BUNDESLIGA
Tabuzone Strafraum
Das Abstiegsrennen bleibt spannend. Schwache Nürnberger erduseln sich in Augsburg ein Remis. Von Christoph Ruf, Augsburg.

"Bedanken beim Fußballgott": Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer nach dem 0:0 in Augsburg
Foto: Pixathlon
Unterschiedlicher kann ein 0:0 kaum aufgenommen werden. Während die Augsburger Fans ihr Team mit Applaus in die Kabine schickten, mussten sich die Club-Spieler ein gellendes Pfeifkonzert anhören. Club-Kapitän Raphael Schäfer konnte das nachvollziehen: „So wie das Spiel gelaufen ist, müssen wir uns beim Fußballgott bedanken, dass wir einen Punkt mitnehmen können.“ In der Tat war der Club in einem schwachen Bundesligaspiel das schlechtere Team. Vor allem im ersten Durchgang lieferte Nürnberg einen indiskutablen Auftritt.
Der FC Augsburg, bei dem vor dem Spiel die ehemaligen Spieler Uwe Möhrle (jetzt Cottbus) und Michael Thurk (Heidenheim) mit einem großen Blumenstrauß verabschiedet wurden, begann hingegen druckvoll und engagiert und erspielte sich in der Anfangsviertelstunde zwei gute Möglichkeiten. Vor allem Tobias Werner legte auf der rechten Außenbahn ein Tempo vor, das die Nürnberger Defensive immer wieder in Verlegenheit brachte. In der zehnten Mitte strich sein Schuss nur knapp über die Latte. Wenige Minuten darauf mussten Philipp Wollscheid und FCN-Keeper Raphael Schäfer mit vereinten Kräften (15) erneut gegen Werner retten, der von Torsten Oehrl prima freigespielt worden war. Danach erklärten beide Mannschaften die gegnerischen Strafräume erst einmal zur Tabuzone. Der Gast weigerte sich gar völlig, Fußball zu spielen und beschränkte sich darauf, das Spiel der leidenschaftlich spielenden Augsburger irgendwie zu zerstören. „Wir wussten, dass das ein Kampfspiel werden würde,“ sagte Raphael Schäfer, „aber offensichtlich will nicht jeder die Tugenden zeigen, die jetzt gefragt sind.“
Tatsächlich wirkte er 1. FC Nürnberg im ersten Durchgang merkwürdig passiv und kam allenfalls mal mit planlos nach vorne geschlagenen Bällen in die gegnerische Hälfte. Coach Dieter Hecking hatte überraschend Maik Frantz, Almog Cohen und Albert Bunjaku ins Team berufen, Christian Eigler, Jens Hegeler und Alexander Esswein mussten dafür auf die Bank. Dem Vernehmen nach war Hecking mit deren Verhalten in den zurückliegenden Tagen unzufrieden gewesen – was Schäfer indirekt mit der Aussage bestätigte, es sei „auch eine Einstellungssache, ob man Bundesligaspieler wird oder nicht.“
Schäfers Trainer hatte im Vorfeld versucht, den Gegner ein wenig nervös zu machen. Mit einem Unentschieden „können sie nicht leben“, hatte Hecking über die Augsburger behauptet, ihm und seiner Mannschaft reiche hingegen schon ein Punkt. Auf der anderen Seite wissen auch die Club-Verantwortlichen, wie eng die Teams im Tabellenkeller beisammen sind. Hecking selbst hatte im Vorfeld schließlich zu Protokoll gegeben, dass Freiburg, Augsburg, Kaiserslautern, Hertha und eben der Club wohl die beiden Absteiger unter sich ausspielen würden. Und der FC Augsburg (17) wäre bei einem Sieg nahe an den fränkischen Traditionsverein (21) herangerückt. Und der FCA trat wie ein Team auf, das ebendas auch ganz genau weiß. Bei Nürnberger Ballbesitz stürzten sich meist zwei Weißgekleidete auf den ballführenden Nürnberger, der dann auch prompt häufig den Ball verlor und zum Ärger der 5000 mitgereisten Fans auch die nötige Laufbereitschaft vermissen ließ. Die Pfiffe, die zur Halbzeit erschallten, waren dementsprechend laut. Sie kamen samt und sonders aus der Gästekurve und waren eine angemessene Reaktion auf die blamable Vorstellung der Nürnberger.
Auch der zweite Durchgang blieb zunächst arm an Strafraumszenen. Nach einem Werner-Freistoß prüfte Sebastian Langkamp FCN-Keeper Schäfer (52.), ehe auf der anderen Seite Almog Cohen mehrere Meter übers Tor schoss. Es war nach exakt einer Stunde die erste Situation, die gutmütigere Statistiker eventuell als Torchance verbucht hätten. Immerhin: In der Schussphase kam doch noch etwas Leben in die Strafräume. Gleich zwei Mal scheiterte der eingewechselte Alexander Esswein (76./84.). Und auf der Gegenseite lenkte Raphael Schäfer mit einer sehenswerten Parade einen Schuss von Ja-Cheol Koo an die Latte (85.). „Wir haben gut dagegengehalten und hätten mehr verdient gehabt“, ärgerte sich Sebastian Langkamp. Immerhin für ihn selbst endete der Sonntag dennoch erfreulich. Seine Bilanz von 87 Prozent gewonnen Zweikämpfen ist rekordverdächtig.