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Teil 2

Aber auch in Zeiten, wenn bei Werder große Euphorie herrscht, kriegen die Reporter alle Informationen, die sie brauchen. „Der tägliche Kontakt ist das A und O. Wir sehen die Spieler jeden Tag, da ist es klar, dass man sich nach einer gewissen Zeit kennt“, sagt Carsten Sander und zieht ein kleines Stück Papier aus seinem Portemonnaie. Mit zwei, drei Handgriffen entfaltet er eine lange Liste, auf denen er die Handynummern des kompletten Kaders und der Führungsetage eingetragen hat. „Wir stehen mit allen Spielern in Kontakt, wenn auch nicht jeden Tag. Aber wir sind mit ihnen bekannt, können sie jederzeit ansprechen und meistens auch telefonisch erreichen“, ergänzt Knips.

Präsenz und Kontaktpflege tragen Früchte: Die Syker Kreiszeitung meldete als erste den Wechsel von Miroslav Klose zum Ligarivalen Bayern München. Andere Redaktionen würden den Scoop an die große Glocke hängen, die Syker bleiben ähnlich ruhig wie Thomas Schaaf nach einem Sieg in der Champions League gegen Chelsea: „Natürlich kommt man an die Informationen. Aber wir machen im Prinzip die Arbeit, die jede andere Zeitung auch macht. Wir betreiben großen Aufwand für die Recherche und haken immer wieder nach, das ist schließlich unser Job“, sagt Knips. Und den erledigen die drei Syker Sportredakteure gewissenhaft und unabhängig von Vereinsinteressen.

Die Zusammenarbeit mit dem SV Werder funktioniert zwar gut, dennoch gibt es auch immer mal wieder Reibungspunkte. So zum Beispiel, als Werders ehemaliger Stürmer Rade Bogdanovic sich gegenüber Arne Flügge über die Situation im Bremer Sturm beschwerte. „Aus Bogdanovic’ Sicht war es ein absolutes Unding, dass der Koreaner Dong Gook Lee den Vorzug vor ihm erhielt.“ Nach seinem Text über die Kritik des Angreifers wurde Flügge am nächsten Tag ins Präsidentenzimmer des Verein beordert: Zum klärenden Gespräch mit den Herren Allofs und Bogdanovic. Der bosnische Stürmer leugnete, sich jemals kritisch gegenüber einem Mitspieler geäußert zu haben und schlug Flügge nach dem Gespräch mit einem Augenzwinkern auf den Rücken. „Man muss auch mal Kritik üben und Dinge aufdecken, die im Verein nicht so rund laufen“, so Flügge, dem es auf eine ausgewogene Berichterstattung ankommt. „Wir erhalten uns in jedem Fall eine kritische Distanz zum Verein“, ergänzt Sander.


Sind die Redakteure aber nicht doch selber heimlich Werder-Fans? Arne Flügge, Carsten Sander und Björn Knips ist Professionalität wichtiger. „Uns als Fans zu beschreiben wäre sicherlich übertrieben. Natürlich freut man sich, wenn die Jungs gewinnen. Für uns ist es ja auch schön über die Champions League berichten zu können und man freut sich auch für die Spieler, wenn es bei ihnen gut läuft.“

Klicken Sie hier, um zu lesen, wie Toni zum Türken wurde.



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