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KOLUMNE
Trainingshose gegen Maßanzug
Joe Zinnbauer ist wirtschaftlich unabhängig, aber auf dem Boden geblieben. Beste Voraussetzungen für den Durchbruch als Cheftrainer beim Hamburger SV. Teil 4 der Kolumne von Samira Samii.

 

Joe Zinnbauer Trainer beim Hamburger SV: Josef "Joe" Zinnbauer. Foto: Pixathlon

 

Es war im Jahr 2008 als ich bei einem Spiel von Greuther Fürth einen jungen Trainer vom VfB Oldenburg kennenlernte: Joe Zinnbauer. Zu dieser Zeit war ich PR-Beraterin von Joe Mnari, der damals beim 1. FC Nürnberg spielte. Zinnbauer war von Anfang an ein sympathischer und freundlicher Gesprächspartner, der absolut auf dem Boden geblieben ist. Zwar hat er als Spieler nur wenige Zweitligasspiele gemacht, unter anderem als Mannschaftskamerad von Jürgen Klopp beim 1. FSV Mainz 05, aber es steckte viel mehr in ihm. Schon während seiner Fußballkarriere war er Unternehmer und verdiente viel Geld mit seinem Unternehmen, der Zinnbauer Unternehmensgruppe. Trotz seines unternehmerischen Erfolgs, der auch viele Neider hervorbrachte, war es immer das Ziel von Joe Zinnbauer, einmal im Fußball erfolgreich zu sein.
 
Am 17. September 2014 war es dann endlich so weit: Joe Zinnbauer wurde Chef-Trainer beim angeschlagenen HSV und Nachfolger von Mirko Slomka. Bereits drei Tage später empfing das Bundesliga-Schlusslicht HSV den großen FC Bayern mit seinem Super-Trainer Pep Guardiola, der im Vorfeld bekannt gab, dieses Spiel ist das gefährlichste des Jahres.  Ich habe Joe stets sehr elegant und modisch gekleidet erlebt. Sehr gut und sehr edel war er immer angezogen mit großen Marken. Beim Vergleich mit Guardiola heißt es wiederum Kapuzenshirt und Trainingshose gegen feinsten Maßanzug. Die Medien berichten von einem Jahresgehalt von 12 Millionen Euro bei Guardiola, während Zinnbauer angeblich 120.000 Euro im Jahr verdient. Trotz dieser Unterschiede sind beide im positiven Sinne Fußballverrückte, die mit Ihrer Begeisterung für diesen Sport ihr ganzes Team infizieren. Aber der Chef-Trainer ist die zweite oder dritte Karriere Zinnbauers, denn mit seinem Unternehmen generierte er bereits vor über zwölf Jahren einen Umsatz von mehr als 70 Millionen DM machte. Vielleicht macht genau diese Unabhängigkeit und Gelassenheit ihn so gefährlich. Nach 90 Minuten stand es in Hamburg 0:0 und Zinnbauer hat es geschafft, den FC Bayern zu ärgern und einen Punkt zu gewinnen.
 
Natürlich ist der HSV deswegen noch keine reine Siegmannschaft und spielt ab jetzt um die Meisterschaft mit, aber es geht deutlich bergauf. Zinnbauer traf mit seinem neuen HSV gegen seinen ehemaligen Mainzer Mitspieler Jürgen Klopp, der früher über Joe sagte, „als wir noch zusammenspielten, hatte ich kein Handy und Joe schon drei, die er alle für seine Geschäfte brauchte“. Durch das Tor von Pierre-Michel Lasogga gewann der HSV mit 0:1 gegen den BVB in dessen ausverkauften Arena.
 
Vielleicht war dies die Geburtsstunde eines jungen erfolgreichen Bundesligatrainers.
Vielleicht schafft es Zinnbauer nun seinen Unternehmerischen Erfolg in seine große Leidenschaft, den Fußball, zu transferieren.

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Samira Samii



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