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KOLUMNE

WM-Auslosung 2022 in Doha: Stars – Scheichs – Eine Losfee und eine sehr mutige Frau
Die Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft wurde ausgelost. Der Gastgeber Katar trifft im Eröffnungsspiel auf Ecuador und Deutschland ist mit Spanien in einer schwierigen Gruppe. Von Samira Samii

 

samiikatar

Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Dr. Samira Samii

 

Vom 21.November bis zum 18. Dezember findet in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in Katar statt. Rund sieben Monate vor dem ersten Anpfiff in Katar wurden am 1. April 2022 die Lose gezogen und die Mannschaften den Gruppen zugeordnet. Dies alles fand in Doha in einer prunkvollen Zeremonie mit vielen Stars, der Herrscherfamilie Al Thani, dem Fifa-Präsidenten Infantino, der Losfee Lothar Matthäus und Lise Klaveness statt. Alle acht Gruppen sind fix und was haben sie zu bieten. Das Eröffnungsspiel bestreiten in der Gruppe A Gastgeber Katar und Ecuador, die in einer Gruppe mit den Niederlanden und dem Senegal sind. Die niederländische Presse feiert mit der Schlagzeile. „Traumlos für Oranje!“.

 

Die Gruppe B hat es in sich. Hier trifft mein Geburtsland Iran auf die USA und England und den Sieger aus den Playoffs zwischen Wales, Schottland und der Ukraine. In dieser Gruppe treffen Nachbarländer und eine Kriegsnation aufeinander. Der Telegraph in England schreibt: „Traumlos für England!“

 

Die Gruppe C ist eine spannende Gruppe mit dem Favoriten Argentinien, den starken Mexikanern und Polen sowie Saudi-Arabien und wurde von unserem guten Freund der Familie und Welttorjäger Ali Daei gezogen. In der Gruppe D ist es fast ein Déjà-Vu mit 2018 und dem großen WM-Favoriten Frankreich, Dänemark, Tunesien und dem Sieger aus den interkontinentalen Playoffs mit den Vereinigte Arabischen Emiraten, Australien und Peru. Ausgerechnet unser Rekordnationalspieler Lothar Matthäus loste Deutschland zu Mitfavorit Spanien in die Gruppe E. Ergänzt wird die Gruppe von Japan und dem Sieger aus Costa Rica und Neuseeland. In japanischen Medien wird die Gruppe martialisch als Todesgruppe bezeichnet. Für Deutschland und Spanien geht es bereits im zweiten Gruppenspiel um das Prestige, den Gruppensieg und die volle Konzentration im Turnier.

 

Die Gruppe F mit Favorit Belgien, dem Vize-Weltmeister Kroatien, Marokko und Kanada scheint ebenfalls schwer. Die Gruppe G mit dem Favoriten Brasilien, der Schweiz, Serbien und Kamerun ist auf dem Papier sehr ausgeglichen. In der Gruppe H trifft Cristiano Ronaldo mit seinen Portugiesen auf Uruguay, Südkorea und Ghana.

 

Mich hat es gefreut, dass meine Freunde Lothar Matthäus und Ali Daei bei der Auslosung als Losfeen besonders im Mittelpunkt standen. Bundestrainer Hansi Flick nahm das schwere Los, das ihm sein ehemaliger Mitspieler beim FC Bayern beschert hat, mit Humor und sagte, „Spanien, das ist schon der Hammer. Da muss ich mit Lothar noch mal drüber sprechen“. Aber alles in Allem hilft ein so starker Gegner in der Vorrunde von Anfang an die Konzentration hoch zu halten und früh die Weichen für ein erfolgreiches Turnier zu stellen.

 

Das größte Statement setzte aber Lise Klaveness, die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes. Sie ist eine starke Frau und mutiger als alle Fußball-Bosse in der Fifa. Beim Fifa-Weltkongress vor der WM-Auslosung in Katar übte sie als Einzige offen Kritik am Weltfußballverband mit seinem unsäglichen Präsidenten Gianni Infantino.

 

Sie nannte die Vergabe der WM an Katar „inakzeptabel“ und nannte Putins Angriffskrieg einen „brutalen Krieg in Europa“. Ihrer Meinung nach solle Druck ausgeübt werden und die Fifa dabei voran gehen. Aber der Weltverband tut nichts dergleichen. Im Publikum saßen Putins Fußball-Vertreter, während der Verbandschef der Ukraine mit kugelsicherer Weste aus der Heimat per Video zugeschaltet war.

 

Infantino nennt Katars Scheich Al Thani trotz alledem „meinen Bruder“ und verspricht mal wieder „die beste WM der Geschichte“. Übrigens hatte Infantino die WM in Russland 2018 bereits als „die beste WM bisher“ bezeichnet.

 

Wenigstens sorgt eine starke Frau für einen kleinen Hoffnungsschimmer für „die beste WM der Geschichte“



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