir haben die Fehler noch mal ganz klar angesprochen“, sagt Büskens, der ans rituelle lockere Auslaufen noch eine ausführliche Mannschaftsbesprechung hängte. Ansonsten wäre er wohl spätestens bei Anpfiff auf seinem Platz in der „Veltins Arena“ gesessen, um seinen Schalkern die Daumen zu drücken.

Büskens, der seine Karriere bei Fortuna Düsseldorf begann, hat von 1992 bis 2002 bei Schalke gespielt, danach arbeitete er dort als Trainer der zweiten Mannschaft, sowie als Co- und Interimstrainer der ersten Equipe, ehe er auf Geheiß von Felix Magath zusammen mit seinen Mitstreitern Youri Mulder und Oliver Reck gehen musste. Der 43-Jährige, der auch seine heutige Frau in der Arena kennengelernt hat, wohnt noch heute in zentraler Lage in der nicht eben als architektonische Perle bekannten Malocherstadt an der Emscher. „Die Menschen im Ruhrgebiet knallen dir auch Unangenehmes direkt vor den Kopf. Das finde ich wunderbar.“ Auch die Fußballverrücktheit an der Ruhr gefällt ihm. Wo er Brötchen holen geht, reden die Leute über Schalke. Der Kassierer an der Tankstelle und der Steuerberater auch.

So einer kann nicht immer glücklich sein, wenn er bei einem Verein arbeitet, der so wenige Fans hat wie Fürth. „Ich komme eben aus einer Region, in der die Leute in Scharen strömen, sobald ein Flutlichtmast angeht“, sagt Büskens, und es klingt fast entschuldigend.

Natürlich haben sie auch in Fürth Flutlicht. Nur die Massen strömen nicht so recht. Knapp 10.000 Zuschauer kamen in der Hinrunde. Büskens kommentiert das angemessen tapfer. Es gäbe ja auch in Fürth viele, „denen der Verein echt am Herzen liegt“. Da habe man die Pflicht, so aufzutreten, dass alle wiederkommen.

Die Zurückhaltung der Zuschauer ist ungerecht. Seit dem Aufstieg 1997 kratzte das „Kleeblatt“ oft am Aufstieg, den Fans wird alle zwei Wochen ein Spektakel geboten: Acht der zehn Heimspiele wurden gewonnen – bei 25:7 Toren. Und regelmäßig schwärmen die Trainer der unterlegenen (und oft deutlich finanzkräftigeren) Konkurrenz von der fußballerischen Klasse der wohl spielstärksten Elf der Liga. „Ich hoffe schon, dass das kein Zufall ist“, lacht Büskens, „wir suchen zielgerichtet Spieler mit guter Grundschnelligkeit und guter Technik.“ In dieser homogen besetzten Mannschaft, in der zuletzt allenfalls Keeper Max Grün ein wenig abfiel, stechen Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal, die beiden Eigengewächse Stephan Schröck und Edgar Prib sowie die beiden Stürmer Olivier Occean und Christopher Nöthe (beide zehn Saisontreffer) heraus. Im Winter kam Gerald Asamoah dazu – noch so einer mit Schalker Blut in den Adern, wie sie am Ronhof feixen. „Uns fehlte einer, der den Ball mit dem Rücken zum Tor behaupten kann“, begründet Büskens den Transfer, der „finanziell gut ins Konzept gepasst“ habe. Im Übrigen sei „Asa“ einer, der trotz seines Status als Ex-Nationalspieler keine schlechte Stimmung verbreite, wenn er wie gegen Dresden nicht einmal eingewechselt wird.

Im Sommer hätte Büskens zum FC St. Pauli wechseln können. Es war nicht das einzige attraktive Angebot für den 43-Jährigen, der seit Dezember 2009 in Fürth arbeitet. Doch Büskens blieb. „Hier haben mir Leute vertraut, als ich noch ein unbeschriebenes Blatt war“, sagt der 43-Jährige, „da laufe ich doch nicht bei der erstbesten Chance weg, um die Karriereleiter hochzuklettern.“

Zumal er mit dem Kleeblatt noch viel vorhat. Der Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale durch einen Sieg gegen Hoffenheim war ein beachtlicher Erfolg. Nach dem verdienten Achtelfinal-Sieg im Derby gegen Nürnberg wurde in der Fürther Kneipenmeile Gustavstraße bis in die Morgenstunden ein Lied gesungen, das bis dato auch die eingefleischtesten Fans nicht kannten: „Wir ham den Derbysieg, der uns am Herzen liegt. Und nächstes Jahr – Bundesliga.“ Angestimmt hatte es Mike Büskens. Er hatte sich den Text Tage vorher ausgedacht.

 

 



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