Zurück  |  

KOLUMNE
Paul Breitner oder die Unfähigkeit der Anderen!
Alles Pfeifen außer den Münchnern? Paul Breitner, Markenbotschafter des FC Bayern, hat die anderen Bundesligaklubs bei „Sport1“ gegen sich aufgebracht. Die RUND-Kolumne von Samira Samii schätzt Breitner sehr, doch mit dieser Äußerung kann sie wenig anfangen.

 

Paul BreitnerNur den FC Bayern auf dem Zettel: Paul Breitner bei einer Champions-League-Auslosung. Foto Pixathlon

 

Ich kenne Paul Breitner bereits seit einigen Jahren und wir hatten schon viele gute Gespräche. Oft hatte er mich mit Fußballverstand, seiner großen Erfahrung und einer gewissen Weisheit überzeugt. Seine Antworten waren stets überlegt, intelligent und in ihnen lag immer auch etwas Philosophisches. Alles, was er sagte, hatte Hand und Fuß und man konnte sich zu einhundert Prozent auf ihn verlassen.
 
Was ich jedoch im Dezember 2014 über ihn lesen durfte hat mich sehr überrascht und der Wortlaut seiner Äußerungen auch enttäuscht. Vielen anderen ging es ähnlich, schlug man die Zeitung auf, gab es Kritik der anderen Bundesligaklubs und der Journalisten an Paul Breitner. Doch was war passiert? Zunächst sprach sich der frühere Bundestrainer und ehemalige Gladbach-Ikone Berti Vogts in der „Sport1“-Sendung „Doppelpass“ für eine Umverteilung der TV-Gelder aus, um die Dominanz der Bayern einzudämmen.
 
Heißt im Klartext, dass die schwächeren Vereine einen größeren Anteil der zu verteilenden Fernsehgelder bekommen, als zum Beispiel der FCB und somit finanziell, als auch sportlich aufholen können. Paul Breitner konterte: „Wir können für die Unfähigkeit der anderen Klubs doch nichts! Und wenn wir jetzt dahingehend bluten müssen, dass Gelder umverteilt werden, ist das einfach nur Schmarrn!“
 
Auf diese Äußerung hin meldete sich fast die gesamte Bundesliga wütend zu Wort. Kölns Sportchef Jörg Schmadtke sagte, „Ich kann nicht wirklich einschätzen, was vor 30 oder 40 Jahren passiert ist. Dass ein Verein sich so nach vorne entwickelt, während Köln und andere nicht mithalten konnten.“ Auch Bremens Manager Thomas Eichin meldete sich: „Die Bayern nutzen ihre beeindruckende Position, die sie sich hart erarbeitet haben, brutal und konsequent aus. Das bedeutet aber nicht, dass die anderen unfähig sind. Die Äußerung ist despektierlich!“
 
Objektiv betrachtet stellt sich die Lage so dar: Der FC Bayern München in der Saison 2014/2015 erneut Herbstmeister und dominiert die Liga. Die einzige Frage, die offen bleibt: „Wann wird der FCB Meister und gewinnen sie auch die Champions League?“ Die Bundesliga ist durch die Dominanz der Bayern langweilig geworden! Aber ist die Umverteilung von Fernsehgeldern das richtige Tool um dies zu ändern? Kurzfristig betrachtet vielleicht, aber die Bundesliga hätte dann auch einen „kommunistischen" Touch und wäre nicht mehr leistungsbezogen. Dürften dann auch alle Spieler nur das gleiche Gehalt verdienen, egal wie gut sie sind? Oder sollte man sogar schlechteren Spielern mehr Gehalt zahlen um ihnen ein besseres Training zu ermöglichen und einen größeren Anreiz zu schaffen. Ich denke nicht, dass dies Lösungsansätze sind, um die Übermacht des FC Bayern zu bekämpfen.
 
Warum sollte man sie auch bekämpfen? Gab es Stimmen gegen Dortmund als sie zweimal in Folge Meister wurden? Der FC Bayern hat sich über viele Jahre und Jahrzehnte mit Visionen und kaufmännischem Geschick sowie mit großer Professionalität und Solidität eine komfortable Situation geschaffen. Das muss man anerkennen.  
 
Ich denke, dass Paul Breitner im Grunde Recht hat, wenn er meint, dass der FCB über viele Jahre eine ganz hervorragende Arbeit geleistet hat. Die Kritik an seiner Äußerung ist trotzdem berechtigt, denn es ist weder fair, noch zutreffend dies mit der „Unfähigkeit der anderen Klubs“ zu erklären. Es ist eben nicht die Unfähigkeit der anderen Klubs, welche die Vormachtstellung des FCB erklären, sondern die besondere Fähigkeit des FC Bayern. Viele Vereine arbeiten gut und haben Erfolg, aber es gibt nur wenige Vereine mit einer derartigen Kontinuität über 40 Jahre und mehr. Es ist toll, was zur Zeit in Mönchengladbach, Wolfsburg, Leverkusen, Schalke oder auch in Augsburg geleistet wird. Auch der BVB wird in der Rückrunde eine Aufholjagd starten, da bin ich mir sicher! Es wird also an vielen Orten ganz hervorragende Arbeit geleistet.

 

Die Kritik an Breitners Äußerung ist also berechtigt. Aber auch gegen Berti Vogts wäre sie angebracht, dem als einzige Antwort auf die Übermacht der Bayern eine Umverteilung der TV-Gelder einfällt. Wie in der Wirtschaft üblich sollen die überaus erfolgreichen Unternehmen wie Apple, Microsoft oder der FCB als Vorbild und Motivation dienen und nicht durch Regularien auf das tiefere Niveau des Wettbewerbs gebracht werden.

 

Lesen Sie auch: „Junge Frau, es geht nicht, mit Ihnen Geschäfte zu machen!“
Gaby Schuster und Angela Häßler galten einst als toughe Verhandlungspartnerinnen, doch die Männerwelt Fußball tut sich schwer mit ihren Nachfolgerinnen: In Deutschland ist Samira Samii die einzige Frau, die beim Transferpoker mitmischt. Die Sport- und Marketingmanagerin träumt davon, Sportdirektorin eines Bundesligisten zu werden

 

Samira Samii 



Zurück  |